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Bundesliga
13.01.2022

Wie Test-Konzepte über Abstieg und Titelkampf entscheiden können

Der Titelkampf wird diese Saison möglicherweise auch in den Testlaboren gewonnen.
Foto: Sven Hoppe, dpa

Beim FC Bayern ist die Verwunderung groß, viel mehr Corona-Infektionen zu verzeichnen als andere. Das dürfte auch mit unterschiedlichen Konzepten zu tun haben.

Julian Nagelsmann war ratlos. Er wisse auch nicht genau, weshalb in seiner Mannschaft nun so viele Spieler wegen einer Corona-Infektion ausfielen. Im ersten Rückrundenspiel gegen Mönchengladbach musste der Trainer deswegen auf neun Akteure verzichten. "Vielleicht schieben wir das Stäbchen besonders tief rein", mutmaßte er spaßeshalber. Allerdings lieferte er kurz darauf den Ansatz einer möglichen Begründung, weshalb die Bundesligisten in so extrem unterschiedlicher Ausprägung von Infektionen betroffen sind. Nagelsmann wies darauf hin, dass die Vereine sehr unterschiedliche Teststrategien haben. Während sich beim FC Bayern sämtliche Spieler regelmäßigen PCR- und Schnelltests unterziehen müssen, ist das bei anderen Vereinen nicht der Fall.

Das Hygienekonzept der Deutschen Fußball Liga sieht lediglich vor, dass sowohl nicht vollständig geimpfte wie auch nicht genesene Spieler regelmäßig getestet werden müssen. Sollten sie keine PCR-Tests abgeben, wird von ihnen an jedem Tag ein Schnelltest verlangt.

Viele Bundesligaspieler müssen nicht testen

Geimpfte und genesene Spieler aber sind von der Testpflicht ausgenommen. Das entspricht den geltenden Arbeitsschutzregeln – kann aber zu Wettbewerbsverzerrungen führen, wie Herthas Geschäftsführer Fredi Bobic befürchtet. "Corona hat in jedem Fall Einfluss auf den Wettbewerb. Ich hoffe nicht, dass man am Ende davon reden muss, wer im Januar oder Februar besser durchgekommen ist, mit mehr Punkten", sagte er der Bild. "Es gibt Vereine, die null haben sollen. Das kann ich gar nicht glauben. Das ist kein Vorwurf an andere Klubs. Wir werden zumindest vom Gesundheitsamt aufgefordert, alle Spieler täglich zu testen", so Bobic.

Auch beim FC Augsburg müssen sich sämtliche Spieler jeden Tag einem Schnelltest unterziehen. Die Schwaben kommen bisher verhältnismäßig gut durch die Pandemie.

Bei anderen Vereinen könnte das auch mit einer anderen Teststrategie zu tun haben. Wenn nicht alle Spieler getestet werden, bleibt manche Infektion möglicherweise unentdeckt. Die Omikron-Variante könnte sich so bei geimpften und genesenen Spielern lautlos verbreiten, wenn diese keine Symptome zeigen.

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Mittlerweile hat die DFL auf die neue Corona-Situation reagiert und erhofft sich so, sicher durch den weiteren Verlauf der Pandemie zu kommen. "Wir überarbeiten derzeit zum Beispiel die im Konzept festgehaltene Definition, wer den "Geimpft"-Status hat und daher nicht engmaschig getestet werden muss. Dies haben wir den Klubs schon im Dezember angekündigt und bereits dargestellt, dass nicht geboosterte Personen nicht mehr als vollständig geimpft eingestuft werden können und daher regelmäßig zu testen sind", wird Dr. Tim Meyer von der DFL zitiert. Meyer ist als Leiter der Taskforce Sportmedizin für das Hygienekonzept des Ligaverbandes zuständig. Demnächst wird das aktualisierte Konzept die dafür notwendigen Gremien durchlaufen haben.

FC Bayern: Julia Nagelsmann wieder mit mehr Auswahl

Laut der DFL sind über 90 Prozent aller Spieler, Betreuer und Trainer geimpft, von ihnen hätten bereits mehr als 70 Prozent eine Auffrischungsimpfung erhalten. Das würde bedeuten, dass etwa 65 Prozent aller Spieler derzeit als vollständig geimpft gelten. Sie genießen zum einen vollen Impfschutz – sind andererseits bei einigen Vereinen eben auch von den regelmäßigen Testungen ausgenommen. Dazu kommt, dass die präziseren PCR-Tests nicht vorgeschrieben sind und die Schnelltests häufiger falsche Ergebnisse anzeigen.

So kann die Entscheidung über Meisterschaft und Abstieg doch vom Coronavirus abhängen. Nagelsmann kann immerhin wieder etwas beruhigter auf die kommenden Wochen blicken. Der Münchner Trainer konnte im Verlauf der Woche neben Manuel Neuer auch wieder Corentin Tolisso, Kingsley Coman, Leroy Sané, Tanguy Nianzou und Omar Richards auf dem Trainingsgelände begrüßen.

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