Julian Nagelsmann wird am Donnerstag wieder Schlagzeilen produzieren – wie so oft zuletzt. Um 13 Uhr gibt der Bundestrainer seinen WM-Kader bekannt. Es geht um Namen, Rollen, Enttäuschungen und wohl auch um Manuel Neuer. Laut Medienberichten soll der 40-Jährige als Nummer eins zurückkehren – auf den allerletzten Drücker.
Vom jungen Trainertalent zum Bundestrainer
Schon daran zeigt sich, in welcher Rolle Nagelsmann angekommen ist. Lange war der gebürtige Landsberger der junge Trainer, der mit Taktik und neuen Ideen seine Brillanz beweisen wollte. In Hoffenheim war er der jüngste Cheftrainer der Bundesliga-Geschichte, Leipzig führte er bis ins Champions-League-Halbfinale. Beim FC Bayern lernte Nagelsmann maximalen Erwartungsdruck kennen, bevor nach anderthalb Spielzeiten in München schon wieder Schluss war. Im September 2023 trat Nagelsmann das Amt als Bundestrainer an. Nach einer durchwachsenen Vorbereitung führte er ein verunsichertes Deutschland bei der Heim-EM 2024 bis ins Viertelfinale gegen Spanien.
Vor der WM 2026 ist aus dem Zukunftsversprechen eines jungen Trainers eine feste Größe beim DFB geworden. Der Trainerjob selbst ist dort ein anderer. Im Verein konnte Nagelsmann täglich trainieren und Details einstudieren. Als Bundestrainer muss er auswählen, moderieren und viel erklären.
In seiner authentischen Kommunikation lag immer Nagelsmanns Stärke – und sein Risiko. Er spricht direkt, oft aus dem Bauch heraus. Doch als Bundestrainer bekommen seine Worte eine andere Wucht. Die Entscheidung zur Rückkehr Neuers ist dafür nur das aktuelle Beispiel. Auch um Deniz Undav löste Nagelsmann eine Debatte aus, als er den Stürmer trotz wichtiger Tore als Joker einordnete und dessen Auftritt unnötig öffentlich kritisierte.
Beim FC Augsburg begann Nagelsmanns Weg an die Seitenlinie
Dass Rollen im Profifußball fragil sind, weiß Nagelsmann aus eigener Erfahrung. In der zweiten Mannschaft des FC Augsburg endete seine Spielerkarriere früh wegen Knieproblemen. Thomas Tuchel, damals im FCA-Nachwuchs tätig, gab ihm daraufhin Aufgaben am Spielfeldrand. Aus dem verletzten Spieler wurde einer, der den Fußball von außen lesen lernte.
Nun steht Nagelsmann vor der größten Aufgabe seiner Karriere. Die WM wird nicht allein durch taktische Ideen entschieden. Für ihn wird es darum gehen, Rollen so zu verteilen, dass er durch seine Entscheidungen eine funktionierende Mannschaft formt. Das Etikett des jungen Trainertalents reicht nicht mehr. Jetzt muss Nagelsmann zeigen, dass er nicht nur für Aufregung sorgen, sondern eine Siegertruppe anführen kann.
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