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Wer den American Football liebt, spielt mit einer Maske im Helm

Kommentar Von Johannes Graf
10.07.2020

Footballer haben es in Corona-Zeiten nicht einfach, unter anderem sollen sie mit Maske spielen. Und jetzt macht sich auch noch dieser europäische Fußball beliebt.

Wenn es um Sport geht, verfolgen Europäer und Amerikaner unterschiedliche Ansätze. Beispiel gefällig? Nehmen wir mal Baseball. Das Geschehen auf dem Feld kann sich äußerst langatmig hinziehen. Weil der gemeine US-Sportfan aber eher weniger auf Enttäuschung steht, sorgt er vor. Vermeintliche Langeweile zu Spielbeginn schließt er aus, indem er sich das erste Drittel der Spielzeit spart.

Während der Partie gönnt er sich einen Eimer Chickenwings, einen Fünf-Liter-Becher Pepsi und eine XXL-Box frittierte Snickers. Wenn die Schläger schwingenden Millionäre schon nicht den Lederball treffen, sorgen eben Geschmacksnerven für Glücksgefühle. Da ist es auch nicht weiter schlimm, dass das Spielende nur die wenigsten erleben. Das Ergebnis ist in einer Liga ohne Abstieg eh nicht so von Belang.

Im Football treiben die Amerikaner einmal im Jahr ihre Eventisierung des Sports auf die Spitze. Beim Super Bowl wackeln Shakira und Jennifer Lopez in der Halbzeitpause mit den Popos, konsumiert wird nichts unter 1000 Kalorien, und ausgestrahlt werden TV-Werbespots, die pro Sekunde so viel kosten wie eine Villa in Beverly Hills.

Das Hygienekonzept der NFL hat nichts mit Corona-Tests zu tun

Doch was wird aus der Amerikaner liebster Sportart in Corona-Zeiten? Kein Ligabetrieb? Fällt gar der Super Bowl aus? Nicht nur knapp 70.000 Neuinfektionen an einem Tag und ein irrlichternder Präsident, der Wahlkampf über die Gesundheit seiner Bevölkerung stellt, stimmen nachdenklich. Abstand halten wird eher schwierig. Abwehrreihen verharren Helm an Helm. Da macht der Erreger Party und lädt zum Rachen-Hopping ein. Klappt die Übertragung auf diesem Wege nicht, dann eben beim Niederbügeln des Gegners. Stichwort Aerosol.

Nun haben die Ligachefs der NFL ein bahnbrechendes Hygienekonzept vorgelegt. Auf Corona-Tests konnten sie sich mit der Spielergewerkschaft bislang nicht verständigen, aber hey, sie planen was viel Besseres: Nicht nur der Trikottausch nach dem Spiel soll verboten werden, künftig blicken die Footballer durch eine Blende und atmen durch eine Maske. Sie haben also die Wahl: anstecken oder ersticken.

Das Ego der Muskelprotze ist eh angekratzt und jetzt auch noch das: In ihrer größten Not flirten die Amerikaner mit dem Fußball. Ausgerechnet die europäische Sportart, in der Wettbewerb weiterhin mehr als Show zählt, soll nun als Vorbild dienen? Über Jahre hinweg belächelten Fans aus Übersee das Ballgetrete in Good Old Europe. Machten sich darüber lustig, dass Füße statt Hände agierten. Dass mit einem Ball statt einem Ei gespielt wird. Nun war es just der Fußball, der nach europäischem Modell als erste Profisportart in den USA wieder den Spielbetrieb aufgenommen hat.

Aber: Dass aus dieser Schwärmerei Liebe wird – unwahrscheinlich. Das Interesse wird wie in der Vergangenheit wieder abebben. In den USA ist Fußball kein Football.

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