Newsticker

Lauterbach: Bundesregierung soll Signal gegen angekündigte Lockerungen in Thüringen setzen
  1. Startseite
  2. Sport
  3. Türkgücü: Ein Außenseiter will Münchens Nummer zwei werden

Fußball

18.02.2020

Türkgücü: Ein Außenseiter will Münchens Nummer zwei werden

Seit dieser Saison trainiert der gebürtige Mindelheimer Reiner Maurer die Regionalliga-Mannschaft von Türkgücü München.
Bild: Olaf Schulze

Plus Vor 30 Jahren wollte Türkgücü München in die zweite Liga und landete in der Kreisliga. Dem Nachfolgeverein scheint der Aufstieg nun zu gelingen. Noch fehlt ein Stadion.

Über den Aufstieg oder ein Derby gegen seinen Ex-Klub 1860 München will Reiner Maurer noch gar nicht reden. Dabei ist dieses Szenario für den von ihm trainierten Regionalliga-Spitzenreiter Türkgücü München realistisch. Doch der Trainer denkt viel mehr darüber nach, wie seine Fußballer bestens vorbereitet auf die am 7. März beginnende Frühjahrsrunde starten.  Denn die acht Punkte Vorsprung auf den Tabellenzweiten FC Schweinfurt 05 sind für Maurer noch keine Aufstiegsgarantie. Immerhin müssten die Münchner in dieser Saison keine Relegationsspiele bestreiten, der Meister der Regionalliga Bayern steigt direkt auf. Am Ende könnte aus dem bislang eher mäßig bekannten Verein die zweite Kraft in München werden - vor dem TSV 1860 München.

Die Wahrscheinlichkeit, dass Türkgücü im Profifußball ankommt, ist groß, Pläne dafür gab es schon in der Glanzzeit des Vorgängerklubs SV Türk Gücü. Der tauchte 1988 erstmals in der damals noch drittklassigen Bayernliga auf. Der damalige Präsident und Mäzen Ergun Berksoy hatte die 2. Bundesliga als Ziel ausgerufen.

Die Spiele von Türkgücü wurden live im türkischen TV übertragen

Doch zu der Zeit gab es neben der fehlenden sportlichen Qualifikation vor allem ein Problem, nämlich die Einsatzbestimmungen im Profifußball. Mehr als zwei Ausländer durften zu diesem Zeitpunkt nicht gleichzeitig auf dem Platz sein, die "türkische Kraft" war allerdings damals schon eine Multi-Kulti-Truppe – und neben Türkiyemspor Berlin der prominenteste Gastarbeiterverein Deutschlands. Teilweise wurden die Spiele sogar live im türkischen Fernsehen übertragen.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.
Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Dem Höhenflug des Klubs folgte der jähe Absturz, Türk Gücü meldete Konkurs an, gründete sich als Türk SV 1975 neu – den sportlichen Niedergang konnte das nicht verhindern. 2002 stiegen die Münchner aus der Landesliga ab, sechs Jahre später waren sie nur noch Kreisligist. Um die Kräfte zu bündeln, kam es 2009 zur Fusion mit dem Lokalrivalen Ataspor. Unter dem sperrigen Namen SV Türkgücü-Ataspor ging es in der Bezirksliga weiter. Doch der Fusionsklub machte weniger durch sportliche Erfolge als durch die Verpflichtung von Werner Lorant als Trainer von sich reden.

Trainiert wird Türkgücü vom Mindelheimer Rainer Maurer

Mittlerweile geht es aber rasant bergauf. Zweimal in Folge wurden die Oberbayern Meister, marschierten aus der Landes- in die Regionalliga und setzten sich dort unter dem neuen Namen Türkgücü München gleich an der Tabellenspitze fest. Dafür wurde vor der Saison nahezu der komplette Kader ausgetauscht, in dem aktuell noch acht Kicker mit türkischen Wurzeln vertreten sind. Mit Reiner Maurer wurde ein Trainer verpflichtet, der den Lokalrivalen 1860 München bereits in der 2. Bundesliga coachte und in Griechenland die Erstligisten OFI Kreta und Skoda Xanthi anleitete. Nach einem Gastspiel in Thailands Profifußball ist der gebürtige Mindelheimer zurück in Bayern und kann bei Türkgücü Aufbauarbeit leisten.

In der Regionalliga ist Türkgücü München (hier beim Spiel gegen den SSV Ulm) Tabellenführer.
Bild: Alexander Kaya

Maurer: "Wir haben vor der Saison auf Profifußball umgestellt"

"Wir haben vor der Saison auf Profifußball umgestellt", so der 59-Jährige, der aber längst noch keine Profibedingungen vorfindet. Bis zur Winterpause hat Türkgücü seine Heimspiele im benachbarten Sportpark Heimstetten ausgetragen, trainiert wird auf der Bezirkssportanlage in Trudering oder dem Kunstrasen in Unterföhring.

"Laufeinheiten absolvieren wir im Perlacher Forst. Zum Glück haben wir beim Erdinger Meistercup ein Trainingslager in Barcelona gewonnen, ein zweites folgt in der Türkei", verrät Maurer. "Es ist vieles noch im Entstehen", weiß der Trainer um die fehlende Infrastruktur des Vereins und verweist darauf, "dass es beim FC Augsburg oder FC Ingolstadt auch einige Jahre gedauert hat, bis ausreichend Trainingsplätze und Gebäude zur Verfügung standen." In München sei das noch ein Stück schwieriger, die Grundstückspreise sind viel höher. "Letztlich ist das aber nicht mein Thema, ich konzentriere mich auf das Sportliche", sagt Maurer.

Sollte Türkgücü aufsteigen, prüft der Klub einen Umzug in ein anderes Bundesland

Und da geht es darum, den Vorsprung an der Tabellenspitze zu behaupten. Dass Türkgücü die restlichen fünf Heimspiele der Saison im Grünwalder Stadion bestreiten darf, sieht Maurer "sehr positiv". Wobei noch nicht geklärt ist, ob die Arena im Stadtteil Giesing längerfristig für Türkgücü offen steht. Für das Dilemma sorgt der DFB, der vorschreibt, dass sich maximal zwei Drittligisten ein Stadion teilen dürfen. Weil der TSV 1860 und der FC Bayern II aber ebenfalls im "Grünwalder" ihre Heimspiele austragen, wäre für Türkgücü kein Platz mehr – und ansonsten sind im Stadtgebiet nur noch das Olympiastadion und die Allianz-Arena für Drittliga-Fußball zugelassen.

Präsident Hasan Kivran sagte der Süddeutschen Zeitung, dass auch ein Umzug in ein anderes Bundesland geprüft werde: Nordrhein-Westfalen könnte die neue Heimat werden. "Dort hätten wir wahrscheinlich mehr Zuschauer, weil es auch mehr Derbys gäbe." Damit könnte der Verein, der über kein eigenes Stadion verfügt, einen Engpass umgehen. "Ich weiß, dass wir in München stören", sagte Kivran.

Um diese Fragen kümmert sich aber in erster Linie Robert Hettich, früher Pressesprecher bei 1860 München und damit alter Weggefährte Maurers. Mittlerweile ist Hettich Geschäftsführer der Türkgücü Fußball GmbH, die zu 99 Prozent vom Unternehmer Hasan Kivran kontrolliert wird. Der ist zudem Vorstandsvorsitzender des Stammvereins und tritt damit in die Fußstapfen von Ex-Präsident Berksoy, dem der Traum vom Profifußball einst verwehrt blieb. Diesmal spricht alles dafür, dass sein Nachfolger mit Türkgücü ab dem Sommer 2020 bundesweit in Erscheinung tritt.

Wir wollen wissen, was Sie denken: Die Augsburger Allgemeine arbeitet daher mit dem Meinungsforschungsinstitut Civey zusammen. Was es mit den repräsentativen Umfragen auf sich hat und warum Sie sich registrieren sollten, lesen Sie hier.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren