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Augsburger Panther

30.01.2020

Curt Frenzel – ein Glücksfall für den Augsburger EV

Curt Frenzel (links) mit (von links) Verteidiger Paul Ambros, AEV-Funktionär Otto Heusler und dem damaligen Sportreferenten und späteren Oberbürgermeister Hans Breuer.
Bild: Robert Deininger

Plus Die Augsburger Panther treten zu einem besonderen Termin in München an, am 50. Todestag von Curt Frenzel. Der Ehrenpräsident kaufte das Eishockeyteam des FC Bayern.

München gegen Augsburg, das ewig junge Eishockey-Derby steht am Donnerstag im DEL-Spielplan und zwar an einem besonderen Tag für den Augsburger Eishockey-Klub. Der 30. Januar 2020 ist zugleich der 50. Todestag von Curt Frenzel. Am 30. Januar 1970 starb der Gründer der Augsburger Allgemeine und sein Name ist untrennbar mit dem Eissport in Augsburg verknüpft. Das städtische Eisstadion trägt bis heute den Namen des Unternehmers.

Die Geschichte des Augsburger EV aus dem letztendlich die Profis der Panther hervorgegangen sind, ist eng verknüpft mit dem Engagement des Förderers und ehemaligen Präsidenten, der den AEV von 1963 bis zu seinem Tod 1970 führte. Ernst Köpf stürmte damals für den Bundesligisten und war zugleich Angestellter der Augsburger Allgemeinen. Abmachungen wurden teilweise mündlich getroffen.

"Herr Frenzel hat ja eigentlich alles gezahlt"

Curt Frenzel war ein großzügiger Präsident. "Man muss sich vorstellen, dass es damals keine Verträge gab. Das lief alles per Handschlag. Das Geld hat dann Herr Frenzel selbst gezahlt, er hat ja eigentlich alles gezahlt."

Nach besonders guten Auftritten öffnete der Unternehmer seine Privatschatulle großzügig. "In einem Jahr habe ich so gut gespielt, dass er mir das Doppelte von dem gezahlt hat, was ausgemacht war", erinnert sich Ernst "Gori" Köpf, der zur legendären Olympiamannschaft zählte, die 1976 in Innsbruck Bronze gewann. Umgekehrt war es ratsam nach Pleiten die Füße still zu halten, denn der Chef war – gelinde gesagt – verstimmt.

Curt Frenzel war mehr als nur Klubchef

Unterirdisch muss die Stimmung nach einer 1:11-Pleite beim EV Füssen gewesen sein. "Beim gemeinsamen Essen hat er uns dann schon deutlich gesagt, was er von unserer Leistung gehalten hat." Umgekehrt gewährte der Verleger seinem Angestellten Köpf nach dem ersten AEV-Sieg in Bad Tölz ein paar Tage Sonderurlaub.

Curt Frenzel – ein Glücksfall für den Augsburger EV
22 Bilder
Curt Frenzel und die Gründung der Augsburger Allgemeinen
Bild: Archiv Augsburger Allgemeine

Doch der Unternehmer war mehr als nur der Klubchef hinter dem damaligen Trainer Xaver Unsinn (1929 – 2012). Er kümmerte sich um seine Spieler, als wären es seine Söhne. Der bald 80 Jahre alte Ernst Köpf, der in Füssen lebt und sich bester Gesundheit erfreut, erinnert sich: "Curt Frenzel war wie ein Vater für mich. Er war später auch mein Trauzeuge. Ich habe geheult wie ein Schlosshund, als er gestorben ist."

Ohne Frenzel hätte es kein Eishockey gegeben

Als der Verleger am 12. September 1962 zum 1. Vorsitzenden des AERV (Augsburger Eis- und Rollsport-Verein) gewählt worden ist, hatte der Klub 62 Mitglieder, 15.000 Mark Verbindlichkeiten und spielte in der vierten Liga. Unter Frenzel wurde der AERV sofort auf den traditionellen Namen AEV umbenannt. Als der Verleger starb, spielte der Klub mit einer starken Mannschaft in der Bundesliga, zählte 2300 Mitglieder und wies ein Guthaben von 200.000 Mark auf.

"Ohne Curt Frenzel hätte es damals kein Eishockey in Augsburg gegeben. Es hätte auch das Stadion nicht gegeben", sagt Köpf Senior. Die Überdachung des Stadions, das seinen Namen trägt, hat der Unternehmer auf den Weg gebracht. Die Hebauffeier erlebte der Klubchef nicht mehr.

Mehr als nur ein sportliches Duell

Die kühne Spannbeton-Konstruktion ist mittlerweile unter der 2013 errichteten Einhausung des Stadions fast verschwunden. Das Duell am 42. Spieltag der Deutschen Eishockey-Liga ist nicht nur der Vergleich zwischen dem mit österreichischen Brause-Millionen gepäppelten Red-Bull-Klub aus der Landeshauptstadt und dem ältesten Eislaufverein Deutschlands, der 1878 gegründet worden ist. Mit dem AEV-Gegner ist eine Episode aus dem Wirken des geschäftstüchtigen Klubchefs eng verknüpft. Salopp gesagt: Curt Frenzel hat den Münchnern das Eishockey abgekauft und zwar dem FC Bayern.

Klubchef Frenzel pickt sich die Rosinen raus

Ende der 60er Jahre des vergangenen Jahrhunderts wollte sich der damalige Bayern-Manager Robert Schwan von der zu teuren Eishockey-Abteilung trennen. Frenzel kaufte nach zähen Verhandlungen die komplette Bayern-Mannschaft für 135.000 Mark, inklusive Ausrüstung. Der Klubchef pickte sich die Rosinen wie Leonhard Waitl, Georg Kink, Peter Maus und Michael Mauer aus dem FCB-Kuchen heraus und verkaufte den Rest des Teams weiter. Große Erfolge stellten sich bald ein.

Hören Sie sich dazu auch unseren Podcast mit vier Top-Sportlern an. Mit dabei ist unter anderem AEV-Spieler Simon Sezemsky:

Lesen Sie dazu auch unsere große Würdigung zum 50. Todestag von Curt Frenzel: Was würde Curt Frenzel heute sagen – und schreiben?

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