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Eishockey-WM

22.05.2019

Zur Bestform gereizt

Leon Draisaitl zieht mit dem Puck gen gegnerisches Tor – und weil es leer ist, hat er keinerlei Probleme, das 4:2 gegen die Finnen zu erzielen. Es ist bereits sein fünfter Treffer bei dieser Weltmeisterschaft.
Bild: Getty Images

Nach der Kritik vom Trainer zeigt Leon Draisaitl eine hervorragende Leistung. Der Sieg gegen die Finnen lässt die deutsche Mannschaft von einem Erfolg im Viertelfinale träumen

Wenn kleine Buben zum Eishockey kommen, ist es ihr erstes Ziel, möglichst fest zu schießen und dann hoch. Aber die Basis des schnellsten Mannschaftssports der Welt ist eine andere, wie das gestrigen Match der deutschen Mannschaft gegen Finnland zeigte. „Das Allerwichtigste war: Wir sind gelaufen. Im ersten Drittel vielleicht noch nicht so richtig, aber danach sind wir besser ins Spiel gekommen. Das hat letztendlich den Unterschied ausgemacht“, befand Stürmer Markus Eisenschmid von den Adlern Mannheim. Der gebürtige Kaufbeurer steuerte eine Vorlage zum ersten Treffer zum 1:1 von Marc Michaelis bei. Eisenschmid zählte zu den auffälligen Stürmern, doch der entscheidende Mann beim 4:2 (1:1, 1:1, 2:0), dem ersten Sieg nach regulärer Spielzeit seit 26 Jahren gegen Finnland, war Leon Draisaitl.

Der Torjäger des NHL-Klubs Edmonton Oilers erzielte in der 45. Minute die erstmalige Führung zum 3:2 und beseitigte in der Schlussminute mit dem 4:2 ins leere finnische Tor die letzten Zweifel. Davor hatte Dominik Kahun von den Chicago Black Hawks zum zweiten Mal in diesem Match zum 2:2 ausgeglichen. Fünf WM-Erfolge in einem Turnier hatte die deutsche Mannschaft zuletzt 1983 bei den Titelkämpfen in Dortmund und München gefeiert.

Draisaitl zeigte nicht nur wegen seiner beiden Tore und einer Vorlage – er führt mit fünf Treffern und drei Pässen die deutsche Scorerliste vor Eisenschmid (1/6) an – seine beste Leistung bei der Eishockey-WM in der Slowakei. Am Tag zuvor hatte Bundestrainer Toni Söderholm ungewöhnlich offen seinen Star wegen dessen mangelhafter Abwehrarbeit kritisiert und ohne Not ein Fass aufgemacht. Der Finne versuchte unmittelbar danach, seine Kritik zu relativieren, wohl wissend, dass er seinen Ausnahmestürmer nicht vergraulen sollte. Doch die unglückliche Äußerung war auf dem Markt. Die Chemie zwischen dem Trainer und dem Schlüsselspieler scheint dennoch intakt. „Ich sage dazu nichts“, wischte der 23-Jährige das Thema gestern nach dem Match schnell vom Tisch.

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Die beste Turnierleistung bringt der deutschen Mannschaft zwar keinen leichteren Gegner. Doch ein Erfolg gegen eine der großen Eishockey-Nationen tut gut. „Die Finnen sind mit am schwersten zu spielen bei einer WM, sehr giftig und sehr talentiert. Aber wir haben gut dagegengehalten“, befand Draisaitl. Sein Trainer zeigte sich nach dem Erfolg gegen sein Heimatland zu Scherzen aufgelegt. Die Mannschaft hatte ihn aufgefordert, einen auszugeben, etwas zu zahlen. „Ich habe ihnen gesagt: Wenn sie gutes Coaching kriegen und ich dann auch noch zahlen muss, dann weiß ich nicht, was los ist.“ DEB-Präsident Franz Reindl ist mit der Arbeit des Sturm-Nachfolgers zufrieden: „Sechs Top-Leistungen, fünf Siege und 15 Punkte sind eine herausragende Leistung unseres Teams. Die Mannschaft darf mit großem Stolz und gesundem Selbstvertrauen ins Viertelfinale einziehen“, lobte DEB-Präsident Franz Reindl.

Zum K.-o.-Spiel muss die Mannschaft in die Hauptstadt Bratislava reisen. Mit der Bahn geht es am Mittwoch einmal vom Osten quer durch die Slowakei, vorbei an Flüssen, Seen und der Hohen Tatra, dem wild-schönen Gebirge des kleinen Landes. Philipp Grubauer ist aus der National Hockey League eher Flugreisen gewöhnt. Der 27-Jährige erinnert sich: „Vor sieben Jahren sind wir einmal in der NHL mit dem Zug nach Philadelphia gefahren. Aber das ist okay. Im Zug kannst dich gut erholen, und denn geht’s auf.“ Die bayerischen Wurzeln des Rosenheimers, der für die Colorado Avalanche spielt, sind immer noch herauszuhören.

Am Donnerstag (16.15 Uhr/Sport1) wartet in der Runde der letzten Acht die große Eishockey-Nation Tschechien, der zwölfmalige Weltmeister. Markus Eisenschmid lässt sich davon nicht beeindrucken: „Wir sind hier von Spiel zu Spiel besser geworden, jetzt müssen wir eben noch eine Schippe drauflegen.“

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