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Olympia 2018

22.02.2018

Warum die Norweger so viele Medaillen holen

Die Norweger haben bei den Olympischen Spielen 2018 oft Grund zum Jubeln.
Bild: Matthias Schrader, dpa

Norwegen hat etwas mehr als fünf Millionen Einwohner - und doch gute Chancen, Olympia als Wintersport-Nation Nummer eins zu beenden. Woran liegt das eigentlich?

Egal, ob im riesigen Arbeitsraum des Medienzentrums, ob im Athletendorf, im Shuttle-Bus oder auf den Zuschauer-Tribünen. Die olympischen Gespräche kreisen längst nicht mehr um Wind und Wetter (weil es zum Glück deutlich wärmer geworden ist in Pyeongchang), sondern wirklich um den Sport, um den Wettstreit der Nationen – und ganz speziell um den Medaillenspiegel. Dreiviertel der insgesamt 102 Medaillen sind vergeben und alle fragen sich, warum steht eine flächenmäßig fast gleich große, aber von der Bevölkerung her doch deutlich kleinere Nation wie Norwegen mit fünf Millionen Bewohnern eigentlich vor Deutschland mit seinen fast 83 Millionen zum Großteil sportwütigen, aber auf jeden Fall sportinteressierten Menschen.

Ragnhild Mowinckel hatte darauf am Mittwoch vielleicht die wissenschaftlich am wenigsten fundierte, aber simpelste Antwort. Nach dem Gewinn der Silbermedaille bei der olympischen Abfahrt meinte die 25-Jährige freudestrahlend: „Wir sind deshalb so gut, weil wir viel Schnee da oben haben und eine super Umgebung und Infrastruktur fürs Skifahren. Wir sind mit den Skiern an den Füßen geboren.“

Norwegens Geheimnis: Bescheidenheit, Demut, Teamgeist

Eine weitere Erklärung lieferte Kjetil Jansrud, ebenfalls ein hochdekorierter Alpinfahrer. Nach seinem Aus im Riesenslalom schämte und entschuldigte er sich vor laufenden Kameras: Zu Hause, meinte der 32-Jährige aus Stavanger, säßen jede Menge Jungs, die dieses Rennen gerne gefahren wären – an seiner Stelle. „Es geht um Respekt vor den Startplätzen, die Norwegen hier hatte“. Er selbst habe sich dafür als unwürdig erwiesen. Große Worte, die aber zeigen: Bescheidenheit, Demut und Teamgeist werden im norwegischen Sport großgeschrieben. Und Aksel Lund Svindal, Goldmedaillengewinner der Abfahrt, unterstrich, dass Starallüren und Extra-Würste im Norge-Team tabu sind: „Bei uns heißt es: Egal, wie gut du bist, es gibt nichts, das es dir erlaubt, den Zusammenhalt zu ruinieren.“ Langlauf-Königin Marit Björgen lebt das ebenso vor, beim Staffelerfolg hatte sie zwar den größten Anteil am Gold, versuchte bei den Interviews aber immer wieder von sich abzulenken und den Blick auf ihre drei Mitstreiterinnen zu lenken.

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Ein norwegischer Journalisten-Kollege gab im Pressezentrum von Pyeongchang einen interessanten Einblick, woher die norwegische Arbeitsmoral und der ausgeprägte Wille, etwas für sich, aber vor allem für die Gemeinschaft und fürs Land zu erreichen, so ausgeprägt sei. Die legendäre norwegische Premierministerin Gro Harlem Brundtland habe genau diese Werte 1992 in ihrer Neujahrsansprache beschworen und der darbenden norwegischen Wirtschaft damals empfohlen, sie sollen es doch genauso machen „wie die Fußballmädels, Handballmädels und Skijungs.“ Mit Ausnahme der Fußballerinnen gilt das noch heute.

Läuft in Norwegen alles sauber ab?

Der norwegische Sport glänzt also in Korea, doch auch seine Schattenseiten kommen hier ans Tageslicht. Therese Johaug, neben Björgen Gesicht und Garant für den Erfolg Norwegens, ist wegen Dopings für diese Spiele gesperrt. Und die 6000 Asthma-Sprays, die im Gepäck der Norweger nach Korea geflogen wurden, lassen auch den Verdacht nahe, dass – ob legal oder illegal – mit allen Tricks und Mitteln versucht wird, nicht nur den eigenen Medaillenrekord von 26 Plaketten (1994 in Lillehammer und 2014 in Sotschi) in die Höhe zu treiben, sondern sogar die Bestmarke der USA (37) aus dem Jahr 2010 zu knacken.

Auch die plötzlichen Erfolge im Eisschnelllauf werfen Fragen auf. Entsprechend groß ist das Medieninteresse der Amerikaner am norwegischen Sport: Die Zeitschrift Sports Illustrated schrieb über das „unstoppable Norway“ und die Washington Post titelte: Norwegen fege „wie Godzilla“ über die Südkorea-Spiele hinweg. In Nordeuropa dagegen herrscht Freude. Der Sport, schreibt Verdens Gang, halte die über das Land verstreute Bevölkerung „wie Leim“ zusammen. Und Aftenposten berichtet mit einem Augenzwinkern auf den zweitplatzierten Riesen aus Deutschland: „Qualität hat im Sport wenig mit Quantität zu tun.“

Ein Norwegisches Haus, wo all die Erfolge gefeiert werden, gibt es übrigens nicht in Pyeongchang. Zu teuer war vor vier Jahren die Version in Sotschi, angeblich hätte der Verband noch heute an den 1,4 Millionen Euro Kosten zu knabbern. Und so ist es zur guten und fast täglichen Tradition geworden, dass die Norweger im Hotelflur eine Sahnetorte anschneiden, um so ihre Medaillen zu feiern.

Das war den norwegischen Skispringern irgendwann zu trocken. Sie dürstete es nach „Oel“, und so beschloss man kurzerhand, das erste Mannschaftsgold überhaupt im „Exil“ zu feiern – zusammen mit Andi Wellinger & Co. – im Deutschen Haus.

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