1. Startseite
  2. Sport
  3. Was Florian Silbereisen und die Dartsspieler eint

Was Florian Silbereisen und die Dartsspieler eint

Was Florian Silbereisen und die Dartsspieler eint
Kommentar Von Tilmann Mehl
02.01.2020

Jahreswechsel, Zeit für Außergewöhnliches. Tätowierte Kapitäne und bierbäuchige Pfeilewerfer bestimmen das TV-Programm. Im Wesentlichen ähneln sie sich.

Die Zeit um Neujahr gehört den Exoten. Fängt ja schon an mit einem volltrunkenen Butler, der über einen Tigerkopf stürzt und sich ein amouröses Abenteuer mit seiner Chefin gönnt. Doch nicht nur der Geburtstag von Miss Sophie erfreut den winterträgen Deutschen. Der Germane entflieht rund um den Jahreswechsel gerne dem Grau. Selbst am schönsten Weihnachtsbaum hat man sich irgendwann sattgesehen. Urlaub in der Sonne verbieten Flugscham und Geldbeutel. Daher: Alltagsflucht am Bildschirm. Das ZDF zog schon in den 60er-Jahren aus dem Gemüt der Deutschen die richtigen Schlüsse und produzierte fortan Adventsvierteiler. Jim Hawkins und Long John Silver verbrachten Weihnachten auf der Schatzinsel, der Seewolf gondelte den ganzen Dezember über die Weltmeere und der Lockruf des Goldes verhallte erst einen Tag vor Silvester.

Vierteiler sind aus der Mode, der Eskapismus ist es nicht. Wie sonst sind die Traumquoten des Traumschiffs zu erklären? An den Drehbüchern liegt es eher nicht. Möglicherweise dafür an fremdartigen Kulturen und unerforschten Verhaltensweisen. Neben Florian Silbereisen spielen aber auch selbstverständlich die Reiseziele eine wichtige Rolle.

Weil das Traumschiff aber nur zwei Mal im Jahr ablegt, müssen die Tage vor dem Fernseher anderweitig gefüllt werden. Seit wenigen Jahren erfreuen sich die Pfeilewerfer in London großer Beliebtheit. Neuer Weltmeister ist mit Peter Wright der größte Exot des Teilnehmerfeldes. Kein Wunder also, dass sich Sport 1 über bis zu 2,22 Millionen Zuschauer freute – eine sensationelle Quote für den Spartensender.

Geschlagen werden die nicht gänzlich austrainierten Dartsspieler nur von weiteren Mitgliedern des athletischen Raritätenkabinetts: den Skispringern. Was die Herren mit den Pfeilen manchmal zu viel auf den Hüften haben, würde manchem Springer ganz gut stehen. Auch sie: Exoten. Dazu noch als Vierteiler (Oberstdorf, Garmisch, Innsbruck, Bischofshofen) angelegt. Bis zu sechs Millionen TV-Zuschauer verfolgen einen Sport, den zu durchdringen nur den wenigsten gelingt. Besoffene Butler, tätowierte Kapitäne und Sportler entgegengesetzter Gewichtsklassen: Fernsehen zu machen, ist auch ein harter Job.

Themen folgen

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

Das könnte Sie auch interessieren