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Vierschanzentournee 2020

03.01.2020

Warum Sven Hannawald an einen Sieg von Karl Geiger in Innsbruck glaubt

Markus Eisenbichler (links) fiebert seinem Zimmerkollegen Karl Geiger mit. Geiger darf vom Gesamtsieg bei der Vierschanzentournee träumen.
Bild: Eibner

Plus Karl Geiger hat bei der WM 2019 in Innsbruck große Erfolge gefeiert. Nun will er an diese Erfolge anknüpfen. Und Sven Hannawald traut es ihm zu.

Es ist nicht mal die Länge eines Autos. Na gut, eines großen Autos. Nach zwei Wettbewerben und damit vier Springen liegt Karl Geiger dreieinhalb Meter hinter Ryoyu Kobayashi. Dreieinhalb Meter, das mag für einen Hochspringer recht mächtig klingen, für einen Skispringer aber es ist eine Entfernung, die bei der Weitenjagd fast unerheblich scheint. Dreieinhalb Meter, das ist doch zu schaffen. Noch zwei Wettbewerbe und damit vier Springen liegen vor den Athleten bei der Vierschanzentournee. Am Samstag (14 Uhr) geht es in Innsbruck weiter, der Abschluss steigt am Montag in Bischofshofen (17.15 Uhr).

Stefan Horngacher, der Trainer der deutschen Springer, gibt den Unwissenden. Der Tourneestand sei ihm nicht bekannt, sagte er am Ruhetag in Lans, wo das deutsche Team Quartier bezogen hat. "Ich beschäftige mich damit nicht, weil ich weiß, das sind nur Spekulationen. Ich muss Fakten schaffen und schauen, dass das Team funktioniert und die Jungs gute Sprünge produzieren", sagt der Österreicher. In seiner Tiroler Heimat wirkt er noch etwas besonnener als ohnehin schon.

Vierschanzentournee 2020: Bundestrainer traut Geiger in Innsbruck viel zu

In Innsbruck haben sich schon einige Male deutsche Hoffnungen auf den ganz großen Erfolg bei der Tournee in Luft aufgelöst. Richard Freitag, Markus Eisenbichler – beide waren schon einmal mit großen Hoffnungen an den Bergisel gekommen. Nur um miterleben zu müssen, dass beim Anflug auf Innsbruck so einiges schief gehen kann. Geiger soll das nicht passieren. "Wenn Karl so springt, gibt es keine Schanze, die ihm nicht liegen sollte. Wer Karl kennt, weiß, dass er sich bei jeder Schanze reinfuchst, sodass es auch funktioniert."

Geiger ist ein akribischer Arbeiter. Einer, der beweist, dass mit Disziplin und dem stetigen Glauben auch im so wechselhaften Skispringen der Weg in die Weltspitze zu meistern ist. "Er hat die Fähigkeiten, sich irrsinnig gut auf den Wettbewerb zu fokussieren", lobt Stefan Horngacher. Geiger selbst würde eine solche Eigenbeschreibung wohl nie über die Lippen kommen. Wird er tatsächlich einmal emotional, ist das direkt nach einem gelungenen Sprung. Da schreit er seine Freude schon einmal heraus oder ballt die Fäuste. Danach aber ist er immer beherrscht. Analysiert in Ruhe und Zurückhaltung. Ganz so, wie ihn der neue Bundestrainer kennengelernt hat. "Karl ist nie der impulsive Typ gewesen. Ich finde das richtig gut, dass er sich auch jetzt nicht verstellt." Jetzt, im Moment seiner wohl besten Phase.

In Innsbruck gewann Karl Geiger zwei WM-Medaillen

Den Ruhetag am Donnerstag hat er genutzt, um sich zurückzuziehen. Keine Interviews, keine Termine. Lang ausschlafen, dann Freizeit, am Nachmittag Krafttraining. Geiger hat den Donnerstag ruhig angehen lassen. Angreifen will er wieder in Innsbruck, wenn es am Freitag in der Qualifikation auf die Schanze geht. Zwei zweite Plätze hat Geiger bei der Tournee in diesem Jahr geschafft. Ein Sieg fehlt noch. Nicht, dass der zwingend für den Gesamterfolg nötig wäre. Er würde aber das Gesamtbild abrunden. "Ich glaube, dass es spätestens in Innsbruck oder Bischofshofen passen sollte, dass Karl ganz oben steht. Er hat es verdient, weil er auch bisher der Stabilste ist", sagt Eurosport-Experte Sven Hannawald.

Glaubt an Erfolge der deutschen Skispringer: Sven Hannawald.
Bild: Peter Kneffel, dpa

So sehr die Schanze in Innsbruck die deutschen Springer schon geärgert haben mag, ist sie doch seit Februar 2019 auch ein Ort des großen Triumphes. Bei der Weltmeisterschaft räumten die Springer groß ab. Mit der Mannschaft gewann Geiger Gold, einen Tag zuvor hatte er sich die Silbermedaille geschnappt – direkt hinter seinem Zimmerkollegen Markus Eisenbichler. Auch bei ihm, dem deutschen Hoffnungsträger der vergangenen Tournee, geht es wieder bergauf. Derzeit belegt er in der Gesamtwertung Rang sechs.

An der Spitze aber scheint sich ein Zweikampf zu entwickeln. Auch wenn weder Geiger noch Kobayashi darüber reden wollen. Genauso wie Stefan Horngacher. Er sagt: "Der einzelne Springer kämpft mit sich selbst am meisten. Wir schauen nicht darauf, was die anderen machen." Sein eigenes Zeug machen, ganz so wie es Sven Hannawald immer erzählt hat. Er, der 2001/2002 die Tournee gewonnen hat. Seitdem ist dieser Erfolg keinem deutschen Springer mehr gelungen.

Vierschanzentournee 2020: Bundestrainer Horngacher erwartet Zweikampf zwischen Karl Geiger und Ryoyu Kobayashi

Auf Platz drei der Gesamtwertung liegt mit Dawid Kubacki ein Pole. Dieses Team hat Horngacher bis zu seinem Wechsel zum Deutschen Skiverband (DSV) betreut. Er kennt Kubacki also bestens. Daher ist seine Einschätzung der Konkurrenzsituation von Kubacki zu Geiger als äußerst kompetent zu bewerten. "Ich schätze den Karl Geiger noch höher ein", sagt Stefan Horngacher. Weil der derzeit einfach "jeden Sprung wie den anderen macht". Selbst bei äußerst schwierigen Bedingungen wie im ersten Sprung am Mittwoch in Garmisch-Partenkirchen holt Geiger das Maximum heraus. "Das hätte auch in die Hose gehen können", sagt Horngacher. Ging es aber nicht. Weil es bei Geiger eben derzeit einfach läuft.

"Die Form stimmt", sagt Geiger. Mehr nicht. Kein Geheimnis dahinter, einfach gute Sprünge. Geiger scheint in sich zu ruhen. Völlig unaufgeregt. Nicht die schlechteste Voraussetzung für Innsbruck.

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