13 Jäger und ein Gejagter – die Ausgangslage in der Deutschen Eishockey Liga (DEL) könnte nicht klarer sein. In einer Trainer-Umfrage gab lediglich ein Coach einen anderen Favoritentipp als die Eisbären Berlin ab. „Ich sehe die Kölner Haie vorne. Sie haben eine sehr starke Verteidigung“, sagte der frühere Haie-Coach Niklas Sundblad von den Dresdner Eislöwen. Im vorgezogenen Auftaktspiel unterlag der DEL-Aufsteiger Dresden am Dienstag dem Meister aus der Hauptstadt mit 2:6. Am Freitag folgt der erste komplette Spieltag.
„Berlin ist der Favorit. In vielen Bereichen sind sie extrem schwer zu schlagen. Es braucht ein besonderes Team, um sie zu übertrumpfen“, sagte Mannheims Trainer Dallas Eakins in der Umfrage. Seine Adler gehören zum Kreis von fünf Teams, denen Außenseiterchancen eingeräumt werden. Dabei nannten lediglich drei DEL-Trainer neben Mannheim auch den EHC Red Bull München, den ERC Ingolstadt, Vizemeister Kölner Haie und Bremerhaven als mögliche Herausforderer der Eisbären. Der Kader hat sich kaum verändert, Berlin ist nach 2024 und 2025 bereit für den Titel-Hattrick.
Von dieser Kontinuität meilenweit entfernt sind die Augsburger Panther – zwangsläufig. Seit drei Jahren spielt das DEL-Gründungsmitglied im Tabellenkeller mit. Zweimal hatten die Panther Riesendusel, dass kein aufstiegsberechtigter Zweitligist sich den DEL2-Titel schnappte und sie nicht aus der deutschen Eliteliga flogen. In der abgelaufenen Saison glückte der Klassenerhalt aus eigener Kraft, wenn auch denkbar knapp. Im letzten Saisonspiel siegte die Mannschaft des damaligen Trainers Larry Mitchell mit 3:2 in Iserlohn. Ein Gegentreffer mehr und Augsburg hätte statt der Düsseldorfer EG den Gang in Zweitklassigkeit antreten müssen.
Königstransfer der Panther heißt Alexandre Grenier
Das blieb dem ältesten Eislaufverein Deutschlands erspart. Mitchell wechselte wieder auf den Posten des Sportdirektors und baute mit 15 Neuzugängen ein fast komplett neues Team. Prominentester Transfer ist Kölns Torjäger Alexandre Grenier. Von den Haien hatte der 34-jährige Kanadier überraschend kein neues Vertragsangebot erhalten. Einen spektakulären Wechsel gab es auch auf der Torwartposition. Vom bayerischen Rivalen ERC Ingolstadt kam Torwart Michael Garteig. Bei den Oberbayern war der Schlussmann Publikumsliebling. Das dürfte sich geändert haben, wie der 33-jährige Kanadier berichtete: „Ich habe viele Nachrichten auf meinen Wechsel bekommen. Die, die aus Augsburg kamen, waren alle nett. Die aus Ingolstadt waren nicht alle freundlich.“ Neuer Mannschafts-Kapitän ist der 33-jährige Verteidiger Max Renner.
Als Trainer präsentierte Mitchell einen großen Namen. Der Kanadier Bill Peters arbeitet bereits sechs Jahre als Chefcoach von NHL-Klubs. Nach Rassismus-Vorwürfen im Jahr 2019 trat er von seinem Cheftrainer-Posten in Calgary zurück. Seine Karriere erhielt einen Knick. Peters arbeitete an sich und sagte inzwischen: „Ich habe verstanden, was ich falsch gemacht habe und habe aus meinem Fehler gelernt.“
Der AEV startet am Freitag in Nürnberg
Am Freitag (19.30 Uhr) tritt der AEV in Nürnberg an, am Sonntag um 16.30 Uhr kommt Mannheim zum Heimauftakt ins Curt-Frenzel-Stadion. Trotz der überschaubaren sportlichen Erfolge in der jüngsten Vergangenheit können die Panther auf eine treue Fan-Basis bauen. 14 Mal meldete der Klub ausverkauft. Die Stadion-Auslastung betrug 96 Prozent. Damit lagen die Panther im Trend, wie Ligenleiter Gernot Tripcke berichtete. Die DEL meldete zum Saisonstart erneut Rekordzahlen beim Umsatz und bei den Zuschauern und sieht kaum noch Steigerungsmöglichkeiten. „Wir sind in vielen Dingen am Limit“, sagte Tripcke. „Die Luft nach oben wird dünner.“ Beim Gesamtumsatz habe es demnach in der abgelaufenen Saison „zweistellige Steigerungsraten“ gegeben. „Der Gesamtumsatz ist wieder gestiegen. Wir werden da stramm gegen 200 Millionen Euro gehen“, sagte Tripcke, ohne genaue Zahlen zu nennen.
In der Saison zuvor wurde mit 173,6 Millionen Euro der bisherige Umsatzrekord erreicht. Allerdings stieg im Frühjahr mit der Düsseldorfer EG ein Zuschauer-Magnet in die DEL2 ab. Aufsteiger Dresden hat im Gegensatz zur DEG (13.102) eine Stadionkapazität von gerade einmal 4.412 Besuchern. In der vergangenen Spielzeit strömten insgesamt 33,3 Millionen Zuschauerinnen und Zuschauer in die DEL-Hallen, was einen Rekordwert darstellt.
Groß wird das Interesse auch in der neuen Saison sein. Auch wieder bei den Panthern, die zwar ebenfalls zu den Jägern zählen. Den Titel hat der AEV allerdings weniger im Blick, wie Neuzugang Joseph Cramarossa vor dem DEL-Start meinte: „Wenn wir sagen, dass wir Erster werden wollen, würden wir die Messlatte zu hoch legen, das wäre unrealistisch. Aber unser Ziel sollten die Playoffs der ersten zehn Mannschaften sein.“
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