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Walkenhorst-Rücktritt: Was vom Profisport nicht gezeigt wird

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Kommentar Von Tilmann Mehl
08.01.2019

Der Profisport wird oft als Hochglanz-Produkt dargestellt. Viel öfter aber ist er Schinderei und Schmerz. Wie auch das Beispiel von Kira Walkenhorst zeigt.

Ein gesundes Leben zu führen, ist einfach. Ausgewogene Ernährung, Verzicht auf Nikotin und Alkohol, regelmäßige Bewegung. Ein gesundes Leben als Profi-Sportler zu führen, ist nahezu unmöglich. Einzig und allein von seiner physischen Leistungsfähigkeit abhängig zu sein, führt zu Raubbau am Kapital: dem Körper.

Kira Walkenhorst hat ihre Karriere beendet

Kira Walkenhorst hat nun 28-jährig ihre Laufbahn beendet. Rippen, Rücken, Hüfte – Schmerzen, die nicht nachließen. Während der Olympischen Spiele in Rio 2016 sorgte sie zusammen mit ihrer Partnerin Laura Ludwig für einen jener magischen Momente, die nur der Sport hervorbringen kann. Das Duo sicherte sich Gold im Beachvolleyball. Vier Jahre zuvor war dem Männerteam Jonas Reckermann und Julius Brink in London der gleiche Erfolg geglückt. Kurz nach den Spielen beendete Reckermann seine Karriere verletzungsbedingt.

Wer es in den Profi-Bereich schaffen will, muss seinem Körper gegenüber unerbittlich sein. Wo Freizeitsportler Schmerz und Anstrengung vernünftigerweise nachgeben, fängt für den Leistungssportler der interessante Bereich an. Im Fußball, Eishockey, Beach-volleyball, Tennis. Selbst im so gesunden Schwimmen. Überall.

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Um seinen Sport zum Beruf zu machen, braucht es neben Talent vor allem die Bereitschaft, auf viel Spaß zu verzichten – und sich stattdessen zu quälen. Boris Becker bezahlte seine Wimbledon-Triumphe mit einer künstlichen Hüfte und allerhand anderer gesundheitlicher Probleme. Matthias Sammer: Sportinvalide. Das sind die prominenten Beispiele. Härter fallen all die Namenlosen, deren Schicksal kaum jemand interessiert.

Profi-Sport ist Schmerz und Stress

In den kommenden Wochen zittern die Zuschauer mit der Handball-Nationalmannschaft. Für einige Tage stehen Athleten im Blickpunkt, die sich wenig später meist vollkommen unerkannt bewegen können. Von denen vielleicht noch einmal Notiz genommen wird, wenn sie irgendwann ihre Laufbahn beenden. Was danach kommt? Interessiert die Fans nicht.

Profi-Sport ist in den seltensten Fällen Verehrung der Massen. Häufiger ist Profi-Sport Schmerz, Stress und Ungewissheit.

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09.01.2019

Was soll das Gejammere, jeder trifft die Entscheidung Profi zu werden ganz alleine, immer in der Hoffnung dick Geld zu verdienen. Dass es kein Zuckerschlecken ist dürfte wohl allen die sich dafür entscheiden mehr als klar sein. Man kann jederzeit aufhören bzw. aussteigen, wenn es nicht mehr gefällt. "Vorbilder" gibt es genug die zeigen wohin das Ganze führt, wenn einen der (falsche) Ehrgeiz auffrißt. Nein, dafür bringe ich leider nicht den Funken von Verständnis auf! Letztlich stellt sich die Frage, wie die finanzielle Zukunft eines Sportinvaliden aussieht. Hat er dafür Vorsorge getroffen oder dürfen das andere in die Hand nehmen?

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