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Fußball

23.10.2020

Vom Schuhputzer zum Besten: Pelé feiert 80. Geburtstag

Eines der berühmtesten Bilder der Fußball-Historie: Brasiliens Pelé bejubelt 1970 den 4:1-Sieg im WM-Finale gegen Italien.
Bild: dpa (Archiv)

Vielen gilt er als bester Spieler aller Zeiten. Pelé gewann mit Brasilien drei WM-Titel und pflegte auch Kontakte nach Augsburg. Heute lebt er zurückgezogen.

Man kann nicht sagen, Edson Arantes do Nascimento liebe das Leben nicht. Sieben Kinder von vier Frauen lassen das erahnen. Dabei hatte es wenig glamourös begonnen. Geboren in dem brasilianischen Städtchen Três Corações, schlug er sich schon mit sieben Jahren als Schuhputzer durch. Sein Vater João Ramos war in guten Zeiten Fußballprofi, in schlechten Tagelöhner. Mutter Celeste arbeitete als Wäscherin. Bei einem Turnier für Straßenfußballer wurde er von Talentspähern entdeckt, mit 15 Jahren bestritt Pelé, wie ihn seine Spielkameraden riefen, sein erstes Spiel für den brasilianischen Erstligisten FC Santos und erzielte prompt ein Tor.

Der Rest ist Geschichte. Die Geschichte eines Schuhputzers, der dreimal Weltmeister wurde und eine ganze Ära prägte. Franz Beckenbauer würdigte seinen einstigen Weggefährten gerade erst als „größten Fußballer aller Zeiten“. Legendär dessen Torquote: In 1363 Spielen erzielte er 1281 Treffer, wobei die Quellenlage diesbezüglich etwas unklar ist.

Fußball-Star Pelé versuchte sich auch als Sportminister, Designer und Werbeträger für Viagra

Zuletzt wurde es ruhig um den „König“. In Zeiten der Corona-Pandemie blieb Pelé zu Hause in Guarujá im Bundesstaat São Paulo. Mehrmals ist er schon an der Hüfte operiert worden und kann nur noch schlecht laufen.

Pelés Sohn Edinho berichtete dem Onlineportal Globoesporte von einer gewissen Depression des Mannes mit dem strahlenden Lächeln. „Er ist der König, er war schon immer eine so imposante Figur, und heute kann er nicht mehr richtig gehen.“ Das zehrt. In einem Interview zu seinem 78. Geburtstag sagte er, Gott habe ihm die Rechnung für seine Jahre als Athlet geschickt.

Dieses Bild zeigt Pelé mit Augsburgs Legende Helmut Haller und dessen Sohn Jürgen.
Bild: Jürgen Haller

1958 hatte der damals 17-jährige Pelé die WM in Schweden gespielt. Er wurde der bis heute jüngste Weltmeister der Fußball-Geschichte. Es folgten die WM-Titel der Jahre 1962 in Chile und 1970 in Mexiko. Mit dem FC Santos gewann er in 17 Jahren 26 Titel. Nach seiner einzigartigen Karriere, die 1977 in New York endete, versuchte sich Pelé unter anderem als Sportminister in Brasilien, TV-Kommentator, Werbeträger für Viagra, Sänger, Designer von Fußballschuhen, Schauspieler, Besitzer einer Filmproduktionsgesellschaft und einer Marketing-Gesellschaft, wie die Bild referierte. Dabei kreuzten sich seine Wege auch immer wieder mit Helmut Haller. Wenn man sich mit Augsburgs Fußball-Legende über Pelé unterhielt, begannen dessen Augen zu leuchten. Obwohl der 2012 gestorbene Haller selbst ein Weltstar war, verehrte er den Brasilianer förmlich. „Er war der komplette Fußballer.“

Persönlich kennengelernt hatten sich die beiden 1966 im Rahmen des WM-Finales in London. Der deutsche Nationalspieler besorgte sich nach der 2:4-Niederlage im Wembleystadion gegen die Gastgeber den Spielball und ließ ihn beim abendlichen Bankett von Spielern wie die Briten Bobby Charlton und Bobby Moore oder die Südamerikaner Pelé und Garrincha signieren. Das Spielgerät sorgte 30 Jahre später, vor der EM, für Schlagzeilen, als ihn Haller auf die Insel zurück brachte. Zunächst aber hatte er ihn seinem Sohn Jürgen geschenkt.

Pelé und Helmut Haller trafen sich immer wieder

Der kann sich noch an zwei Begegnungen mit Pelé erinnern. „1967 genossen wir mit der Familie einige Urlaubstage in Riccione an der Adria. Zufällig gastierte Pelé dort mit seinem Klub, dem FC Santos, zu einem Freundschaftsspiel gegen den FC Venedig. Klar, dass sich mein Vater dort eine ganze Zeit lang mit Pelé unterhielt“, erzählt Jürgen Haller. Auch in den folgenden Jahren trafen sich beiden Starkicker immer wieder. 1979 etwa, als Haller senior mit seinem Filius, der es selbst zum Profi brachte, nach New York flog. Dort veranstaltete der dreifache Weltmeister ein Camp für talentierte Jugendliche.

Das Alter zehrt an ihm: Heute hat Pelé gesundheitliche Probleme, das Laufen fällt ihm schwer. Seinen 80. Geburtstag verbringt er mit der Familie in Brasilien.
Bild: Antonio Lacerda/EFE, dpa

Auch Armin Veh lernte den brasilianischen Mega-Star persönlich kennen. Nachdem der spätere Meistertrainer aus Augsburg 1985 seine Profikarriere aus gesundheitlichen Gründen beendet hatte, heuerte er bei dem von Spielhallen-Krösus Peter Eiba gegründete BC Harlekin als Manager an. Einer seiner ersten Aufträge führte ihn zusammen mit Eiba-Intimus Willi Aschenbrenner nach New York. Dort trafen sie Pelé. Als Gastgeschenk hatte Veh eine Schwarzwälder Kuckucksuhr im Gepäck. Veh: „Ich wollte Pelé das Projekt BC Harlekin näher erläutern.“ Doch Eiba hatte noch eine andere Idee: Er wollte den Weltstar dazu bewegen, in der Hallensaison bei den Augsburger Stadtmeisterschaften aufzulaufen. Doch die Pläne zerschlugen sich. Nach Augsburg wird Pelé wohl nicht mehr kommen. Seinen 80. Geburtstag am Freitag will er mit seiner Familie in Brasilien feiern. Still und zurückgezogen.

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