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Tennis

16.08.2017

Sieger im Duell der Generationen

Alexander Zverev gewinnt gegen Roger Federer das Finale von Montreal. Damit rückt der 20-jährige Deutsche in der Weltrangliste weiter nach oben. Was macht ihn so erfolgreich?

Es war die Traumbesetzung im deutschen Wimbledon vor rund zwei Monaten: Alexander Zverev, der junge Lokalmatador, im letzten Showdown der Gerry Weber Open 2017 gegen Roger Federer, den Größten aller Zeiten. Ein Traumendspiel wurde es dann ganz und gar nicht, Federer gewann haushoch, es war eine schmerzliche Lehrstunde für Zverev. Federer stürmte anschließend zu seinem achten Wimbledon-Titel, und Zverev verließ das Theater der Tennisträume in London frustriert, sogar als Chancentod wurde er nach einer bitteren Achtelfinal-Niederlage gegen den Kanadier Milos Raonic klassifiziert.

Man muss diese kleine Vorgeschichte noch einmal aufblättern, um zu begreifen, was Alexander Zverev stark und stärker macht. Und warum er da steht, wo er steht in diesen Augusttagen des Jahres 2017, nämlich sehr weit vorne in der Welt des Herrentennis, mittlerweile nun schon auf Platz 7 der Rangliste.

Gern gebrauchen Hochleistungssportler die Redewendung, Niederlagen und Rückschläge machten sie nur stärker, nichts habe einen größeren Lerneffekt für sie. Oft wirkt das wie eine Floskel. Doch Zverev, dieser 1,98-Meter-Schlaks aus Hamburg, ist ein Musterbeispiel für das konstruktive Verarbeiten von Enttäuschungen. Wieder stand er, nun in Montreal, an einem Finalsonntag Federer gegenüber, aber jetzt war es Zverev, der souverän und machtvoll die Regie auf dem Centre Court führte. 6:3 und 6:4 siegte er gegen den Maestro. Nie hatte man das Gefühl, Zverev könne das Diktat über die Partie aus der schwungvollen Hand geben.

Später sagte er: „Ich habe gerade das Gefühl, dass ich das beste Tennis meines Lebens spiele. Ein Tennis, das zu meinem Weltranglistenplatz passt.“ Zverev wirkt oft mürrisch, verdrießlich und bockig, wenn er sich in schweren Tennismomenten zu erklären hat. Das war besonders nach den Grand-Slam-Niederlagen in diesem Sommer zu beobachten, in Paris und Wimbledon. Öffentlich sagte Zverev im All England Club sogar, er sei es leid, aus Niederlagen zu lernen.

Doch anschließend stürzte er sich mit umso größerem Feuereifer in die Arbeit für die US-amerikanische Hartplatzsaison, er vollzog auch einen ziemlich hellsichtigen Schritt, als er den früheren Weltranglisten-Ersten Juan Carlos Ferrero in sein Betreuerteam aufnahm. Ferrero ist keiner der prominentesten Namen in der Riege der Supertrainer, aber er ist einer, der sich in aktiven Zeiten gegen die absoluten Topleute zu wehren wusste und kluge Strategien gegen sie entwarf.

Doch das Wichtigste ist eben: Zverev hat enorme Nehmer- und Lernqualitäten. Er kann selbst die härtesten Knockouts wegstecken, und er macht selten die gleichen Fehler zweimal. Auch seine bisher größte Leistung darf nicht vergessen werden: Denn der 20-Jährige hat es in relativ jungen Jahren geschafft, seine Hitzköpfigkeit zu regulieren und auf ein gesundes Maß abzudämpfen. Ganz ohne Emotionen geht es nicht bei Zverev, aber diese Gefühlsausbrüche wirken längst nicht mehr so zerstörerisch und gefährlich wie noch vor ein, zwei Jahren. „Alexander hat sich viel besser im Griff. Und damit auch seine Gegner“, sagt Federer, der sich bei dem Deutschen über nichts mehr wundert, „er ist zuletzt zwei Level nach oben marschiert, bis hin zu diesen großen Titeln.“

Seit Boris Beckers Zeiten hat kein junger Deutscher die Szene so verblüfft und fasziniert wie Zverev. Vor allem, weil er sich dem Trend zu immer mehr älteren Champions entgegenstemmt. Im Hier und Jetzt ist der soeben aus dem Teenageralter entwachsene Hamburger der Einzige, der es mit den Großen und Starken aufnehmen kann. Zverev wirkt immer noch ein wenig zerbrechlich, dieser lange Lulatsch mit keinem Gramm zu viel am Körper, aber der Anschein trügt: Der Youngster ist stahlhart geworden, körperlich sowieso, mental meistens auch.

Im Tour-Alltag hat Zverev schon zu den beiden Altmeistern Federer und Nadal aufgeschlossen, genau wie der Spanier und der Schweizer hat er zwei Masters-Titel errungen, noch dazu drei weitere Trophäen gesammelt (München, Montpellier und Washington). Er ist der drittbeste Spieler der Saison.

Aber macht das Zverev nun zu einem Favoriten für die US Open in New York ab Ende August? Nein. Grand Slam-Tennis spielt sich in einem noch einmal anderen Kosmos ab. Noch größerer Druck, noch härtere Matches über stets drei Gewinnsätze. Zverev hat noch reichlich Zeit, sich auch auf diesem Parkett zu beweisen.

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