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Australian Open
07.01.2022

Einreise-Krimi um Djokovic geht weiter – Anhörung am Montag

Novak Djokovic hatte seinen Impfstatus bislang stets offen gelassen.
Foto: Marijan Murat, dpa

Die Nummer eins der Tenniswelt wollte mit einer medizinischen Ausnahmegenehmigung in Australien einreisen – doch die Grenzschutzbehörden sagten Nein.

Gerichtssaal statt Tennisplatz: Der Einreise-Krimi um den serbischen Tennisstar und Impfskeptiker Novak Djokovic spitzt sich immer mehr zu und beschäftigt längst Justiz und Politik. Erst nach einem Wochenende in Hotel-Isolation wird der beste Tennisspieler der Welt erfahren, ob er an den am 17. Januar beginnenden Australian Open teilnehmen darf.

Am Montag soll ein Gericht in Melbourne über den Einspruch von Djokovic gegen den Visum-Entzug durch die australische Grenzbehörde entscheiden. Der sehr wahrscheinlich ungeimpfte Djokovic war am Mittwochabend (Ortszeit) damit gescheitert, mit Hilfe einer höchst umstrittenen medizinischen Ausnahmegenehmigung nach Australien einzureisen.

Australischer Grenzschutz storniert Visum von Novak Djokovic

Die Grenzschutzbehörden am Flughafen von Melbourne stornierten das Visum, weil der 34-Jährige die Einreisebestimmungen nicht erfülle. Djokovic schaltete daraufhin Anwälte ein, um diese Entscheidung vor Gericht anzufechten. Nach einer ersten Online-Anhörung soll der Fall nun am Montag vor Gericht weitergehen, wie die Zeitung The Age schrieb. Damit kann Djokovic mindestens bis Montag im Land bleiben.

Djokovic darf in Australien einreisen – aber darf er auch spielen? 

Djokovic hat sich in der Vergangenheit als Skeptiker in Hinblick auf die Corona-Schutzimpfung hervorgetan. Seinen Impfstatus hat er noch immer nicht öffentlich gemacht. Eigentlich sollte Djokovic bereits am Donnerstag das Land wieder verlassen, doch hinter den Kulissen läuft ein erbitterter Streit um die Einreise-Erlaubnis für den Serben. 

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Djokovic in Hotel für abgelehnte Asylbewerber untergebracht

Derzeit hält sich Djokovic im Hotel Park im Melbourner Stadtteil Carlton auf, in dem auch abgelehnte Asylbewerber untergebracht sind. Vor dem Hotel versammelten sich am Donnerstagnachmittag serbische Fans mit Nationalflaggen, um für Djokovic zu protestieren. Aktivisten nutzten den Moment auch, um die Freilassung der dort untergebrachten Menschen zu fordern.

Von Djokovic selbst gibt es seit seinem Abflug nach Australien am Dienstag keine Aussagen mehr. Dafür äußerte sich der dreimalige Wimbledonsieger und frühere Trainer Boris Becker. "Ich glaube, er macht einen großen Fehler, sich nicht impfen zu lassen", schrieb die deutsche Tennis-Legende in einem Gastbeitrag für die Daily Mail. Dieser Fehler bedrohe das, was von seiner Karriere und der Chance, sich selbst als besten Spieler der Geschichte zu verewigen, bleibe. Becker trainierte von 2013 bis 2016 den Serben. In dieser Zeit gewann Djokovic sechs Grand-Slam-Turniere, darunter auch die Australian Open, und wurde wieder die Nummer eins der Welt.

Er habe nach deren Ankunft am Flughafen in Melbourne Kontakt mit Djokovics aktuellem Coach Goran Ivanisevic gehabt, schrieb Becker weiter. Dieser habe sich aber in einem anderen Raum aufgehalten, weil mit dessen Visum alles in Ordnung gewesen sei. Mit Djokovic habe er noch nicht gesprochen, aber "ich würde ihm dringend raten, sich impfen zu lassen – ob er auf mich hören würde, ist eine andere Sache", so Becker. Die Regeln seien zu akzeptieren, betonte er.

Kritik und Unterstützung von anderen Tennisprofis

Auch einige von Djokovics Konkurrenten äußerten sich zu dem Fall. Olympiasieger Alexander Zverev hielt sich mit einer Beurteilung des Falles zurück. "Es ist ein Grand-Slam-Turnier, das er neun Mal gewonnen hat. Es wäre schön für das Tennis, wenn er dabei wäre", sagte Zverev. "Aber Regeln sind Regeln. Ich werde nie im Leben ein schlechtes Wort über Novak sagen, aber ich kenne auch zu wenig Details, um ihn in Schutz nehmen zu können."

Auch andere Rivalen sprangen nicht für Djokovic in die Bresche. Im Gegenteil. "Ich hatte Covid, ich bin zwei Mal geimpft. Wenn du das machst, hast du kein Problem, hier und überall auf der Welt zu spielen. Das ist das Einzige, was klar ist", sagte der Spanier Rafael Nadal. Die Regeln seien lange bekannt. Die Menschen in Australien seien in der Pandemie durch schwere Zeiten gegangen. Von daher könne er ihren Unmut über die Ausnahmegenehmigung für Djokovic verstehen. Melbourne hatte mit 262 Tagen einen der längsten Lockdowns der Welt.

Die Tennis-Spielergewerkschaft PTPA hat derweil ihrem Präsidenten und Mitbegründer Novak Djokovic Unterstützung zugesichert. Der Serbe hatte im August 2020 gemeinsam mit dem Kanadier Vasek Pospisil die Professional Tennis Players Association (PTPA) gegründet als Konkurrenz zum bestehenden Spielerrat der Herren-Organisation ATP. "Mit dem größten Respekt vor allen persönlichen Meinungen zu Impfungen sollte geimpften und ungeimpften (mit einer medizinischen Ausnahmegenehmigung) Athleten die gleiche Freiheit gewährt werden", an Turnieren teilzunehmen, forderte die Spielergewerkschaft. 

Ausnahmegenehmigung bei Australian Open für Djokovic löste Empörung aus

Doch während Nadal, Medwedew und Co. sich beim ATP Cup oder bei anderen Turnieren auf die Australian Open vorbereiten, hockt Djokovic in seinem Hotelzimmer und kämpft von dort aus um eine Teilnahme am ersten Grand-Slam-Turnier der Saison, das er bereits neun Mal und damit so oft wie niemand vor ihm gewinnen konnte.

Die ihm erteilte Ausnahmegenehmigung hatte zuvor auch international für große Empörung gesorgt. Sogar Australiens Premier Scott Morrison äußerte sich zu dem Fall und rief die wegen der Corona-Pandemie derzeit herrschenden Einreiseregeln in Erinnerung. Dafür brauche es den Nachweis einer doppelten Impfung oder eine gültige medizinische Ausnahmegenehmigung, sagte er. "Regeln sind Regeln, vor allem, wenn es um unsere Grenzen geht", schrieb der Regierungschef auf Twitter. "Niemand steht über diesen Regeln."

Djokovic war offenbar der Ansicht, über die erforderlichen Dokumente zu verfügen und hatte sich daraufhin am Dienstag auf den Weg nach Melbourne begeben. Anscheinend seien die Dokumente, so schrieb die Agentur AAP, aber nur für das Turnier und nicht für die Einreise nach Australien erteilt worden. Was auch ein schlechtes Licht auf die Organisatoren um den mächtigen Turnierboss Craig Tiley wirft. Bei den Australian Open ist die Impfung erstmals bei einer Top-Veranstaltung für Tennisprofis Pflicht.

Serbien stellt sich hinter Novak Djokovic

Am Flughafen von Melbourne war Djokovic nach seiner Ankunft am Mittwochabend mehrere Stunden lang von Beamten wegen offenkundiger Unstimmigkeiten mit seinem Visum verhört worden. Die Dokumente, die Djokovic vorgelegt hatte, sahen Medien zufolge medizinische Ausnahmen für Ungeimpfte gar nicht vor. Die Behörden des australischen Bundesstaats Victoria, dessen Hauptstadt Melbourne ist, wurden deshalb eingeschaltet - und verweigerten ihm die Unterstützung. 

Ranghohe Politiker in Serbien empörten sich über die Ausweisung des Tennisstars. "Ganz Serbien steht hinter ihm", schrieb der serbische Präsident Aleksandar Vucic in der Nacht zum Donnerstag nach einem Telefonat mit Djokovic auf Instagram. "Unsere Behörden werden alle Maßnahmen ergreifen, um die Schikanierung des besten Tennisspielers der Welt binnen kürzester Zeit zu beenden." Regierungsnahe Medien machten in der serbischen Hauptstadt Belgrad ebenfalls Stimmung gegen die Entscheidung der australischen Behörden. "Das ist der größte Sportskandal aller Zeiten", titelte das Boulevard-Blatt Kurir am Donnerstag.

Australien weist Kritik an Behandlung von Djokovic zurück

Auch Vater Srdjan hat den Fall um seinen Sohn Novak Djokovic kritisiert. Der befinde sich in Australien "im Gefängnis", wetterte der Vater am Donnerstag in einer Pressekonferenz in Belgrad, in der er seinen Sohn zum "Freiheitskämpfer" stilisierte.

Australische Behörden haben Vorwürfe der Familie von Novak Djokovic zurückgewiesen, sie halte den Tennis-Star seit dessen Ankunft in Melbourne wie einen Gefangenen fest. "Herr Djokovic wird nicht in Australien gefangen gehalten, er kann jederzeit gehen, und der Grenzschutz wäre dabei behilflich", sagte Innenministerin Karen Andrews dem Sender ABC News am Freitag. Zugleich bestätigte sie zwei weitere Problemfälle im Zusammenhang mit den Australian Open, die nun vom Grenzschutz geprüft würden.

Auch Spielerin Renata Voracova ist das Visum entzogen worden

Mittlerweile ist ein zweiter Fall vekannt: Neben dem serbischen Weltranglisten-Ersten Novak Djokovic ist einem australischen Medienbericht zufolge auch der tschechischen Tennisspielerin Renata Voracova das Visum entzogen worden. Wie der Sender ABC am Freitag berichtete, sei die 38-Jährige ebenfalls in das Hotel gebracht worden, in dem bereits Djokovic untergebracht ist. Voracova sei demnach am Donnerstag von australischen Grenzbeamten darüber informiert worden, dass ihr Visum ungültig sei und sie bald das Land verlassen müsse.

Ob Voracova, die in der Einzel-Weltrangliste nicht geführt wird und im Doppel-Ranking auf Platz 81 liegt, wie Djokovic gegen ihre Ausweisung klagt, war dem Bericht zufolge offen. Voracova soll bereits im vergangenen Monat nach Australien eingereist sein und hatte schon an einem der Vorbereitungsturniere in Melbourne teilgenommen. Sie soll in den vergangenen sechs Monaten mit dem Coronavirus infiziert gewesen sein. Laut ABC stehen tschechische Diplomaten in Kontakt mit Voracova, eine Reaktion der Botschaft in Canberra steht noch aus. (dpa)

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07.01.2022

"Ganz Serbien steht hinter ihm"

Serbien sollte sich lieber um seine wirklichen Probleme kümmern, von denen es genug gibt, aber klar durch so etwas kann man vorzüglich die "Reihen schließen" und davon ablenken, in dem man sich auch vermeintliche "Bösewichte" im Ausland konzentriert.
Zur Ehrlichkeit gehört aber auch, dass es dem Turnierboss allem voran auch nur um Geld und Prestige ging, worin genaugenommen schon der auslösende Fehler lag.

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06.01.2022

Unglaublich, mit welcher Unverfrorenheit diese "Sportler" agieren. Außerdem: Ein Visum berechtigt keinesfalls zur ungehinderten Einreise, entscheidend sind die Grenzbehörden bei der Einreise. Schon der geringste Verdacht kann zu einer Ablehnung führen, man hat kein Recht eine Einreise zu erzwingen.

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