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03.08.2018

Werder: Sind die mageren Jahre vorbei?

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Werder-Trainer Florian Kohfeldt aus Sicht von Christoph Härringer.

Nach einem strikten Sparkurs nimmt der Nordklub wieder Geld in die Hand. Er leistet sich mit Davy Klaassen sogar einen Rekord-Transfer und orientiert sich nach oben

Vom Aufbruch in eine bessere Zukunft war bei Werder Bremen immer mal wieder die Rede. Doch vor dieser Saison scheinen es die Grün-Weißen wirklich ernst zu meinen. Mit Davy Klaassen (für 13,5 Millionen vom FC Everton gekommen) haben sich die sparsamen Bremer einen Rekordtransfer gegönnt. Dazu kommt mit Florian Kohfeldt ein junger, ehrgeiziger Trainer, der sich in kürzester Zeit den Respekt der ganzen Branche verdient hat. Und natürlich Klub-Legende Claudio Pizarro.

Sind die mageren Jahre an der Weser vorbei?

Werder ist ein gutes Beispiel dafür, wie aus einem Erfolgsmodell durch einige Fehlentscheidungen eine graue Maus werden kann. Der Champions-League-Dauergast früherer Jahre ist seit 2010 nicht mehr im internationalen Geschäft vertreten, was einen langen und schmerzhaften Konsolidierungskurs notwendig machte. Inzwischen schreiben die Bremer aber wieder schwarze Zahlen. Das ist in erster Linie der klugen Transferpolitik von Sportdirektor Frank Baumann zu verdanken, der Profis wie Serge Gnabry und Thomas Delaney günstig verpflichtet hat, um sie für stattliche Ablösesummen wieder abzugeben. Dieses Geld wird gezielt in den Kader investiert.

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Kann Trainer Kohfeldt auch Krise?

Dem 35-Jährigen fliegen nicht nur die Herzen der Fans zu, auch die Experten sind begeistert. Der Ritterschlag kam von Matthias Sammer: „Florian Kohfeldt ist ein wunderbarer Trainer, der in einer schwierigen Situation seiner Mannschaft eine Handschrift verpasst hat.“ Mit seinem Faible für Offensivfußball passt der frühere Amateur-Torwart zu Werders DNA, für ihn sprechen zudem seine Gelassenheit und sein souveräner Umgang mit den Medien. Damit führte er die Bremer nach der Amtsübernahme von Alexander Nouri von Platz 17 zum souveränen Klassenerhalt.

Schadet die Extrawurst für Max Kruse dem Team?

Wie im vergangenen Jahr kehrte der Ex-Nationalspieler mit ein paar Kilos zu viel aus dem Sommerurlaub zurück. Kohfeldt nahm seinen Leistungsträger in Schutz, aber auch in die Pflicht – Kruse muss an seiner Fitness arbeiten. Der Anwärter auf das Kapitänsamt zahlte das Vertrauen mit Leistung zurück. Dass Kruse allen Wechselspekulationen einen Riegel vorschob, dürfte seine Position im Team stärken. Auch wenn die süffisante Aussage zur Erfüllung des bis 2019 laufenden Vertrages („Meiner Meinung nach braucht Werder definitiv mehr Gewicht“) bezweifeln lässt, dass der als leichtsinnig geltende Max Kruse die Kritik an seiner professionellen Einstellung verstanden hat.

Ist die Verpflichtung von Claudio Pizarro mehr als Folklore?

In den vergangenen beiden Jahren brachte es die Sturm-Legende in 35 Einsätzen nur auf zwei Tore. Der Zahn der Zeit nagt an dem bald 40-jährigen Peruaner. Dennoch stellt die Rückkehr der Klub-Legende für Werder kein Risiko dar. Pizarro wird stark leistungsbezogen entlohnt und akzeptiert die ihm angedachte Rolle als Mentor für Talente wie Josh Sargent und Johannes Eggestein. Und der erfolgreichste ausländische Torschütze besitzt noch so viel Ehrgeiz, in seiner letzten Profi-Saison auch sportlich eine Rolle zu spielen.

Wo drückt im Kader noch der Schuh?

Mit der Verpflichtung des Griechen Stefanos Kapino als zweitem Torwart hat Baumann eine der letzten Lücken schließen können. Werders Kader bietet genug Alternativen, alle Positionen sind doppelt und gut besetzt. Vor allem in der Offensive herrscht mit den Neuzugängen Martin Harnik, Yuya Osako und Claudio Pizarro, Wintertransfer Milot Rashica, dem aufstrebenden Florian Kainz und dem demnächst nach seinem Achillessehnenriss zurückkehrenden Fin Bartels großer Konkurrenzkampf. Dem Mittelfeld würde nach den Abgängen von Delaney und Zlatko Junuzovic eine weitere Blutauffrischung guttun.

Prognose der Redaktion

Florian Kohfeldt hat gute Chancen, als erster Werder-Trainer seit langer Zeit eine Amtszeit von mehr als eineinhalb Jahren hinzulegen. In der Offensive ist man nicht mehr so anhängig von der Form von Max Kruse. Bremen steht vor einer entspannten Saison, wenn nicht das Verletzungspech im großen Stil zuschlägt – mehr aber auch nicht.

Zugänge Klaassen (FC Everton/13,5 Millionen Euro), Osako (1. FC Köln/4,5), Beijmo (Djugardens IF/3,0), Harnik (Hannover 96/2,25), Kapino (Nottingham Forrest/300000), Beste (Borussia Dortmund U19/250000), Pizarro (1. FC Köln/ablösefrei), Möhwald (1. FC Nürnberg/ablösefrei)

Abgänge Delaney (Borussia Dortmund, 20,0 Millionen Euro), Gondorf (SC Freiburg/1,3), Garcia (Young Boys Bern/800000), Kleinheisler (FC Astana, 750000), Bauer (1. FC Nürnberg/Leihgebühr: 200000), Eilers (Appolon Smyrnis/ablösefrei), Thy (Erzurumspor/ablösefrei), Junuzovic (RB Salzburg/ablösefrei), Guwara (FC Utrecht/ablösefrei), Yatabaré (Royal Antwerpen/ablösefrei), Belfodil (Leihende, TSG Hoffenheim).

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