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Skifliegen

01.02.2019

Schuster winkt ab

Nach dieser Saison ist Schluss: Bundestrainer Werner Schuster betreut nicht mehr die deutschen Skispringer.
Bild: Ralf Lienert

Im Vorfeld des Weltcups in Oberstdorf erklärt der Bundestrainer seinen Rücktritt zum Saisonende. Wer ein heißer Kandidat auf die Nachfolge des Österreichers ist

Es war der Moment des größten Erfolgs. Die ersten Minuten, nachdem Andreas Wellinger bei den Olympischen Spielen in Pyeongchang die Goldmedaille beim Springen von der Normalschanze gewonnen hatte und Werner Schuster auf dem Weg nach unten war zu seinem Schützling. „Da habe ich mir zum ersten Mal Gedanken über meine Zukunft als Trainer gemacht“, sagte der Bundestrainer gestern in Oberstdorf. Der Triumph so gegenwärtig, die nächsten Olympischen Spiele in Peking 2022 noch so weit weg. Nun, knapp ein Jahr später, erklärte der 49-jährige Österreicher bei einer Pressekonferenz des Deutschen Ski-Verbands (DSV) zum Skiflug-Weltcup im Allgäu, dass er seinen zum Saisonende auslaufenden Vertrag nicht verlängern werde. „Es ist nicht leicht, aber jetzt ist der perfekte Zeitpunkt, eine intakte Mannschaft und intakte Strukturen zu übergeben“, meinte er.

Schuster kam 2008 nach neun Jahren als Nachwuchstrainer in Österreich und einer Saison als Coach der Schweizer Weltcup-Mannschaft, um die zu diesem Zeitpunkt schwächelnden deutschen Skispringer wieder an die Weltspitze heranzuführen. „Ich hatte damals keinen Karriereplan“, sagte er. Und doch erfüllte er die Mission auf beeindruckende Art und Weise. Am Ende stehen für seine Athleten zwei Olympiasiege, viele weitere Medaillen bei Olympischen Spielen und Weltmeisterschaften und der Weltcup-Gesamtsieg von Severin Freund 2015 zu Buche. Alle Springer, die derzeit zu Schusters A-Kader gehören, durchliefen seine Schule, ein einheitliches System an den Stützpunkten, das auf den Leistungsprinzipien und stilistischen Grundsätzen des Kleinwalsertalers beruht. Doch hinter all den Erfolgen steckt harte Arbeit. Schuster begründete seinen Abschied mit eben diesem großen Aufwand: „Ich selbst habe die Mannschaft um- und aufgebaut und weiß daher, wie viel Energie dafür in den nächsten Jahren notwendig sein wird. Es war eine wahnsinnig intensive Zeit über die vergangenen elf Jahre.“ Am meisten habe darunter seine Familie leiden müssen. Für seine Frau, aber auch für die beiden Söhne Jonas, 15, und Jannick, 12, wolle er künftig wieder mehr Zeit haben. So träume er derzeit sogar von einer einjährigen Auszeit vom Skisport. „Ich bin jetzt seit 21 Jahren Profitrainer. Ich glaube, das würde mir ganz guttun. Ob ich dazu den Mut und die Möglichkeit habe, weiß ich noch nicht“, erklärte der Skisprung-Fanatiker. Schuster liegt aber auch ein Angebot des DSV vor, künftig sein Wissen und seine Erfahrung im strukturellen und trainingsmethodischen Bereich einzubringen. Weg drei könnte den 49-Jährigen zurück zum Österreichischen Skiverband führen. „Ich habe eine große Verbundenheit zum Skigymnasium in Stams“, sagte er. Letztlich sei aber in dieser Frage noch genauso wenig eine Entscheidung gefallen wie in der nach Schusters Nachfolger. Heiß gehandelt wird Stefan Horngacher. Er war bereits von 2011 bis 2016 Assistent von Schuster beim DSV, sein Vertrag in Polen läuft im Frühjahr aus.

Intensive Gespräche mit geeigneten Kandidaten kündigte Horst Hüttel, Sportlicher Leiter des DSV, an. Zunächst wolle man sich aber auf den Skiflug-Weltcup in Oberstdorf konzentrieren. Von Freitag bis Sonntag stehen dort drei Einzelwettbewerbe an (Beginn jeweils 16 Uhr). Für Schuster und seine Schützlinge ist es die Chance, wieder in die Erfolgsspur zu kommen. Denn ausgerechnet drei Wochen vor der WM in Seefeld/Tirol bereiten die prominentesten Flieger im Team Sorgen. Eine weitere Herausforderung für den Bundestrainer am Ende seiner Amtszeit.

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