Im Kern ist Fußball dann doch ein einfacher Sport. „Es ist so, dass uns zu den Bayern etwas fehlt, so ehrlich müssen wir sein“, sagte Ole Werner, nachdem seine Leipziger mit 0:2 in München verloren hatten. Bei allen Debatten um nicht zu beeinflussbare Faktoren, wie es eine Schiedsrichterleitung ist, setzt sich Qualität meistens durch. Vor allem dann, wenn sie mit Mentalität gepaart ist, wie es seit geraumer Zeit beim FC Bayern der Fall ist.
Nachdem die Leipziger im Pokal-Viertelfinale an den Münchnern gescheitert waren, wollte Werner aber freilich nicht darauf verzichten, Kritik an Schiedsrichter Daniel Siebert zu äußern. Der Unparteiische hatte in der ersten Halbzeit ein Foulspiel von Josip Stanisic an Antonio Nusa an der 16er-Kante übersehen. Im Kölner Keller war man der vertretbaren Meinung, dass das Vergehen außerhalb des Strafraums stattgefunden hatte, weshalb ein Eingriff von Außen nicht möglich war. Als „Wahnsinn“ bezeichnete es Werner, dass Siebert nicht zumindest auf Freistoß entschieden hatte: „Wenn man das zu viert nicht als Foul sehen kann, dann ist das auch kein Viertelfinal-Niveau, tut mir leid.“
Den Schiedsrichter aufgrund eines nicht gegebenen Freistoßes in den Mittelpunkt der Spielanalyse zu stellen, ist verständlich – und liefert ein weiteres Beispiel, wie weit verbreitet die Wagenburgmentalität im Sport ist. So nahm Werner etwa keine öffentliche Kritik an Torwart Maarten Vandevoordt vor, der den Elfmeter zum bayerischen 1:0 verschuldete, als er beim Rauslaufen wegrutschte und Stanisic dann foulte. Werner rüffelte auch nicht seine Mannschaft dafür, dass sie kurz nach dem Rückstand unnötig weite Räume öffnete, die ihr Gegner umgehend durch Luis Diaz zum 2:0 nutzte (64).
Wir merken es immer wieder, dass es einen Zeitpunkt gibt im Spiel, an dem wir es schaffen, sie zu brechen irgendwie.
Jonathan Tah, Innenverteidiger des FC Bayern
Die Münchner auf der anderen Seite demonstrierten abermals, wie gut sie sich darauf verstehen, aus kleinsten Fehlern größtes Kapital zu schlagen. Sie piesacken ihren Gegner so lange, bis dieser erschöpft oder unkonzentriert kurz die Deckung sinken lässt und schlagen dann in beeindruckender Kühle zu. „Wir merken es immer wieder, dass es einen Zeitpunkt gibt im Spiel, an dem wir es schaffen, sie zu brechen irgendwie“, sagte Innenverteidiger Jonathan Tah nach getaner Arbeit an seinem 30. Geburtstag. Er bezog sich auf die drei Saisonspiele gegen Leipzig, die allesamt von seiner Mannschaft gewonnen wurden. Gleichwohl trifft die Analyse zudem auf die meisten anderen Spiele des deutschen Meisters zu.
Die Fans freuen sich auf die Fahrt nach Berlin
Der steht nun erstmals seit 2020 wieder im Halbfinale des DFB-Pokals, weshalb die Fans nicht allzu überraschend davon sangen, nach Berlin zu fahren. Eine Partie trennt die Münchner noch von der Reise in die Hauptstadt. Die Vorschlussrunde wird erst im April ausgetragen und weil sich die Bayern auf direktem Wege für das Achtelfinale der Champions League qualifiziert haben, müssen sie dort erst wieder im März ran. Der Februar steht ganz im Zeichen der Bundesliga, jede Woche steht ungewohnter Weise nur eine Partie an.
Vor allem Jamal Musiala und Alphonso Davies dürften davon nach ihren langen Verletzungspausen profitieren. Die Bayern haben sich in eine prächtige Ausgangslage gebracht: beruhigender Vorsprung in der Bundesliga, ein voller Kader ohne Verletzte und die tiefe Überzeugung, jedes Spiel gewinnen zu können. Den Gegnern fehlt etliches zu den Bayern, so ehrlich muss die Liga zu sich sein. Im Kern aber ist der Fußball dankenswerterweise ein einfacher Sport und der nächste Gegner immer der schwerste. Am Samstag spielen die Münchner beim SV Werder Bremen.
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