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Augsburger Panther

20.01.2020

Das sagt Schiedsrichter-Boss Brüggemann zum nicht gegebenen AEV-Tor

Eishockey ist ein rauer Sport. Das gilt auch für die Schiedsrichter, die sich oft mit vollem Körpereinsatz ins Getümmel stürzen müssen.
Bild: Uwe Anspach, dpa

Plus Die Unparteiischen in der DEL werden derzeit häufig kritisiert. Auch im Spiel der Augsburger Panther gegen Mannheim gab es eine höchst strittige Szene.

Es war eine Schlüsselszene des Gastspiels der Augsburger Panther am Sonntag in Mannheim. Beim Stande von 0:2 verwehrte Schiedsrichter Marc Iwert dem Anschlusstreffer die Anerkennung. Er hatte den Puck schon in den Fängen des Adler-Torwarts Dennis Endras gewähnt. War er aber nicht. Stattdessen lag die Scheibe frei im Torraum, von wo sie Patrick McNeill über die Linie bugsierte. Zurücknehmen konnte Iwert seine Fehlentscheidung nicht mehr. Es blieb beim 0:2, das Spiel endete 0:4.

Am Ende der Drittelpause hatte Panther-Trainer Tray Tuomie ein kurzes Gespräch mit dem Schiedsrichter. Über den Inhalt wollte Tuomie nichts sagen, nur so viel: "Jeder hat ja gesehen, was passiert ist." Höchstwahrscheinlich dürfte auch Iwert schnell bewusst geworden sein, dass er mit seinem Pfiff daneben gelegen war. Genauso wie etwas mehr als eine Minute zuvor, als das Schiedsrichtergespann eine rätselhafte Strafe gegen Mannheims David Wolf verhängt hatte.

Die Fehler der DEL-Schiedsrichter häuften sich in den vergangenen Wochen

In dieser Häufung ist es eher selten, dass die Schiedsrichter Fehlentscheidungen treffen. In den vergangenen Wochen hat es in der Deutschen Eishockey Liga aber gleich mehrere Szenen gegeben, die auch bei neutralen Beobachtern Kopfschütteln verursachten. Manchem drängt sich gar der Verdacht auf, es könnte ein Qualitätsproblem im Schiedsrichterwesen geben.

Das sagt Schiedsrichter-Boss Brüggemann zum nicht gegebenen AEV-Tor

Anfang des Jahres war zum Beispiel Nürnbergs Trainer Kurt Kleinendorst der Kragen geplatzt. Nach einer Niederlage gegen Iserlohn setzte er zu einer generellen Kritik an den Unparteiischen an. Auslöser waren eine zweifelhafte Strafe gegen Chad Bassen, die seiner Mannschaft eine vierminütige Unterzahl bescherte, und eine gebrochene Hand von Oliver Mebus. Letzteren hatte Michael Halmo von hinten gecheckt, was ungeahndet blieb. "Die Spielleitung in dieser Liga ist entsetzlich, und sie muss besser werden. Punkt. Das Niveau beginnt mich zu frustrieren", zitierten die Nürnberger Nachrichten Kleinendorst.

Damals entschuldigten sich die Schiedsrichter Fynn-Marek Falten und Marc Iwert bei dem Nürnberger Trainer. Der wusste das zwar zu schätzen, bemängelte aber ganz grundsätzlich, dass eine einheitliche Linie fehle. In der nordamerikanischen NHL oder AHL sei eben diese vorgegeben und jeder Schiedsrichter pfeife danach. In der DEL dagegen hätten viele ihre ganz eigene Linie – oder manchmal gar keine. Kleinendorst: "Ich frage mich, wie man den Jungs helfen kann. Ich sehe da überhaupt keine Fortschritte."

Zuletzt hatte ein Protest der Adler Mannheim Erfolg

Kürzlich ahndete die DEL ein Foul sogar nachträglich, das während des Spiels keine Beachtung seitens der Schiedsrichter gefunden hatte. Kölns Taylor Aronson hatte dem Mannheimer Tommi Huhtala seinen Schläger an den Kopf gerammt. Er wollte eine vorhergegangene Attacke gegen Haie-Torwart Gustaf Wesslau persönlich ahnden. Die Unparteiischen Sirko Hunnius und Aleksi Rantala übersahen diesen Akt von Selbstjustiz. Mannheim legte im Nachgang Protest ein. Der Disziplinarausschuss der DEL wurde aktiv, sperrte Aronson für ein Spiel und verhängte eine Geldstrafe.

Lars Brüggemann ist in der DEL für das Schiedsrichterwesen zuständig.
Bild: Marius Becker, dpa

Brüggemann: "Er wusste sofort, dass das falsch war"

Bei der DEL ist Lars Brüggemann für das Schiedsrichterwesen zuständig. Am Montag war er damit beschäftigt, das Wochenende aufzuarbeiten. Auch die Szene in Mannheim nahm er unter die Lupe. "Das ist natürlich das Worst-Case-Szenario für einen Schiedsrichter", sagte Brüggemann. "Er wusste sofort, dass das falsch war, aber er konnte den Pfiff nicht mehr zurücknehmen. Es war ein gutes Tor und es hat nicht gezählt – das braucht man nicht schönzureden." In Szenen wie diesen gehe es darum, den richtigen Zeitpunkt abzupassen, das Spiel zu unterbrechen – das sei nicht gelungen. "Jeder Schiedsrichter kennt diese Situation, ich auch. Da fühlst du dich alles andere als gut, denn das war definitiv ein Fehler."

In dem kurzen Gespräch mit Tuomie nach der zweiten Drittelpause habe Iwert die Szene aufgeklärt. Brüggemann. "Das ist kein angenehmes Gespräch. Aber die Jungs sind offen und ehrlich und haben das auch so gesagt."

Grundsätzlich seien die Schiedsrichter in der DEL aber deutlich besser als ihr Ruf. Mit Blick auf die Gesamtzahl der Spiele sei die Anzahl der strittigen Entscheidungen gering. "Trotzdem ist es definitiv so, dass es immer wieder diskutable Szenen gibt. Die werden von uns angesprochen und wir coachen die Schiedsrichter, dass es besser wird."

Es sei jedoch das Los seiner Gilde, dass eine einzige falsche Entscheidung die vielen richtigen übertöne, sagt Brüggemann. "Schiedsrichter sind aber eben nicht auf dem Eis, um 59 Minuten gut zu pfeifen, sondern 60 Minuten. Daran arbeiten wir jeden Tag."

Lesen Sie dazu den Kommentar: Die Kritik an Schiedsrichtern lenkt von eigenen Fehlern ab

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