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Was einen Boom auslöst – und was nicht

Kommentar Von Tilmann Mehl
27.02.2018

Die deutsche Eishockey-Nationalmannschaft war eine der großen Überraschungen bei Olympia 2018. Zu einem Eishockeyboom wird es deswegen aber nicht kommen.

Ein Boom bezeichnet die Hochphase einer Entwicklung. Wenn die Wirtschaft boomt, ist das gut für’s Geschäft. Vom Babyboom der 60er Jahre profitierte ein ganzes Land. Als 20 Jahre später ein kurzbehoster Leimener beherzt über Rasenflächen hechtete, freuten sich darüber die Schatzmeister der Vereine: Tennisboom.

Seit Boris Beckers erstem Wimbledon-Triumph hoffen sämtliche Sparten-Verbände auf ähnliche Auswirkungen, wenn denn mal ein singuläres Ereignis kurzfristig dem Fußball die Aufmerksamkeit entzieht. Nach dem Erfolg der Handballer bei der WM 2007 nannten Eltern ihren Nachwuchs allerdings nur in seltenen Fällen zu Ehren des Bundestrainers Heiner. Der Weg vom Fernsehsportler zum Aktiven ist weit. Da ließe sich nun wieder trefflich über die faule Jugend debattieren und dass sie ja viel zu viele Möglichkeiten hätte und überhaupt.

Ein Großteil der Erwachsenen weiß aber auch aus eigener Erfahrung, dass allein das freudige Verfolgen am Bildschirm nicht zwingend eigene Aktivitäten zur Folge hat. Ansonsten wäre Konsequenz der grenzenlosen Verfügbarkeit von Erotikvideos im Internet ein weiterer Babyboom.

Einen Boom wird es nicht geben

Neuerdings hofft der Eishockeyverband auf Zulauf von Kindern und Jugendlichen. Der Wunsch gründet sich auf der in Südkorea gewonnenen Silbermedaille der Nationalmannschaft. Die Mannschaft hat grandios gespielt und sämtliche Erwartungen übertroffen. Seit Olympia-Bronze 1976 hatte die Öffentlichkeit nicht mehr derart Anteil an einer Eishockeymannschaft genommen. Verfolgt haben das Endspiel allerdings nur 3,6 Millionen Zuseher. Selbstverständlich auch bedingt durch einen Spielbeginn, der zeitlich eher ungünstig liegt, so man nicht zur senilen Bettflucht neigt oder aber die Nächte durchfeiert.

Ihnen gelang einer der ganz großen Momenten der Olympischen Spiele: Aljona Savchenko und Bruno Massot erkämpften sich mit einer atemberaubenden Kür im Eiskunstlauf Gold für Deutschland.
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Bild: Peter Kneffel, dpa

Es wird zu keinem Eishockeyboom kommen. So wie es zu keinem Golfboom kam, als Martin Kaymer die Nummer eins der Golf-Weltrangliste wurde oder Dimitrij Ovtcharov der beste Tischtennisspieler des Planeten.

Selbstverständlich muss der Verband allerdings versuchen, dem sensationellen Erfolg eine nachhaltige Entwicklung folgen zu lassen. Diesen abstrakten Begriff mit Leben zu füllen, dürfte ähnlich schwierig sein, wie das Erreichen eines olympischen Endspiels.

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