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Tennis
09.05.2019

Warum Stöhnen im Tennis doch unfair ist

Die vielleicht prominenteste Stöhnerin: Monica Seles.
Foto: Witters

Monica Seles stöhnte auf dem Platz fast mit der Laustärke einer Holzfräsmaschine. Ist das unfair? Eine Studie der Uni Jena legt das zumindest nahe.

Wer sich in den 90er Jahren ein Tennisspiel unter Beteiligung von Monica Seles ansah (und vor allem: anhörte), war gut beraten, die Fenster zu den Nachbarn zu schließen, um bei diesen keine falschen Assoziationen zu wecken. Seles war nicht nur eine der besten Tennisspielerinnen aller Zeiten, sondern auch eine der lautesten. Mit amtlich gemessenen 93,2 Dezibel stöhnte sie der kleinen Filzkugel auf den Weg zur Gegnerin hinterher. Damit liegt sie fast auf dem Niveau einer Holzfräsmaschine, die 95 Dezibel erreicht. Eine prominente Nachfolgerin von Seles, Maria Scharapowa, kommt sogar auf 101 Dezibel und ist damit so laut wie ein anfahrender U-Bahn-Zug.

Das gefällt nicht jedem. Einige Spielerinnen beschwerten sich darüber, dass das Grunting – so der wissenschaftliche Fachbegriff – sie in ihrer Konzentration störe. Martina Navratilova witterte einen Wettbewerbsvorteil für die Stöhnerinnen: Der Grunt (aus dem Englischen: grunzen – Fachbegriff!) würde das Schlaggeräusch übertönen und es damit erschweren, die Flugbahn des Balles zu berechnen.

Die Studie der Uni Jena belegt: Je lauter der Stöhner, desto kraftvoller wird der Ball erwartet

Eine aktuelle Studie der Uni Jena gibt Navratoliva nun teilweise recht. Für die Untersuchung wurde erfahrenen Tennisspielern Videoausschnitte aus dem Profi-Tennis gezeigt. Die Wissenschaftler hatten ohne das Wissen der Probanden die Lautstärke der Stöhngeräusche manipuliert. Das Ergebnis: Je lauter das Stöhnen, desto länger schätzten die Studienteilnehmer die Flugbahn des Balles ein.

Bedeutet im Umkehrschluss: Wer auf dem Tennisplatz seine Gegner irritieren will, sollte neben Topspin und Aufschlag auch Grunting trainieren. Bis der Gegenüber merkt, dass der mit epochalem Stöhnen begleitete Ball es statt bis zur Grundlinie nur knapp übers Netz geschafft hat, ist es zu spät. Und ein starker Schlag wird mit einem Mini-Grunt maskiert.

Vielleicht könnte diese Übung auch Schule in anderen Sportarten machen. Man stelle sich vor, wie ein Fußballer mit imposantem Grunt zur Ausführung eines Freistoßes schreitet und damit die Mitglieder der Freistoßmauer samt Torwart derartig verschreckt, dass alle das Weite suchen. Muss ja keiner wissen, dass hinter dem Grunt nur ein fußballerischer Wicht steckt.

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