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02.05.2018

Ulreich erlebt den Albtraum eines Torhüters

Am Boden: Bayern-Torwart Sven Ulreich nach dem Schlusspfiff. 
Bild: afp

Champions League Vor wenigen Tagen galt der 29-Jährige noch als möglicher Kandidat für Löws WM-Aufgebot. Sein Blackout in Madrid hat den Bayern-Keeper tief stürzen lassen

Madrid In einem orkanartigen Getöse ganz bei sich zu sein, den Lärm auszublenden, ist eine Fähigkeit, die vielen Spitzentorhütern zu eigen ist. Auch Sven Ulreich beherrscht sie. Für einige Momente gehörte ihm eine ganze Spielfeldhälfte, die Spieler Reals jubelten ebenso auf der anderen Seite, wie dort die restlichen Münchner trauerten. Ulreich aber saß wenige Meter von seinem Tor entfernt. Diesem Tor, in dem er den unglücklichsten Augenblick seiner Karriere erlitten hatte.

Gerade einmal 22 Sekunden waren in der zweiten Halbzeit vorbei, als Corentin Tolisso einen Rückpass zu seinem Torwart spielte. Keinen besonders guten, aber einen, der problemlos zu klären gewesen wäre. Dann folgte, was Trainer Jupp Heynckes so beschrieb: „Er hat einfach einen Blackout gehabt. Er wollte den Ball mit den Händen aufnehmen und hat dann gemerkt, das geht ja gar nicht. Dann ist er konfus geworden.“ Wird ein Stürmer konfus, vergibt er vielleicht eine Chance, ein Torwart verschuldet einen Treffer. Hätte er doch in seiner Konfusion die Hände zur Hilfe genommen. Er hätte nicht einmal eine Gelbe Karte dafür gesehen. Freistoß für Real, lustiges Pannenvideo, fertig. So aber rutschte er am Ball vorbei, Karim Benzema schob zum 2:1 für Real ein und die Bayern scheiterten letztlich. Selbstverständlich wollte niemand danach Ulreich einen Vorwurf machen. Trotzdem hat sich der Pechvogel anderntags via Instagram entschuldigt: „Es tut mir leid ... für mein Team und für euch Fans“, schrieb der 29-Jährige, „wir wollten unbedingt ins Finale und dann passiert mir dieser unnötige Fehler. Ich kann es mir nicht erklären.“ In der Person von Ulreich zeigte der Fußball mal wieder, zu welch grausamem Pointenreichtum er fähig ist. Vor kurzem noch wurde der Torwart als möglicher WM-Fahrer gehandelt. Er war eine der positiven Überraschungen der Bayern in dieser Saison. Nach der Verletzung von Manuel Neuer steigerte sich Ulreich immer weiter, hielt nicht nur gut, sondern spielte auch immer besser mit. Bis zu jenem unglücklichen Moment kurz nach der Pause.

Es ist die Szene, die das Halbfinale geprägt hat. Die Szene, die aus Ulreichs Vertretung für Neuer hängen bleiben wird. Denn bald wird der 29-Jährige auf die Bank zurückkehren. Neuer steht kurz vor seinem Comeback und würde wohl noch gerne die ein oder andere Partie spielen, ehe die Vorbereitung der Nationalmannschaft startet.

Nach dem Ausscheiden der Münchner stehen nun nur noch zwei Liga-Partien und das DFB-Pokalfinale an, ehe die Saison beendet ist. Dann beginnt die Sommerpause. Eine Woche zu früh für Ulreich. Kein Champions-League-Finale. Er wird nicht mit zur WM fahren. Er hat viel Zeit. Zeit, die man ihm nicht wünscht. Tilmann Mehl

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