Eine erfolgreiche Kanuslalom-Qualifikation liegt nach ereignisreichen Wettkampftagen auf der Olympiastrecke am Eiskanal hinter den Augsburger Aktiven. Fünf Mitglieder aus den zwei Augsburger Kanu-Vereinen schafften den Sprung ins A-Team. Sie werden Deutschland in dieser Saison international vertreten und auch beim Jahres-Höhepunkt, der Weltmeisterschaft in den USA vom 20. bis 27. Juli, um Medaillen paddeln. Emily Apel, Noah Hegge, Sideris Tasiadis und Elena Lilik (alle von Kanu Schwaben Augsburg) waren im vergangenen Jahr schon im Team der Leistungsklasse, die schwangere Lilik wird allerdings nur noch wenige Wochen Wettkämpfe fahren. Mit Christian Stanzel vom Augsburger Kajak Verein hat sich aber auch ein Neuling für höhere Aufgaben empfohlen.
Christian Stanzel beerbt gewissermaßen seinen Vereinskameraden vom AKV, Hannes Aigner, der im vergangenen Jahr seine Profikarriere beendet hat. Aigner, der ehemalige Kajak-Weltmeister von 2016, war nach seinem sportlichen Rückzug in die Politik gewechselt und wurde bei der Kommunalwahl 2026 in den Augsburger Stadtrat gewählt. Dort ist der zweifache olympische Medaillengewinner nun designierter Fraktionschef der Freien Wähler.
Stanzel vermasselt seinen Qualifikationseinstieg
Christian Stanzel fuhr in der Qualifikation sogar mit einem Paddel, das er Aigner abgekauft hat. „Das ist alles sehr cool“, sagte der junge Augsburger, den sein Erfolg selbst am meisten überrascht hat. „Ich kann es immer noch nicht ganz fassen und hätte es, ehrlich gesagt, auch nicht erwartet“, so der 20-Jährige nach seinem Coup, der ihm nun eine hochklassige internationale Saison beschert. Sie bringt ihm nicht nur die Starterlaubnis für die Weltcups, sondern auch die Weltmeisterschaft im Juli in den USA.
Dabei hatte Stanzel nach seinem schwierigen Start in die Qualifikation gar nicht mit einem solchen Happy End gerechnet. „Ich hatte in Markkleeberg einen harten Einstieg. Die Cross-Quali habe ich total versemmelt und in meinem ersten Slalomlauf habe ich dreimal berührt und bin zehnter geworden. Aber ich habe mich danach auf die Basics beschränkt und nicht groß rumgerechnet“, beschrieb Stanzel seinen Fokus während der acht Rennen, von denen die besten sechs zur Wertung zählten. Weil er mit jedem Rennen besser wurde und auf seiner Heimstrecke am Eiskanal konstant die Plätze drei und vier einfuhr, gelang ihm schließlich das drittbeste Ergebnis aller Kajak-Männer und der Platz im Nationalteam hinter Noah Hegge und Stefan Hengst (KR Hamm).
Christian Stanzel war schon U23-Team-Europameister
Im vergangenen Jahr paddelte Stanzel noch im U23-Team. Gemeinsam mit seinen Qualifikationskonkurrenten Enrico Dietz (Bad Kreuznach) und Konrad Marten (Dormagen) hatte er im Juli 2025 in Solkan Team-Gold bei der U23-Europameisterschaft gewonnen. „Ich hätte mich auch über einen Platz in der U23 gefreut, aber das ist jetzt alles noch mal einen Schritt höher“, sagte Stanzel. Schon am 11. Mai wird es für die Nationalteams zu den ersten Trainingseinheiten auf die Wildwasserstrecke der Olympischen Spiele von Los Angeles 2028 nach Oklahoma gehen.
Einmal mehr dabei sein wird auch Sideris Tasiadis. Auf seiner Heimstrecke hat es der Routinier wieder allen gezeigt: Mit zwei ersten und zwei zweiten Plätzen in vier Qualifikationsrennen sicherte er sich endgültig den ersten Platz in der WM-Sichtung im Canadier Einer. Nach zwei eher durchschnittlichen Wettkampftagen in Markkleeberg drehte Tasiadis, der am Donnerstag 36 Jahre alt wird, auf seinem Lieblingskanal wieder so richtig auf. 2022 war er dort Weltmeister geworden, jetzt hielt er trotz einer Ellenbogenverletzung aus dem vergangenen Jahr und manchem Zwicken im Körper aufgrund der langjährigen Kanukarriere einmal mehr die junge Konkurrenz auf Abstand.
Sideris Tasiadis spürt die körperliche Belastung
Die Plätze zwei und drei im Team gingen an Timo Trummer und Lennard Tuchscherer, beide vom LKC Leipzig. „Mir war schon klar, dass die Jungen in Markkleeberg rankommen können, weil sie dort ja das ganze Jahr trainieren, aber hier in Augsburg kenne ich alles“, sagte Tasiadis und ergänzte mit einem Schmunzeln. „Natürlich wird es auch langsam Zeit, dass die Jungen rankommen. Man kann ja nicht davon ausgehen, dass der Sid immer noch fährt, bis er über 40 ist. Man merkt ja doch hier und da seine Wehwehchen.“ Doch diese Saison ist er dabei, auch wenn er sein Training gut steuern muss, um den Körper nicht überzubelasten. Angreifen will er trotzdem. „Es werden spannende Wettkämpfe, denn es geht jetzt schon darum, uns Quotenplätze für Olympia zu holen. Dafür ist es wichtig, dass man sich international unter den zwölf besten etabliert“, so Tasiadis.
Schwaben-Kanutin Emily Apel gelingt ein starker letzter Lauf
Bei den Kajak-Frauen gelang Emily Apel erneut die Qualifikation für das A-Team. Ein starker letzter Lauf mit einem zweiten Platz sorgte für Gewissheit bei der jüngeren Schwester von Elena Lilik, die es selbst in dieser Disziplin nicht schaffte. „Die Gefühle sind gerade noch sehr wild“, gestand Emily Apel, „weil es nicht solide war. Es ist immer ein bisschen blöd, wenn es bis ins letzte Rennen geht. Aber man kann es nicht ändern und muss es runterbringen. Deswegen bin ich jetzt glücklich, dass es vorbei ist, denn ich habe echt hart trainiert und habe mir den Platz im Team sehr gewünscht.“ Das deutsche Kajak-Frauen-Trio wird vervollständigt durch die gebürtige Rheinländerin Ricarda Funk und die Nürnbergerin Annkatrin Plochmann.
Nationalteams
Kajak Männer Noah Hegge (Kanu Schwaben Augsburg), Stefan Hengst (KR Hamm), Christian Stanzel (Augsburger Kajak Verein)
Canadier Frauen Andrea Herzog (LKC Leipzig), Nele Bayn (LKC Leipzig), Elena Lilik (Kanu Schwaben Augsburg), Nachrückerin Lucie Krech (LKC Leipzig)
Kajak Frauen Ricarda Funk (KSV Bad Kreuznach), Annkatrin Plochmann (SGV Nürnberg-Fürth), Emily Apel (TSV Schwaben Augsburg)
Canadier Männer Sideris Tasiadis (Kanu Schwaben Augsburg), Timo Trummer (KV Zeitz), Lennard Tuchscherer (LKC Leipzig)
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