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Augsburger Panther

18.12.2019

Christoph Ullmann: "Wenn es am schönsten ist, soll man gehen"

Aktuell steht Christoph Ullmann bei 907 DEL-Einsätzen. Am Ende dieser Spielzeit wird der gebürtige Altöttinger die Schlittschuhe endgültig in die Ecke stellen.
Bild: Ulrich Siegf

Plus AEV-Stürmer Ullmann spricht über die Gründe für sein Karriereende, die Entwicklung in seinem Sport, Freundschaften auf dem Eis und sein letztes sportliches Ziel.

Die 1000er Marke in der Deutschen Eishockey-Liga wird Christoph Ullmann nicht mehr knacken. Am Sonntag verkündete der Panther-Stürmer sein Karriereende nach dieser Saison. Aktuell steht der Stürmer bei 907 DEL-Einsätzen. Noch 26 Punktspiele und eventuell Play-offs sind möglich und ob Ullmann in jeder Partie im Kader steht, ist offen.

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Ob der 36-Jährige im AEV-Kader für das Spiel am Mittwoch (19.30 Uhr, Curt-Frenzel-Stadion) gegen den ERC Ingolstadt steht, wollte Trainer Tray Tuomie nicht verraten. Fest steht, das der 155-fache Nationalspieler nach dieser Saison die Schlittschuhe in die Ecke stellt und zwar endgültig, wie er verrät. Ullmann äußerte sich im Gespräch über weitere Themen wie ...

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Christoph Ullmann: "Wenn es am schönsten ist, soll man gehen"

... die Gründe für den Abschied:

Der Weihnachtswunsch seiner beiden Kinder Lenox und Lena per Skype, dass der Papa wieder nach Hause kommt, war nur der letzte Impuls, die Entscheidung jetzt bekannt zu geben. "Das Thema Rücktritt war bereits im Sommer ein Gesprächsthema bei uns zu Hause. Das war auch bedingt durch den harten Check in Düsseldorf." Zur Erinnerung: Nach einer rüden Attacke des DEG-Spielers John Henrion knallte der Augsburger Stürmer Christoph Ullmann mit dem Kopf in die Bande. Der 35-Jährige verschluckte auf dem Eis liegend seine Zunge, war acht Minuten lang bewusstlos und drohte zu ersticken.

Der Mannschaftsarzt der Düsseldorfer rettete dem AEV-Spieler das Leben, indem er auf die Spielfläche eilte und die Zunge wieder nach vorne holte. Ullmanns Frau und Kinder saßen zu Hause in Mannheim vor dem Fernseher und bangten um ihren Mann und Vater. "Der Unfall hat in den Überlegungen eine Rolle gespielt. Aber ganz entscheidend ist die Entfernung nach Mannheim. Ich sehe meine Familie im Alltag zu selten. Außerdem bin ich im Spätherbst meiner Karriere." Bevor ein anderer ihm die Entscheidung abnimmt– ob es die Vereinsverantwortlichen sind, der Trainer oder im schlimmsten Fall der Teamarzt, dann will Ullmann lieber selbst den Schlussstrich ziehen: "Wenn es am schönsten ist, soll man gehen. Ich habe jeden Tag noch Spaß und mir tut nichts weh. Aber ich habe entschieden, dass ich wieder nach Hause zurückwill."

Hört nach weit über 900 Spielen in der Deutschen Eishockey Liga auf: Christoph Ullmann.
Bild: Stefan Puchner, dpa

... die schlimmsten Verletzungen:

Neben dem Düsseldorf-Unfall hatte sich Ullmann das Kreuzband (2013) am Knie gerissen, ebenso das Innenband (2009). "Das waren langwierige Prozesse. Vor allem hat es gedauert, bis ich das Vertrauen in meinen Körper, in das Knie wieder hatte." Tiefpunkte gehören für den Stürmer jedoch genauso zur Karriere wie seine drei deutschen Meistertitel mit Mannheim (2) und den Kölner Haien (1).

... prägende Trainer:

"Als jungen Spieler hat mich Hans Zach geformt, auch wenn es da manchmal etwas lauter zur Sache ging. Aber Zach hat mich zum ersten Mal in die Nationalmannschaft geholt und ich habe mein erstes Länderspiel gemacht." Bleibenden Eindruck habe auch der Mannheimer Meistertrainer Geoff Ward hinterlassen, oder auch der aktuelle Düsseldorfer Trainer Harold Kreis, der in Mannheim lange mit Ullmann arbeitete. "Nicht zuletzt war Bundestrainer Uwe Krupp mit der erfolgreichen Heim-WM 2010 eine prägende Figur im deutschen Eishockey und für mich."

... unerfüllte sportliche Träume:

"Ich bin kein Mensch, der sich mit Kleinigkeiten zufriedengibt, ich möchte immer das Maximum aus mir und meinem Körper herausholen. Ich wollte immer mal bei den großen Klubs spielen und in der Nationalmannschaft Erfolg haben. Ich denke, das ist mir gelungen."

... über seine ersten Schritte auf dem Eis:

"Mein Vater stammt aus der ehemaligen Tschechoslowakei und hat selbst beim EHC Waldkraiburg gespielt, dort habe auch ich angefangen." Seine Mutter hat ihm das Schlittschuhlaufen beigebracht. Ullmanns Sohn Lenox spielt ebenfalls Eishockey. "Jetzt schließt sich der Kreis."

... die Entwicklung im deutschen Eishockey:

Der Sport habe sich auf allen Ebenen positiv entwickelt. Jedes DEL-Spiel kann inzwischen im Fernsehen oder Internet live verfolgt werden. "Auch die Stadien haben sich extrem verbessert. Ich kenne noch das alte Curt-Frenzel-Stadion – saukalt und kein Vergleich mit den Bedingungen von heute." Das allerwichtigste jedoch ist, dass das Spiel extrem an Tempo gewonnen hat. "Die Profis sind athletischer geworden. Jeder ist topfit, wenn er im August in die Saison startet und ist so austrainiert, dass er 52 Punktspiele marschieren und in den Play-offs noch einen oben draufsetzen kann." Zu seinen Anfangszeiten war das anders: "Da waren zwei Sturmreihen richtig gut. Die dritte und vierte Reihe waren reine Zerstörer." Jeder Klub hat inzwischen einen Athletiktrainer. "Früher haben wir zum Aufwärmen vor dem Spiel einen Kaffee getrunken, heute spult jeder ein intensives Programm ab."

... gute Eishockey-Freunde:

Mit den Münchnern Yanik Seidenberg und Torwart Danny aus den Birken hält Ullmann engen Kontakt, die Familien besuchen sich gegenseitig. Auch Florian Kettemer von den Eisbären Berlin oder der jüngst bei den Mannheimern ausgemusterte Markus Kink zählen zu den Freunden aus gemeinsamen Hockey-Zeiten. "Außerdem durfte ich eine türkische Hochzeit mit Sinan Akdag erleben und war auch bei Moritz Müller dabei, als er geheiratet hat."

... das letzte sportliche Ziel mit den Augsburger Panthern:

"In erster Linie will ich gesund bleiben. Auf unsere jüngsten Auftritte gegen Köln, Iserlohn und München können wir aufbauen. Noch einmal Play-off-Luft schnuppern, wäre etwas ganz Feines."

... seine berufliche Zukunft:

"Ich werde in Mannheim mit jüngeren Spielern zusammenarbeiten, man wird mich weiterhin in den Eishallen antreffen, aber vermutlich nicht als Trainer. Ich werde meine Schlittschuhe nicht mehr brauchen."

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