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WM-Qualifikation
10.11.2017

Italien nicht bei der WM? Unvorstellbar – und doch möglich

Für Italiens Torwart Gianluigi Buffon sind die beiden Play-Off-Partien gegen Schweden Schicksalsspiele. Selbstverständlich will er 2018 zur WM nach Russland.
Foto: Jonathan Nackstrand, AFP

Italien droht in den Play-Offs gegen Schweden tatsächlich das WM-Aus. Nationaltrainer Gian Piero Ventura versucht es schon mal mit Realitätsverdrehung.

Großen Ereignissen gehen oft große Worte voran. Daniele De Rossi schwang sich vor den entscheidenden Spielen zwischen Italien und Schweden zu einem Appell an die Nation auf, den man sonst eher nicht zwischen Turin und Taranto zu hören bekommt. "Jetzt ist der Moment gekommen, um Italien beizustehen", sagte der Mittelfeldspieler vom AS Rom und klang dabei wie ein kleiner Giuseppe Garibaldi vor seinen tausend Freiheitskämpfern. "Roma-Fans, Laziali und Juventini, alle zusammen. Denn die WM ist alles."

Wenn in Italien die Rivalitäten ins zweite Glied rücken sollen, dann muss viel auf dem Spiel stehen. Zwei Partien trennen den viermaligen Weltmeister von der Teilnahme an der WM 2018 in Russland. Gegner in den Play-offs ist Schweden, erst an diesem Freitag in Solna (20.45 Uhr) und dann am Montag in Mailand. Die Ausgangsposition für beide Teams könnte unterschiedlicher nicht sein. Wenn Schweden sich durchsetzt, wäre es eine Sensation. Scheitern die Italiener, handelte es sich um eine historische Schmach. Seit 1958 verpasste die Squadra Azzurra keine WM-Endrunde mehr.

Scheitern kommt für Trainer Ventura nicht in Frage

Wohl aus diesem Grund übte sich Trainer Gian Piero Ventura in der Kunst der Realitätsverdrängung. Die Idee eines Scheiterns wolle der 69-Jährige sich gar nicht erst vorstellen. "Wir werden nach Russland fahren", behauptete Ventura. Es genüge, dass Italien wie Italien spiele. Was das heißen soll, ist im Jahr 2017 nicht eindeutig auszumachen. Ventura war 2016 gekommen, um einen Generationswechsel voranzubringen. Das Team, das unter seinem Vorgänger Antonio Conte eine ausgezeichnete EM spielte und im Viertelfinale gegen Deutschland scheiterte, stotterte zuletzt wie ein alter Fiat.

Erst ging Italien in der WM-Qualifikation mit 0:3 gegen Spanien unter, die direkte Qualifikation war damit unmöglich. Anschließend , dem eine Aussprache der Mannschaft folgte.

Ergebnis: Die jüngeren Spieler sind sich ihrer Verantwortung nicht bewusst, die alten Kämpen müssen den Karren wieder mal aus dem Dreck ziehen. So ist zu erklären, dass vor den Schweden-Spielen vom Generationswechsel fast nichts übrig geblieben ist. "Was jetzt zählt, ist die Erfahrung" , sagt Ventura. Er will in Schweden mit dem von seinem Vorgänger etablierten 3-5-2-System spielen lassen und setzt auf das bewährte, aber leicht rostbefallene Grundgerüst aus Torwart Gigi Buffon, Giorgio Chiellini, Leonardo Bonucci und Andrea Barzagli, die zusammen 138 Jahre alt sind.

Für Buffon ist der Grat besonders schmal

Über Schweden zerbrechen sich vor allem die erfahrenen Spieler den Kopf. Der Mannschaft um Emil Forsberg (Red Bull Leipzig) gelang in der Quali ein 2:1-Sieg gegen Frankreich, Schweden ließ in der Gruppe auch die Niederlande hinter sich. Buffon hört sich vorsichtig an: "Ihr methodisches Vorgehen ist furchterregend. Sie machen immer dasselbe, aber das machen sie gut."

Gemeint ist die defensive Solidität der Schweden, die ohne ihren aus der Nationalelf zurückgetretenen Star Zlatan Ibrahimovic befreiter spielen. Für Buffon steht in den beiden Partien ein Rekord auf dem Spiel. Der 39-Jährige kalkulierte mit der WM in Russland als Bühne für sein Karriereende. Buffon wäre dann der erste Spieler überhaupt mit sechs WM-Teilnahmen. Für ihn ist der Grat zwischen Legende und Loser besonders schmal.

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