Newsticker
Ukraine wirft Russland Beschuss des AKWs Saporischschja vor
  1. Startseite
  2. Sport
  3. Randbemerkung: Maradona fährt weiter Achterbahn

Randbemerkung
29.10.2008

Maradona fährt weiter Achterbahn

Diego Maradona bedient alle Gefühle. Vor gut 20 Jahren: Staunen, Begeisterung, Faszination. Ein nicht allzu großer, nicht allzu schlanker Mann im blau-weiß gestreiften Trikot zauberte.

Der Ball, der einem selbst so schnell vom Fuß springt, schien an seinen Kickschuhen zu kleben. Er gehorchte. Die Welt lag Diego Maradona zu Füßen. Er führte Argentinien zum Weltmeistertitel. Ein Tor schoss er zwar mit der Hand, aber außer den Engländern nahm ihm das kaum einer krumm. Diego Maradona sprach von der "Hand Gottes", und zu Hause beteten ihn die Fans an. Das war im Jahr 1986.

2004 beteten die Argentinier wieder für Diego Maradona. Der einstige Fußball-Gott lag schwer krank in der Klinik. Das Herz, die Lunge, Maradonas Körper streikte. Er war in Lebensgefahr. Wieder. Je länger Maradonas traumhafte Karriere dauerte, desto mehr bekamen Faszination und Begeisterung Konkurrenz durch andere Gefühle: Sorge, Mitgefühl, Zweifel.

Tagsüber streichelte Maradona den Ball. Abends und nachts lebte er. Später lebte er immer mehr. Er dopte, er griff zu Kokain. Die Sucht führte ihn mehrmals in Lebensgefahr. Maradona ging auf Entziehung, kam zurück und geriet wieder in die Krise. Aber er tauchte immer wieder auf. Spätestens alle paar Monate erreichten Fotos aus Südamerika die Redaktionen in Europa. Viele waren wenig erbaulich. Maradona wurde immer dicker: 123 Kilogramm verteilt auf 1,65 Meter. Dann tauchte Maradona plötzlich an der Seite des kubanischen Staatschefs Fidel Castro auf. Er war auf Kuba, um sich von den Drogen zu lösen. Später ließ sich Maradona den Magen verkleinern. Wenn immer er in diesen bewegten Jahren Fußball spielen konnte, blitzte weiterhin seine alte Klasse auf. Nichts konnte dem großen Ego die Zauberkraft am Ball rauben.

Vor einem Jahr wurde er für tot erklärt, heute wird er 48

Die Achterbahnfahrt in Maradonas Leben, der Wechsel zwischen Genialität und Größenwahn, Siegen und Pleiten wird wohl nie enden. 2007 erklärten ihn die Medien wieder einmal vorschnell für tot. Heute wird er 48 Jahre alt und ist argentinischer Nationaltrainer.

Die Argentinier hätten kaum einen besseren Fußballer finden können. Sie hätten aber auch kaum einen Menschen mit einem wechselvolleren und skandalträchtigeren Lebenswandel finden können. Vorsichtshalber haben sie ihm einige Trainer zur Seite gestellt. Maradona hat keine Zweifel. Bislang ist er als Trainer immer gescheitert. Wer aber von der "Hand Gottes" spricht und seine eigene meint, hat jedoch sicher keinen Mangel an Selbstbewusstsein.

Diego Maradona wird weiter alle Gefühle bedienen. Jubel, Staunen, Faszination - oder - Ärger, Frust, Enttäuschung. Er kann mit Argentinien triumphieren oder aber gnadenlos scheitern.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.