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Radsport
07.10.2008

Kommentar: Neustart in den alten Sumpf

Von Marcus Bürzle Stefan Schumacher steckte schon ein paar Mal im Schlamassel. Mal fiel ein Dopingtest positiv aus, er wurde aber freigesprochen. Dann steigen vor der WM 2007 seine Blutwerte in verbotene Höhen. Schumacher rechtfertige sich mit einem Durchfall. Wenig später baute er betrunken einen Unfall, flüchtete. Die Polizei fand in seinem Blut Aufputschmittel. Im Rennen wäre das verboten, nach der Partynacht stört es die Dopingjäger aber nicht.

So reiste Stefan Schumacher unbescholten zur Tour de France 2008. Er glänzte, man freute sich vorsichtig. Doch jetzt steckt er wieder im Schlamassel. Und es hat den Anschein, dass ihm der Ärger nicht nur bis zu den Knien reicht. Wenn sich der Dopingverdacht bestätigt, steht ihm ein heißer Herbst bevor.

Fürs Protokoll sei gesagt: Schumacher ist noch nicht überführt. Aber die Vergangenheit lehrt, dass sich selten ein Verdacht in Luft aufgelöst hat. Der Unschuldsvermutung ist in Dopingfragen - besonders im Radsport - längst die Luft ausgegangen. Dopende Sportler, helfende Ärzte, duldende Manager und Funktionäre haben sie plattgemacht.

Der Fall Schumacher mag dramatisch, erschreckend und ärgerlich sein, doch er ist nur das Ende einer langen Kette. Das vorläufige Ende. Dem Radsport ist es immer wieder gelungen, noch einen Schritt mehr ins Schlamassel zu machen.

Jeder Neuanfang war bislang der Beginn einer neuen Dopingaffäre und einer neuen Ära. Ein paar Sünder flogen auf, ein paar Mittel konnten die Fahnder plötzlich nachweisen - dann schwenkten die anderen flink um. Zuletzt vertrauten einige - offenbar auch Schumacher - auf ein angeblich nicht zu entdeckendes Mittel. Sie irrten sich und flogen auf. Das ist die kleine gute Nachricht.

Die schlechte ist, dass der Radsport in Schutt und Asche liegt, aber der Leidensdruck noch immer nicht für jeden groß genug ist. Jeder kann die Folgen sehen: Deutschland verlor viele Radsportmannschaften, zuletzt Gerolsteiner. Zahlreiche Rennen verschwinden von der Landschaft. Man kann das mit einem Achselzucken und den Worten "Selber schuld!" abtun.

Im Dopingsumpf gehen jedoch nicht nur die betrügenden Profis und ihr Umfeld unter - es leiden alle Akteure dieser eigentlich schönen Sportart: die Vereine, der Nachwuchs, faire Fahrer, die auf der Straße stehen, weil kein Unternehmen gerne Geld auf ein sinkendes Schiff karrt. Der Radsport ist noch viel tiefer im Schlamassel als Stefan Schumacher.

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