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30.07.2010

Zwanziger: "Freue mich auf die künftige Aufgaben"

Zwanziger: «Freue mich auf die künftige Aufgaben»
Bild: DPA

Frankfurt/Main (dpa) - Theo Zwanziger will bis 2013 DFB-Boss bleiben, Michael Kempter droht das vorzeitige Karriereende - die DFB- Präsidiumssitzung in Frankfurt hatte es in sich.

Kaum hatten führende deutsche Fußball-Funktionäre Zwanzigers Entschluss zum Weitermachen als "gute Nachricht" gelobt, sorgte die Rote Karte für Kempter für den nächsten Aufreger. Der Ex-Bundesliga-Referee, ursprünglich als Leiter für die Drittliga-Partie zwischen dem SV Sandhausen und Kickers Offenbach vorgesehen, wurde vom DFB vorerst aus dem Spielbetrieb genommen. Bis zur Klärung der juristischen Auseinandersetzung zwischen Kempter und dem ehemaligen Schiedsrichter-Beobachter Manfred Amerell darf er nicht mehr pfeifen.

Dafür schien Zwanzigers Amtsmüdigkeit nach zwischenzeitlichen Rücktrittsäußerungen völlig verflogen. "Ich freue mich auf die künftigen Aufgaben", sagte der 65-Jährige nach der DFB-Präsidiumssitzung, aber Zwanziger geht bei einer Wiederwahl nicht unbelastet in die dritte Amtszeit. In der Schiedsrichter-Affäre um Kempter und Amerell muss der Deutsche Fußball-Bund (DFB) mit einer zeitnahen Schadensersatzklage von Amerell rechnen.

Das Präsidium beschloss einstimmig, die von Amerell geltend gemachten Schadenersatzansprüche nicht anzuerkennen. Das Gremium hielt die Forderungen in keiner Weise für nachvollziehbar und lässt die neuen Vorwürfe durch Kontroll-Ausschuss und Schiedsrichter-Kommission prüfen. Erst danach wird entscheiden, ob und in welcher Form Kempter als Schiedsrichter in Zukunft eingesetzt wird.

Zwanziger: "Freue mich auf die künftige Aufgaben"

"Es muss legitim sein, sich am Ende einer Legislaturperiode intensive Gedanken über die zukünftige Lebensplanung zu machen", erklärte Zwanziger. Gespräche mit der Familie, der große Rückhalt aus den unterschiedlichsten Bereichen des Fußballs, der Politik und Gesellschaft sowie die anstehenden Herausforderungen des Verbandes hätten ihn zur festen Überzeugung geführt, noch einmal für das Ehrenamt zu kandidieren. Der Jurist aus dem rheinland-pfälzischen Altendiez führt den größten Sportverband der Welt seit 2004. Zuerst gemeinsam mit Gerhard Mayer-Vorfelder, seit dem 8. September 2006 als alleiniger Präsident.

Nicht unwesentlich in der Entscheidungsfindung sei auch die Vertragsverlängerung mit Bundestrainer Joachim Löw gewesen. "Das Verhalten des Bundestrainers hat mir gezeigt, das mein Vertrauen gerechtfertigt war. Auf dieser Basis können wir weiterhin erfolgreich zusammenarbeiten", sagte Zwanziger.

"Sein gesellschaftspolitisches Engagement kommt auch unserer Nationalmannschaft zugute. Der Präsident hat uns immer den Rücken gestärkt", erklärte Löw, Teammanager Oliver Bierhoff lobte die "gute Nachricht". "Viele neue Ideen hat er unterstützt und dabei wichtige Weichen gestellt", so Bierhoff. Die Deutsche Fußball Liga (DFL) freut sich ebenfalls über Zwanzigers Weitermachen. "Der Liga-Verband begrüßt den Wunsch nach einer weiteren Amtszeit ausdrücklich", sagte Liga-Präsident Reinhard Rauball.

Seine zentrale Aufgabe sieht Zwanziger im zuletzt forcierten gesellschaftlichen Engagement des Verbandes. "Die hohe Identifikation der Menschen mit dem Fußball muss für uns Verpflichtung und Auftrag sein, soziale Verantwortung wahrzunehmen", meinte der DFB-Chef. Die Themen Integration, Prävention, Gleichberechtigung und Umweltschutz würden immer mehr an Gewicht gewinnen. So soll auf dem Bundestag in Essen erstmals ein Nachhaltigkeitskonzept vorgestellt werden.

Allerdings droht Zwanziger noch Ungemach im Schiedsrichter- Skandal: Kempter hatte im Februar Amerell der sexuellen Nötigung bezichtigt, die der Beschuldigte stets bestritten hat. Zwanzigers Aufklärungsarbeit wurde heftig kritisiert. Ihm wurde vorgehalten, er fahre einen Zickzack-Kurs und habe sich allzu schnell auf die Seite Kempters geschlagen. Mit der Affäre beschäftigte sich auch das DFB-Präsidium. Amerells Anwalt Jürgen Langer hatte jedem der 19 Präsidiumsmitglieder einen 24 Seiten langen Schriftsatz zukommen lassen, mit der Aufforderung, die Schadenersatzansprüche seines Mandanten gegen den Verband bis zum 2. August anzuerkennen. Dies wurde von den Funktionären abgelehnt.

Gegen Kempter hat der Anwalt vor dem Amtsgericht Hechingen wegen übler Nachrede und Verleumdung bereits Klage erhoben. Der inzwischen von der FIFA-Liste gestrichene Kempter hatte im Februar angezeigt, der 63-jährige Amerell habe ihn und andere Schiedsrichter sexuell genötigt. Langer beklagt, dass Amerell entgegen den Statuten "zu keiner Zeit das ihm zustehende rechtliche Gehör gewährt worden ist". Der DFB hätte "erheblichen Schaden von ihm abwenden können".

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