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Künftige Nationaltrainerin

31.03.2015

Steffi Jones - die schüchterne Kämpferin

Fußball-Bundestrainerin Silvia Neid (l) und ihre designierte Nachfolgerin Steffi Jones.
Bild: Frank Rumpenhorst dpa

Steffi Jones wird Nationaltrainerin der Fußball-Frauen. Die Gefahr, dass sie die Bodenhaftung verliert, besteht nicht. Denn sie kennt auch die Schattenseiten des Lebens.

Stephanie Jones war bereits „Kaiserin“ – was kann diesen Titel noch toppen? Stephanie Ann Jones – besser bekannt als Steffi Jones – reiste viel, um Werbung für die Frauen-Fußball-WM 2011 in Deutschland zu machen. Wie einst der „Kaiser“ Franz Beckenbauer. Dabei hat sie auch Augsburg und die Puppenkiste besucht.

Als Präsidentin des Organisationskomitees hatte Jones auf Funktionärs-Ebene eine der höchsten Stellungen im deutschen Sport erreicht. Sportlich ganz oben stand sie zuvor schon in ihrer aktiven Fußballkarriere – sie war Welt- und Europameisterin. Nun folgt der nächste Höhepunkt: Steffi Jones wird im September 2016 Trainerin der deutschen Frauen-Nationalmannschaft.

Steffi Jones Leben gleicht einem Märchen

Dass die 42-Jährige so weit kommen wird, war nicht abzusehen. Ihr Leben gleicht einem modernen Märchen: Steffi Jones wuchs im Frankfurter Problemstadtteil Bonames auf. Ihr Vater, der US-Soldat Ray Jones, hatte die Familie verlassen, als Steffi drei Jahre alt war. Sie wuchs mit ihrer Mutter Liselotte und ihrem älteren Bruder Christian auf. Dass sie in ihrer Jugend nicht auf die schiefe Bahn geraten sei, verdanke sie dem Fußball, sagt Jones. Durch den Spaß am Sport und die Gemeinschaft, die sie in der Mannschaft vorgefunden hat, fühlte sie sich akzeptiert. Das bezeichnet sie heute noch als ihr Glück. Das ihrem älteren Bruder vielleicht fehlte. Er hatte lange mit Drogenproblemen zu kämpfen. Ihr jüngerer Bruder Frank ist früh mit seinem Vater in die USA ausgewandert. Er verlor bei einer Explosion im Irak-Krieg beide Beine. Zu beiden Brüdern hat sie nach eigenen Angaben wenig Kontakt, zu ihrem leiblichen Vater keinen.

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Steffi Jones und ihre Mutter aber verbindet ein besonderes Verhältnis. Die Mutter gibt ihr bis heute erzieherische Ratschläge. Zum Beispiel, dass die Tochter mit kleinen Schritten laufen soll und nicht mit riesigen, wie bei Fußballern üblich.

Nationaltrainerin der Fußball-Frauen

Jones ist wohl gerade wegen ihrer Vergangenheit stets sympathisch geblieben. Die Mutter hat die Kinder alleine großgezogen, die Tochter musste früh selbstständig werden. Dazu gehörte auch arbeiten. Und das beinahe rund um die Uhr. Steffi Jones sagt heute von sich selber, dass sie nie die Bodenhaftung verlieren werde, weil sie weiß, was das Leben mit sich bringen kann.

Bezeichnend für die zukünftige Nationaltrainerin ist ihre Offenheit. Egal, ob es um ihre Hautfarbe geht oder um die Beziehung mit ihrer Lebenspartnerin Nicole. Ihre Bekanntheit nutzt Steffi Jones: Sie ist unter anderem im Vorstand der Bundesliga-Stiftung, die sich um soziale Projekte kümmert.

Jones selber bezeichnet sich als schüchtern, doch wenn es um Fußball geht, verfolgt sie ihre Ziele selbstbewusst. Zwei davon: ausreichendes Gehalt für Fußballerinnen und eine bessere Förderung von Mädchen. Als Nationaltrainerin kann sie diese Wünsche weiter voranbringen. Carolin Oefner

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