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TV-Rechte
01.12.2008

Ein Geschäft auf Kosten der Kleinen

Die Bosse der Bundesliga können sich auf die Schultern klopfen. Sie haben in einer harten Zeit einen satten Fernsehvertrag an Land gezogen - auf Kosten der Amateurvereine. Ein Kommentar von Marcus Bürzle

Von Marcus Bürzle

Die Bosse der Bundesliga können sich auf die Schultern klopfen. Sie haben in einer harten Zeit einen satten Fernsehvertrag an Land gezogen. Trotz Finanzkrise, trotz strenger Regeln vom Kartellamt gehen sie mit einem kleinen Plus in die Zukunft.

Keine Frage, die Millionen tun ihnen gut, denn die internationale Konkurrenz schöpft aus noch größeren Töpfen. Der neue Vertrag hatte seinen Preis, doch die Bundesliga kann den zersplitterten Spielplan verschmerzen.

Eine Etage tiefer stellt sich die Lage schon ganz anders dar. Die zweite Bundesliga musste Kröten schlucken - vor allem die Fans. Der Trend geht weiter zu immer früheren Anstoßzeiten. Wer als Rostocker am Samstag um 13 Uhr die Partie seines Lieblingsklubs in Augsburg sehen will, muss die Ostsee verdammt früh verlassen.

Für ganz banale Samstagsgeschäfte wie Einkaufen wird die Zeit auch an Heimspieltagen knapp. Die Zweitligavereine bekommen dafür aber immerhin Millionen überwiesen - Schmerzensgeld. Wenn daraus schöner und erfolgreicher Fußball entsteht, haben im besten Fall sogar die Fans noch etwas davon.

Noch eine Etage tiefer löst der neue Fernsehvertrag kaum Jubel aus. Warum auch. Die Amateurvereine sehen zunächst keinen Cent der vielen Millionen. Sie müssen aber damit leben, dass sich der Profifußball immer weiter ausbreitet. Der bundesligafreie Sonntag ist längst eine verstaubte Idee.

Das neue Millionengeschäft hat auch das letzte Reservat geschleift. Wenn an einem Sonntag um 15.30 Uhr der FC Bayern spielt und die Partie live in Premiere läuft, ist das ohne Frage eine Konkurrenz zum Duell zweier Bezirksligisten. Schon heute lockt nicht nur der Kick die Menschen auf den Dorf-Sportplatz.

Wenn im warmen Sportheim die erste oder zweite Bundesliga im Fernsehen läuft, ist das nicht nur an kalten Wintertagen ein Konkurrenzprogramm.

Die Amateure haben keine Lobby

Der Protest der "Kleinen" ist jedoch noch nicht sehr laut und er wird wahrscheinlich verhallen. Während der Profifußball ein Millionengeschäft ist, in dem erfahrene Manager am Ruder sitzen, fehlen den Amateuren Macht, Stimme und Lobby.

Ein einzelner Vereinspräsident aus Schwaben oder Oberbayern wird die Fußballwelt nicht ändern. Und der Deutsche Fußball-Bund DFB, der Verband der Amateure, legte zwar ein Veto gegen ein Mittagsspiel am Sonntag ein, der Nachmittagskick kommt aber.

Was das bedeutet, scheint auch der DFB zu ahnen, sonst hätte er jetzt nicht plötzlich Ausgleichszahlungen ins Spiel gebracht. Im Moment klingt die Idee jedoch noch nach Beruhigungspille, denn wie soll ein kleiner Verein "zweifelsfrei" nachweisen, dass wegen der Bundesliga-Übertragung 73 Zuschauer weniger da sind und nicht aus anderen Gründen? Und an der mauen Stimmung an der Seitenlinie ändert eine Überweisung nichts.

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