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Deutschlands Torwart Grubauer verärgert über umstrittenen USA-Treffer

Eishockey-WM

Deutschlands Torwart Grubauer verärgert über umstrittenes Tor

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    Viel Redebedarf: Deutschlands Torhüter Philipp Grubauer war mit einer Schiedsrichter-Entscheidung und der Reaktion auf der deutschen Trainerbank nicht einverstanden.
    Viel Redebedarf: Deutschlands Torhüter Philipp Grubauer war mit einer Schiedsrichter-Entscheidung und der Reaktion auf der deutschen Trainerbank nicht einverstanden. Foto: Andreas Becker, dpa

    Philipp Grubauer spricht offen an, wenn ihm etwas nicht passt. Am späten Mittwochabend hatte der Torhüter der deutschen Nationalmannschaft Redebedarf. Zunächst ärgerte sich der gebürtige Rosenheimer über eine Schiedsrichter-Entscheidung. Aber auch über eine ausbleibende Reaktion von Harold Kreis. Es gab einigen Diskussionsbedarf nach dem 3:4 nach Penaltyschießen gegen die USA. Nicht nur, weil es die vierte Niederlage im vierten Turnierspiel der Weltmeisterschaft in der Schweiz aufzuarbeiten galt. Nein, Grubauer verstand die ihm sonst bestens bekannte Eishockey-Welt nicht mehr. Der 34-Jährige verfügt nach 449 Spielen in der National Hockey League über ausreichend Erfahrung, wie es in der härtesten und besten Liga der Welt zugeht. Gerade deswegen konnte er nicht nachvollziehen, warum der 3:3-Ausgleich der US-Amerikaner in der 55. Minute anerkannt worden war. Die Szene sorgt anhaltend für Ärger.

    Das war passiert: Beim Stand von 3:2 für Deutschland und lediglich fünf noch zu spielenden Minuten hatte Grubauer die riesige Fanghand auf der Scheibe. Die Schiedsrichter pfiffen jedoch nicht ab. Stattdessen bohrte und stocherte Declean Carlile so lang mit der Kelle in die Fanghand des Nationalkeepers, bis der Puck wieder frei war und Pittsburghs Tommy Novak den Ausgleich erzielte. Die Schiedsrichter entschieden auf Tor. Der Schlussmann der Seattle Kraken beschwerte sich lautstark bei den Unparteiischen. Ohne Erfolg. Grubauer ließ anschließend seinem Ärger freien Lauf. „Ich war zweimal mit der Fanghand drauf. Ich weiß nicht, wie lange ich die Scheibe festhalten soll“, sagte der Keeper und legte nach: „Es ist bitter, dass so eine Situation uns das Spiel kostet. Es ist fragwürdig, dass sie das Tor haben zählen lassen.“ Es liegt im Ermessensspielraum des Schiedsrichters, wann ein Puck als „fest“ gilt und er abpfeift.

    Grubauer versteht Untätigkeit auf der Spielerbank nicht

    Auch die Untätigkeit auf der Trainerbank missfiel Grubauer: „Ich weiß nicht, warum wir nicht gechallenged haben.“ Der Torhüter wie auch die Zuschauer in der Halle und an den Fernsehschirmen wunderten sich, warum Kreis den Treffer mit einer sogenannten „Challenge“ nicht überprüfen ließ. Dazu hat jeder Coach die Möglichkeit. Allerdings überprüfen Videoanalysten während des Spiels die Aussichten auf einen Erfolg. Für eine Torhüterbehinderung seien die Bilder laut DEB-Wahrnehmung nicht eindeutig gewesen.

    Zur Erklärung: Ist eine Trainer-Challenge durch Videobilder erfolgreich, wäre das Tor zurückgenommen worden. Kann die Entscheidung vom Schiedsrichter auf dem Eis durch Videosichtung nicht eindeutig widerlegt werden, würde das Tor zählen und die deutsche Mannschaft hätte als Strafe zwei Minuten mit einem Spieler weniger agieren müssen. Vielleicht auch weil das Unterzahlspiel bislang schwach ist, scheute der Bundestrainer das Risiko. Kreis hatte bereits zum WM-Start gegen Finnland (1:3) beim ersten Gegentreffer auf eine Überprüfung verzichtet. Auch dort wurde Grubauer vom Gegner klar behindert.

    Nationalmannschaft ohne klare Führung

    Die Szene passt ins Bild einer deutschen Nationalmannschaft ohne klare Führung, jetzt bei der WM und zuvor bereits bei Olympia. Nach dem Handbruch und der Abreise von Iserlohn-Stürmer Daniel Fischbuch sucht Sportvorstand Christian Künast nach kurzfristigem Ersatz. Marcel Noebels vom deutschen Meister Berlin wurde kontaktiert, hat jedoch wegen einer Verletzung abgesagt. Der Kölner Dominik Bokk, der vor einer Woche und wenige Stunden vor dem WM-Auftakt für den nachnominierten Lukas Reichel kurzfristig aus dem Kader gestrichen worden war, zeigt offenbar wenig Bereitschaft, nachzurücken. „Wenn jemand schon im Urlaub ist, dann ist er im Urlaub“, stellte Künast. Am Donnerstagnachmittag wurde der DEB doch noch fündig und meldete den Schwenninger Alexander Karachun als Nachrücker.

    Sportlich steht die DEB-Auswahl mit nur einem Punkt aus dem USA-Spiel mit dem Rücken zur Wand. Im nächsten Match am Freitag gegen Ungarn (16.20 Uhr/ProSieben und MagentaSport) wie auch in den ausstehenden Partien gegen Österreich (Samstag, 20.20 Uhr) und zum Abschluss Großbritannien (Pfingstmontag, 20.20 Uhr) sind Siege in regulärer Spielzeit Pflicht, wenn das erklärte Minimalziel Viertelfinale noch erreicht werden soll. Mit zehn Punkten wäre Deutschland nicht gesichert unter den ersten vier Plätzen, die zur Teilnahme an der K.-o.-Runde berechtigen. Die Konkurrenz muss ebenfalls mitspielen. Österreich darf kein Spiel mehr gewinnen. Lettland darf von vier ausbleibenden Partien maximal noch zwei gewinnen. Viele Wenn und Aber. Die sportliche Perspektive ist ähnlich verworren wie die Entscheidungen auf der deutschen Trainerbank.

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