Thorsten Leibenath hält als Basketball-Trainer sehr viel von Kameradschaft. In Ulm hat er sich nach anfänglichen Schwierigkeiten gut eingelebt. Wenn da nur die Sache mit dem Dialekt nicht wäre. Aus dem Leverkusener Thorsten formt der schwäbische Kehlkopf ein „Thorschdn“ und Leibenath sagt: „So haben meine Eltern sich das bestimmt nicht vorgestellt.“
Schweres Erbe in Ulm angetreten
Der erst 37 Jahre alte Trainer ist in Ulm zum Liebling der Fans geworden, die ihm zunächst mit großen Vorbehalten begegnet waren. Schließlich musste Leibenath ein schweres Erbe antreten. Im April des vergangenen Jahres hatte das Ulmer Management nach acht Jahren die Trennung von Denkmal Mike Taylor beschlossen und reichlich ungeschickt vollzogen. Nicht einmal drei Wochen später wurde der junge und nicht besonders erfahrene Leibenath als Nachfolger präsentiert.
Der Rheinländer hatte als Cheftrainer lediglich in Großbritannien bei den Scottish Rocks und in der Bundesliga bei den Artland Dragons gearbeitet. „Er ist eines der größten Trainertalente in Deutschland“, behauptete trotzdem damals Thomas Stoll, und der Ulmer Manager darf sich jetzt bestätigt fühlen.
Kameradschaft als Erfolgsrezept
Der Trainer mit dem braven Gesicht eines Bankangestellten und der rauen Stimme eines Whiskeytrinkers mischt in dieser Saison mit seiner Mannschaft mit bescheidenen Mitteln die deutsche Bundesliga auf. Ulm hat gut drei Millionen Euro zur Verfügung, Alba Berlin beispielsweise gibt mehr als doppelt so viel aus und trotzdem lagen die Ulmer zum Abschluss der Hauptrunde als Tabellenzweiter vor dem Krösus aus der Hauptstadt, der sich im Viertelfinale der Play-offs gegen Würzburg verabschiedet hat. Die Ulmer liefern damit einen der seltenen Belege für die These, wonach Geld keine Körbe wirft.
Leibenaths Erfolgsrezept ist die Kameradschaft. Ein scheinbar schrecklich altmodisches Wort im modernen Profisport, aber auch der amerikanische Spieler Kelvin Torbert sagt: „Hier in Ulm sind alle miteinander befreundet, da gibt es keine Grüppchen. So etwas habe ich noch nie erlebt, und ich habe in meiner Karriere schon für viele Teams gespielt.“ Was ja auch und ganz wesentlich ein Verdienst des Trainers ist. AZ