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Fußball

02.02.2021

Sami Khedira und Hertha BSC: Mit dem Big Boss gegen die Big City Krise

Neuzugang Sami Khedira hat zum ersten Mal am Hertha-Training teilgenommen.
Foto: Andreas Gora, dpa

Sami Khedira will bei Hertha BSC Verantwortung übernehmen. Dabei hat er fast 14 Monate nicht mehr gespielt.

Normalerweise wäre an dieser Stelle nun darüber zu lesen, wie voll der Presseraum von Hertha BSC war, wie groß der Andrang war und welche italienischen oder spanischen Medien sich vielleicht um einen Platz in der ersten Reihe geprügelt hätten. Weil im Februar 2021 aber alles digital stattfindet – vor allem Pressekonferenzen – bleibt die Vermutung, dass die Zugriffszahlen in den digitalen Kanälen ganz ordentlich gewesen sei dürften bei der Vorstellung von Sami Khedira.

Der Laune von Sportdirektor Arne Friedrich tat das keinen Abbruch: Sichtlich gut gelaunt erzählte der 41-Jährige, wie er seinen ehemaligen Mitspieler im DFB-Dress in nächtelangen Gesprächen von einem Wechsel in die Hauptstadt überzeugte. Ein Weltmeister beim selbst ernannten "Big City Club" Hertha BSC Berlin – es ist ein Transfer, der zu den Ansprüchen des Vereins zu passen scheint. Sagt auch Friedrich: "Einen derart verdienten Profi für Hertha zu gewinnen, ist eine tolle Sache."

Khedira stand im Jahr 2020 nur 28 Minuten auf dem Feld

Zur Wahrheit gehört es aber auch: Für beide Seiten ist der Wechsel mit einem Eingeständnis verbunden, dass zuletzt einiges nicht optimal lief. Für Hertha, die nach dem Einstieg von Investor Lars Windhorst fast 300 Millionen Euro in die Mannschaft investierte, nun doch wieder gegen den Abstieg spielt und sich von Khedira erhofft, die Spieler zu einer Mannschaft zu einen. Big City Krise. Ebenso für Khedira, der noch vor Wochen den Traum von der englischen Premier League geäußert hatte und sich nun stattdessen im Abstiegskampf der Bundesliga beweisen muss.

Es wird ein Kaltstart werden. Im gesamten Kalenderjahr 2020 bestritt Khedira für Juventus Turin nur eine Partie, Mitte Juni spielte er 28 Minuten im Pokal-Halbfinale gegen den AC Mailand. Der letzte Liga-Einsatz datiert aus dem November 2019, das letzte Mal über 90 Minuten lief Khedira Ende September 2019 auf. Eine Knie-OP und eine Adduktorenverletzung warfen ihn danach zurück, in der aktuellen Saison war er unter Trainer Andrea Pirlo kein Thema mehr.

Das Training bei Juventus Turin als Vorbereitung für die Bundesliga

Diesen Makel sprach auch Khedira selbst an und räumte ein: "Die Zahlen sprechen nicht für mich." Zweifel an seiner Fitness oder seiner Wettkampfhärte will er aber nicht aufkommen lassen, schließlich sei schon jedes Juve-Training eine Beweisprobe: "Wenn man täglich mit Spielern wie Cristiano Ronaldo, Bonucci, Chiellini auf dem Platz steht, dort im Elf gegen Elf den Ball halten muss, dann verliert man nicht allzu viel an Qualität und Fitness." Ob das Juve-Training als Vorbereitung für den Liga-Alltag durchgeht, wird sich am Freitagabend zeigen, wenn Hertha gegen den FC Bayern antreten muss (20.30 Uhr, DAZN). Mit einer Führungsrolle hat Khedira selbstredend keine Probleme: "Ich will spielen, ich will Verantwortung übernehmen." Angesichts des bisherigen Auftretens der meisten Hertha-Spieler dürfte es nicht sonderlich viele Konkurrenten beim Beanspruchen einer Vorreiterstellung geben – auch wenn Khedira noch einschränkend hinzufügt: "Ich bin nicht der Big Boss, sondern sehe mich als Teil des Teams."

Bereits am Nachmittag stand der Ex-Nationalspieler zum ersten Mal auf dem Trainingsplatz. Sein Vertrag in Berlin läuft vorerst bis zum Sommer – also 15 Spiele lang, vielleicht kommen noch zwei Partien in der Relegation hinzu. Khedira, der fast 14 Monate nicht gespielt hat, muss sofort zu einer sportlichen Verstärkung werden. Sonst wird sich Herthas Krise auch schnell zu seiner persönlichen auswachsen.

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