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Eishockey

14.10.2020

Saisonstart in Gefahr: DEL klammert sich an den Dezember

Ein Bild aus vergangenen Tagen: Das Augsburger Curt-Frenzel-Stadion, gefüllt mit tausenden Zuschauern.
Bild: Ulrich Wagner (Archiv)

Plus Die DEL peilt einen Saisonstart im Dezember an. Doch die Anzeichen, dass das nicht klappen könnte, mehren sich. Es sei denn, die Politik macht doch noch Geld locker.

Es war erwartbar, trotzdem war die Enttäuschung groß, als die Champions Hockey League (CHL) am Dienstag ihre Saison absagte – vor allem in München, Mannheim, Berlin und erstmals auch Straubing, die sich aus der Deutschen Eishockey Liga ( DEL) qualifiziert hatten. „Die Pandemie befindet sich außerhalb unserer Kontrolle. Diese Tatsache müssen wir leider akzeptieren“, sagte CHL-Präsident Peter Zahner. Die Absage ist ein weiteres Mosaiksteinchen in das triste Gesamtbild einer Sportart, deren Profi-Sparte in Deutschland wie kaum eine andere unter Corona leidet. Denn nach wie vor ist völlig offen, ob und wann die DEL ihren Spielbetrieb in der kommenden Saison aufnehmen kann.

Eishockey: Was passieren kann, ist bei Nachbarn zu beobachten

Während die Bundesligen im Handball und Basketball, die ähnlich strukturiert sind, schon begonnen haben, zögert die DEL. Das liegt vor allem daran, dass sich deren 14 Klubs großteils über Zuschauereinnahmen finanzieren. Die momentan erlaubten 20 Prozent Hallenauslastung reichen bei weitem nicht, die Kosten auszugleichen. Mindestens 50 Prozent sind nötig.

Drew LeBlanc wird auch in den kommenden beiden Spielzeiten für die Augsburger Panther auflaufen.
29 Bilder
Der bisherige AEV-Kader für die Saison 2020/21
Bild: Siegfried Kerpf

Dazu drohen Probleme, wie sie gerade in der Schweiz zu beobachten sind. In der dortigen National League mussten kurzfristig drei Spiele des HC Fribourg-Gottéron verschoben werden, da vier Spieler am Dienstag positiv auf Covid-19 getestet wurden. Der gesamte Kader steht jetzt unter Quarantäne. Beim Ligakonkurrenten HC Lugano wurde ebenfalls ein Profi positiv getestet. Tschechien wiederum sagte angesichts stark steigender Infektionszahlengleich gleich alle Sportveranstaltungen ab, einschließlich der Spiele der professionellen Eishockey- und Fußballteams. Bislang hatten diese ohne Zuschauer spielen dürfen.

Panther-Boss Lothar Sigl hofft auf Finanzspritze

Die DEL peilt einen Saisonstart in der zweiten Dezemberhälfte an. Die Entscheidung muss allerdings schon Anfang November getroffen werden, denn die Profis brauchen mindestens sechs Wochen Vorbereitung. Derzeit sind die meisten noch zu 100 Prozent in Kurzarbeit und trainieren nur individuell.

Sigl: „Wir sind auf jeden Fall der Meinung, dass wir förderfähig sind. Wir hatten vergangene Saison eine 91-prozentige Auslastung des Curt-Frenzel-Stadions. Jetzt sind wir bei 0.“
Bild: Ulrich Wagner (Archiv)

Aufgeben aber gilt nicht, sagt Lothar Sigl, Hauptgesellschafter der Augsburger Panther und Mitglied des DEL-Aufsichtsrats. Er hofft vor allem auf finanzielle Hilfe aus dem 200 Millionen Euro schweren Konjunkturpaket der Bundesregierung für den Profisport außerhalb des erst- und zweitklassigen Fußballs. Vergangene Woche hatte DEL-Geschäftsführer Gernot Tripcke allerdings geklagt: „Die gesamten Regularien sind sehr schwierig. Das führt dazu, dass wie bei fast allen anderen Förderprogrammen auch, von den 200 Millionen am Ende nur ganz, ganz wenig ankommt.“

Augsburger Panther stellen Antrag auf Finanzhilfe

Trotzdem werden die Panther nun einen Antrag auf Finanzhilfe stellen. Sigl: „Wir sind auf jeden Fall der Meinung, dass wir förderfähig sind. Wir hatten vergangene Saison eine 91-prozentige Auslastung des Curt-Frenzel-Stadions. Jetzt sind wir bei 0.“ Der Zuschuss ist momentan aber auf 800.000 Euro gedeckelt. „Das ist natürlich bei weitem nicht die Summe, die wir durch Zuschauereinnahmen erlöst haben. Aber es wäre zumindest eine Hilfe, um das Gröbste zu überstehen. Danach müsste man eben schauen, was es sonst noch für Möglichkeiten gibt“, sagt Sigl.

Von Notfall-Szenarien, wie sie gerade in Straubing skizziert werden, hält er (noch) nichts. Tigers-Manager Jason Dunham hatte eine Turniervariante vorgeschlagen, sollte sich der DEL-Start bis ins nächste Jahr verzögern. In einer Art Turniermodus könnten Klubs, unterteilt in eine Nord- und einer Südgruppe, gegeneinander antreten. Lange Anreisen und damit Kosten könnten dadurch gespart werden. „Es gibt viele Modelle in vielen Schubladen. Aber die kann man dann rauskramen, wenn wir mehr darüber wissen, wie es weiter geht“, kommentiert Sigl.

Augsburger Panther wollen vorerst keine Spieler verleihen

Auch einer Ausleihe von Spielern an unterklassige Vereine erteilt der Panther-Boss vorerst eine Absage. Nürnberg hatte zum Beispiel den DEL-Rekordtorjäger Patrick Reimer an dessen Heimatklub Kaufbeuren in die DEL2 ausgeliehen. Sigl will allenfalls jungen Profis Spielpraxis beim Kooperationspartner Memmingen in der Oberliga zukommen lassen. Die Topleute der Panther bleiben davon ausgenommen. „So lange wir von einem Saisonstart im Dezember ausgehen ist uns das Verletzungsrisiko zu groß.“

Lesen Sie dazu auch: Deutschlands Eishockey wird wegen Corona zum Sorgenkind

Hören Sie sich dazu auch unseren Podcast mit Leo Conti von den Augsburger Panthern an, den wir im Sommer aufgenommen haben:

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