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  3. Bundesliga-Serie: Der VfL Bochum ist die selbstbewussteste graue Maus – aber reicht das?

Bundesliga-Serie
09.07.2022

Der VfL Bochum ist die selbstbewussteste graue Maus – aber reicht das?

Geht in sein zweites Jahr als Trainer eines Bundesliga-Teams: Bochums Cheftrainer Thomas Reis.
Foto: Tim Rehbein, dpa

Wer Glanz sucht, ist beim VfL Bochum falsch. Der Aufsteiger des vergangenen Jahres muss nach dem Klassenerhalt gleich eine ganze Reihe Leistungsträger ersetzen.

In unserer Bundesliga-Serie stellen wir die 18 Erstligisten vor dem Saisonstart vor. Heute: Der VfL Bochum.

Der VfL Bochum war eine der positiven Überraschungen der abgelaufenen Saison – doch in der zweiten Spielzeit nach dem Wiederaufstieg ist die Konkurrenz gewarnt: In der neuen Saison kann der VfL nicht mehr überraschen, er muss überleben.

Der VfL Bochum schafft nach zehn Jahren in Liga zwei die Rückkehr in die Bundesliga, spielt eine großartige erste Saison – und wird im Pott doch wieder degradiert, wie gehen Klub und Fans damit um?

Kein Problem, Dortmund agiert in anderen Sphären – und auch Schalke hatte sogar in der zweiten Liga mehr Strahlkraft als der VfL eine Klasse höher. Doch Bochum braucht das Rampenlicht nicht, gibt die selbstbewussteste graue Maus der Liga und blüht auch im Schatten der Revierriesen. "Wir sind nicht viele, aber wir sind überall", hatte Edelfan und Ex-Vorstand Frank Goosen über die VfL-Fans gesagt. Im vergangenen Jahr sind einige dazugekommen.

Als Aufsteiger souverän die Klasse gehalten, doch das zweite Jahr in der neuen Klasse ist vergleichbar mit dem siebten in einer ehelichen Partnerschaft: Da droht Gefahr, auch beim VfL?

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Auf jeden Fall. Die Liga ist unten deutlich enger beisammen als oben. Mit oben hat Bochum nichts zu schaffen, unten fehlen in diesem Jahr Arminia Bielefeld und Greuther Fürth. Mannschaften, denen Bochum auch nominell mindestens auf Augenhöhe begegnete. Die Neulinge Werder Bremen und Schalke 04 sind da ein anderes Kaliber und dürften zumindest bei den Buchmachern vor dem VfL rangieren.

Wird Bochum verlassen: Der bisherige Sportgeschäftsführer Sebastian Schindzielorz.
Foto: Lukas Schulze/Getty Images - Pool/dpa/Archivbild

Die Bayern geschlagen, dem Revierrivalen Borussia Dortmund Punkte abgenommen: Bochum hat in der Liga für Stimmung gesorgt – warum geht Geschäftsführer Sebastian Schindzielorz?

Vielleicht, weil man gehen sollte, wenn es am schönsten ist: Aufgestiegen, dringeblieben – mehr geht eigentlich nicht. Noch ist nicht bekannt, wohin es den 43-Jährigen zieht, im Gespräch war sein Ex-Verein Wolfsburg – und dürfte nach wie vor ein Kandidat sein. "Ich bleibe mit voller Kraft an Bord, bis der VfL Bochum einen Nachfolger gefunden hat", sagte Schindzielorz und ist damit wesentlich an der Kaderplanung beteiligt. Doch die vielbeschriebene und als Erfolgsgeheimnis gepriesene VfL-DNA mit den Ex-Profis Thomas Reis als Trainer und eben Schindzielorz als Sportchef ist demnächst Geschichte.

Auch Trainer Reis hat sich bei der Vertragsverlängerung um ein weiteres Jahr erstaunlich lange Zeit gelassen, aber er bleibt. Dafür verliert der Klub unter anderem seinen Sturmtank, einen Kunstschützen und einen seiner größten Publikumslieblinge. Was tut sich an der Castroper Straße?

Stürmer Sebastian Polter braucht kein Umzugsunternehmen, den Zehn-Tore-Stürmer zieht es in die benachbarte Veltins-Arena nach Gelsenkirchen. Wahrscheinlich wird er den Schalkern weniger nutzen, als er dem VfL fehlen wird. Eine Lücke hinterlässt Offensiv-Mann Milos Pantovic. Der Serbe traf aus 45 Metern Entfernung ins Freiburger Tor – und wird künftig für Union Berlin Maß nehmen. Noch mehr aber schmerzt vor allem die Fans der Abgang von Sympathieträger Armel Bella-Kotchap, den es zu Ralph Hasenhüttls FC Southampton in die Premier League zieht. Ausgeglichen wird die Handelsbilanz unter anderem durch die Zugänge von Rechtsverteidiger Saidy Janko, der auf Leihbasis aus Valladolid kommt, und Philipp Förster von Ligakonkurrent VfB Stuttgart. Leihspieler Konstantinos Stafylidis aus Hoffenheim taucht jetzt fest in den Gehaltslisten des VfL auf.

Das unrühmliche Ende eines Fußballspiels: Der von dem Bierbecher getroffene Schiedsrichter-Assistent Christian Gittelmann und Schiedsrichter Benjamin Cortus verlassen das Bochumer Spielfeld. Mittlerweile ist klar: Die Punkte für den Sieg gehen nach Mönchengladbach.
Foto: Bernd Thissen, dpa

Das Stadionbier lernte im Heimspiel gegen Borussia Mönchengladbach fliegen – und streckte mitsamt Becher den Schiedsrichter-Assistenten nieder. Es war ein rabenschwarzer Bundesliga-Moment mitten in der herbeigesehnten Fan-Rückkehr in die Stadien. Das Spiel wurde abgebrochen und mit 2:0 für die Gäste gewertet. Hat der VfL diesen Kater überwunden?

Nicht so ganz: 100.000 Euro Strafe sind überwiesen – aber der Klub spielt bis zum Saisonende auf Bewährung. Bier wird es weiterhin geben, gehen im Ruhrstadion aber erneut Getränke unsachgemäß auf Reise, dann droht dem Klub ein Teilausschluss der Fans.

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