Der FC Bayern München hat das Finale der Champions League verpasst. Nach dem furiosen 4:5 im Hinspiel in Paris sollten in der heimischen Arena in München die Tore zum Weiterkommen fallen. Es kam anders, auch weil Paris St. Germain diesmal die Defensive für sich entdeckt hatte. Mit 1:1 endete das Rückspiel in München – zu wenig für die Bayern. Das Endspiel am 30. Mai in Budapest findet damit zwischen Titelverteidiger Paris und dem FC Arsenal statt.
Dabei war die Stimmung in der Münchner Arena schon weit vor dem Anpfiff auf höchstem Wettkampfniveau. Kein Wunder, denn tagelang hatte die gesamte Fußballwelt auf dieses Match, dessen erster Akt in Paris mit neun Toren so spektakulär verlaufen war, hingefiebert. Als Manuel Neuer und die anderen Torhüter zum Warmmachen 45 Minuten vor Anpfiff vor der Südkurve erschienen, war bereits jeder Anhänger auf seinem Platz und sorgte für eine Kulisse, wie es sie in München stellenweise nicht mal während der Partie gibt. „Wir holen die Meisterschaft und den Europapokal“, tönte es aus der Kurve.
Müller: „Macht diesen Abend zur besten Fußball-Atmosphäre, die es je gegeben hat“
Seitenverkehrt gab es ein gellendes Pfeifkonzert, als das Pariser Team das Feld betrat. Trainer Vincent Kompany dürfte das gefallen haben. Er hatte die Fans darum gebeten, „die Wucht der Arena“ zu entfesseln. Eine zusätzliche Motivation hatte die Bayern aus Kanada erreicht. Vereinslegende Thomas Müller hatte in einem Videoclip gesagt: „Macht diesen Abend zur besten Fußball-Atmosphäre, die es je gegeben hat.“ Die letzte schriftlich formulierte Bitte erreichte die Mannschaft kurz vor Anpfiff in Form einer Choreographie: Ein überdimensionaler Bayern-Spieler mit einem Fuß am Ball war zu sehen, zu lesen war der Banner: „Schießt uns ins Finale!“
Kompany vertraute bei der Startelf nahezu dem identischen Team, das in der französischen Hauptstadt eine Woche zuvor angetreten war. Nur Alphonso Davies wanderte auf die Bank, für ihn stand Konrad Laimer auf dem Rasen. Josip Stanisic, der auf rechts keine gute Figur abgegeben hatte, wechselte auf die linke Seite. Luis Enrique musste den verletzten Rechtsverteidiger Achraf Hakimi ersetzen. Für ihn verteidigte Zaire-Emery und der Spanier Fabian rutschte neu in die Startelf.
Ousmane Dembelé schoss nach nicht einmal 150 Sekunden zur frühen Führung für Paris
Die Partie begann mit der eiskalten Dusche für die Bayern: Khvicha Kvaratskhelia war auf links durchgebrochen, bediente Ousmane Dembelé – und der schoss nach nicht einmal 150 Sekunden zur frühen Führung für Paris ein (3.). Nun mussten die Bayern schon zwei Tore aufholen.
Die Gastgeber spielten konzentriert weiter – ohne allerdings den gewünschten Angriffsdruck zu entfachen. Paris wirkte in dieser Phase cooler, abgezockter und ließ die Bayern nur selten zur Entfaltung kommen. Den ersten gefährlichen Torschuss verzeichnete Michael Olise, der nach einer knappen halben Stunde von rechts nach Innen zog und in Robben-Manier den Ball über den Kasten schlenzte (28.). Dann geriet Schiedsrichter Joao Pinheiro in den Mittelpunkt: Zuerst, weil er nach einem Handspiel des bereits gelbverwarnten Nuno Mendes auf Hand von Laimer und damit auf Freistoß für Paris entschied (29.) – eine Fehlentscheidung, ohne die die Bayern mit einem Mann mehr weitermachen hätten dürfen. Dann der große Aufschrei: Ein von Vitinha geklärter Ball traf dessen Mitspieler Joao Neves im Strafraum am ausgespreizten Arm. Die Elfmeter-Forderungen der Bayern ließen den Referee kalt, der auch darauf verzichtete, sich die Szene erneut anzusehen. Tatsächlich wäre ein Elfmeter-Pfiff eine zu harte Entscheidung gewesen – auch wenn es im Hinspiel für eine ähnliche Szene mit Davies einen ebenso diskutablen Strafstoß gegeben hatte.
Kurz vor Schluss: Harry Kane schießt in der Nachspielzeit den Ausgleich
Die Bayern spielten mit Wut im Bauch, kamen nun besser in die Partie – und hatten durch Jamal Musiala die Chance zum Ausgleich. Seinen Schuss von der Strafraumkante entschärfte Matvei Safonov im PSG-Tor (44.).
Nach der Pause ging es personell unverändert weiter, die Bayern gingen nun aber deutlich mehr ins Risiko, ohne allerdings zu klaren Torchancen zu kommen. Das ermöglichte Paris Kontergelegenheiten, durch Desiré Doue (56.) oder den emsigen Kvaratskhelia (57.), die aber von Neuer entschärft wurden. Die Uhr lief nun zugunsten der Pariser, die sich noch dazu bei Kontern auf ihre schnellen Angreifer wie Doué verlassen konnten.
Die Bayern bemühten sich. Luis Diaz brachte eine Hereingabe des eingewechselten Alphonso Davies aufs Tor, doch Safanov hielt (69.). Nun folgte die größte Druckphase der Münchner, die dringend zwei Tore benötigten. Paris blieb bei den Gegenstößen brandgefährlich. Nicolas Jackson kam für den unglücklichen Musiala (79.). Kompany zog sein letztes Register, brachte Lennart Karl für Verteidiger Dayot Upamecano (85.). Karl und Laimer versuchten sich in einer Doppelchance daran, endlich den Ball ins Tor zu bringen – und scheiterten (88.). In der Nachspielzeit war es Harry Kane (90.+5), der nach einem Zuspiel von Davies zum 1:1-Ausgleich traf. Das Tor alleine reichte aber nicht mehr.
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