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Augsburger Panther

17.12.2020

Zwei Meisterschaftsfavoriten und ein Chaos-Klub: Das sind die AEV-Gegner

Der EHC Red Bull München hat das DEL-Vorbereitungsturnier gewonnen.
Bild: Matthias Balk/dpa

Die Panther-Gegner: Der Weg zum Titel führt über Mannheim und München, Köln sucht mit Krupp den Weg aus der Krise und um einen Standort macht sich die Liga Sorgen.

Mit einem neuen Modus startet die Deutsche Eishockey-Liga in die "Rumpfsaison", wie es Panther-Prokurist Leonardo Conti nennt. Der Grund: Wegen der Corona-Pandemie beginnt die Eliteklasse erst kurz vor Weihnachten. Im Mai soll die Weltmeisterschaft in Lettland und Belarus beginnen.

Hinter der Austragung steht allerdings noch mehr als ein Fragezeichen. Das Turnier wackelt angesichts der Corona-Krise und wegen der Massenproteste in Belarus gegen Staatspräsident Lukaschenko. Doch Anfang Mai soll in der DEL Schluss sein und bis dahin ließen sich die gewohnten 52 Vorrundenspielen inklusive Play-off-Runden im best-of-seven-Format nicht unterbringen.

Deshalb teilten die Spielplangestalter (in dieser DEL-Kommission waren die Panther mit Pressesprecher Stefan Esch vertreten) die Liga in eine Nord- und eine Südgruppe. An den Kräfteverhältnissen hat sich nicht viel geändert. München, Mannheim und Berlin zählen zu den bekannten Favoriten auf den Meistertitel. Aber es gibt auch Klubs, denen eine Überraschung zugetraut werden kann.

Der EHC Red Bull München gehört zu den Meisterschaftsfavoriten.
Bild: Matthias Balk/dpa

EHC Red Bull München

Vier Torhüter, acht Verteidiger und 15 Stürmer stehen im Premiumkader des EHC. Als Tabellenerster hatten die Münchner die vergangene Saison beendet und galten als erster Titelanwärter, bevor die Corona-Pandemie die Play-offs vom einen auf den anderen Tag stoppte. Den angebotenen Deutschen Meistertitel als Vorrunden-Primus schlugen die Oberbayern aus. In der neuen Saison, in jeder Saison, peilt das Team um Meistertrainer Don Jackson nichts weniger als den Titel an. Denn nichts weniger als die Meisterschaft ist in der Millionen-Metropole mit der übermächtigen Fußball-Konkurrenz des FC Bayern, der Löwen oder den Bayern-Basketballern zu verkaufen. Noch spielt die Mannschaft in der veralteten Olympia-Eishalle aus dem Jahr 1967. Doch schon wird in der Nähe fleißig gebaut. Der SAP Garden mit vier, zur Wiederholung: vier - Eisflächen soll im Sommer 2022 eröffnen. Den Garden wird sich der EHC mit den Basketballern des FC Bayern als Spielstätte teilen. Die EHC-Mannschaft ist gespickt mit Nationalspielern wie Torwart Danny aus den Birken, Patrick Hager, Yasin Ehliz oder Yannic Seidenberg. Selbstverständlich blieb Torjäger (28 Saisontreffer) und Ex-Panther Trevor Parkes im Kader. Ebenso die Topscorer Mark Voakes (48 Punkte) oder Chris Bourque.

Prognose: Der Titel führt nur über München. Alles andere als ein Finaleinzug wird in der bayerischen Hauptstadt als Enttäuschung empfunden.

Bleibt Trainer bei den Straubing Tigers: Tom Pokel.
Bild: Lino Mirgeler/dpa

Straubing Tigers

Man muss die als stur geltenden Niederbayern nicht unbedingt mögen. Doch in der vergangenen Saison spielten die Tigers eine ähnliche Rolle wie die Panther in der Spielzeit 2018/19. Damals zog die noch von Mike Stewart gecoachte Mannschaft als Dritter in die Play-offs ein, spielte eine begeisternde Finalrunde und qualifizierte sich als Sahnehäubchen auch noch für die Champions Hockey League. Im März 2020 beendete Straubing hinter München und Mannheim als Dritter die Saison und alle freuten sich auf die beste Zeit des Jahres.

Doch die Corona-Krise traf die Mannschaft von Tom Pokel mit voller Wucht: Play-offs abgebrochen, CHL-Saison 2020/21 frühzeitig abgesagt. Schlimmer gehts nimmer. Sportlich ist der Mannschaft wieder eine ähnliche Rolle zuzutrauen, denn der Kader blieb nahezu komplett. Einzig der Abgang von Torwart Jeff Zatkoff ist ein großer Verlust. Mit Neuzugang Mat Robson und Sebastian Vogl sind die Tigers aber auch auf der wichtigsten Eishockey-Position stark besetzt.

Prognose: Die Niederbayern schaffen es sicher in die Play-offs, aber ein eingespieltes Team ist keine Garantie für einen erneuten Höhenflug.

ERCI-Sportdirektor Larry Mitchell.
Bild: Johannes Traub

ERC Ingolstadt

Im Sommer hatten die Panther aus Oberbayern praktisch keine Mannschaft. Nach einer durchwachsenen Saison (Platz sieben) wollte Sportmanager Larry Mitchell den Kader kräftig umkrempeln. Angesichts der langen Corona-Pause und der Ungewissheit steckten die Schanzer in gar keiner so misslichen Lage – Personal, das nicht unter Vertrag steht, muss man nicht bezahlen. Der ehemalige Augsburger Vize-Meistertrainer Mitchell hat gezockt und erst in den vergangenen zwei Wochen zugeschlagen. Angesichts des großen Angebots auf dem amerikanischen Markt sammelte Mitchell ein Gubi-Team – gut und billig. Das sei einer der günstigsten und zugleich besten Kader, den er je zusammenstellen konnte. Herausragende Profis sind Verteidiger Morgan Ellis und im Sturm Daniel Pietta (aus Krefeld – allerdings nach seiner "Affen-Geste" aus dem Straubing-Testspiel für neun Partien gesperrt), Petrus Palmu (Finnland) oder der Kanadier Louis Marc Aubry aus Berlin.

Prognose: Nur wenn sich der eiligst zusammengeworfene Haufen schnell als Mannschaft findet, sind die Play-offs drin.

Steht künftig für die Nürnberg Ice Tigers auf dem Eis: Luke Adam (l).
Bild: Andreas Gora/dpa

Nürnberg Ice Tigers

Nach dem Ausstieg des einstigen Namensgebers und Schmuckdesigners Thomas Sabo können sich die Franken nicht mehr die teuersten Klunker leisten. Im Vergleich zu den Vorjahren finden sich weniger namhafte Spieler im Kader, der mit 15 Neuzugängen komplett sein Gesicht verändert hat.

Silbermedaillengewinner Patrick Reimer ist zwar noch da, aber mit 38 Jahren im Herbst seiner Karriere. Seine Laufbahn will der gebürtige Mindelheimer in der DEL beenden, vielleicht gibt der Außenstürmer mit der fulminanten Direktabnahme bereits seine Abschiedstour. Mit Frank Fischöder, dem einstigen Trainer der Jungadler Mannheim, wagt Nürnberg das größte Experiment hinter der Bande. Kann gut gehen wie mit Thomas Popiesch seit Jahren in Bremerhaven. Oft genug jedoch hat ein deutscher Coach keinen Draht zum überwiegend nordamerikanischen Personal gefunden. Neuzugang Daniel Schmölz aus Augsburg hätten die AEV-Fans gerne weiter im Panther-Dress gesehen - ein robuster und technisch versierter Stürmer, der jeden DEL-Klub ziert.

Prognose: Im Tor steht mit Niklas Treutle zwar ein Keeper mit Länderspiel-Erfahrung, aber die Nürnberger verpassen die Play-offs.

Auch die Adler Mannheim gehören wieder zu den Meisterschaftsanwärtern.
Bild: Uwe Anspach/dpa

Adler Mannheim

Mannheim ist als Eishockey-Standort in Deutschland das Maß der Dinge. Im Tor ist Ex-Panther Dennis Endras, der in Augsburg sein Wohnhaus für die Zeit nach der Karriere herrichtet, eine Bank. In der Abwehr stehen Topkräfte wie der Kroate Mark Katic, Joonas Lehtivuori oder Nationalspieler Sinan Akdag. Im Sturm verleihen Profis wie der Kanadier Brendan Shinnimin (kam von Växjö aus Schweden), der Finne Tommi Huhtala oder die torgefährlichen Nationalstürmer Markus Eisenschmid oder Stefan Loibl (aus Straubing) den Adlern Flügel. Pavel Gross ist der derzeit beste DEL-Trainer. Für Verwunderung sorgte Gross mit einer Wortmeldung vor wenigen Wochen. Der Trainer kritisierte das Verhalten der Liga in der Corona-Krise, die mangelnde Transparenz und die späte Entscheidung über den Saisonstart: "Was hätte man machen können, um vielleicht ein bisschen mehr Geld für die Liga zu generieren – was wurde da vonseiten der Liga gemacht?" Dafür setzte es einen öffentlichen Rüffel von Adler-Boss Daniel Hopp.

Prognose: Alles andere als der Meistertitel wäre eine Enttäuschung in Mannheim.

Übernehmen bei den Schwenninger Wild Wings: Niklas Sundblad (r) und Petri Liimatainen.
Bild: Andreas Gebert/dpa

Schwenninger Wild Wings

Mit dem schwedischen Weg wollen die Schwäne endlich den DEL-Tabellenkeller verlassen. Als Headcoach gibt Niklas Sundblad die Kommandos. Sein Assistent ist der in Augsburg bestens bekannte Gunnar Leidborg. Der ehemalige schwedische Torwart führte die Augsburger Panther zum Aufstieg in die DEL. Zwischen 1991 und 1995 sowie in der Spielzeit 1998/99 arbeitete der 65-Jährige im Curt-Frenzel-Stadion. Der ehemalige Düsseldorfer Christoph Kreuzer als neuer Sportdirektor stellte das Team mit zehn Neuzugängen zusammen. Im Magentasport-Cup überraschte Schwenningen mit starken Leistungen, unter anderem ein 7:2 gegen Berlin. Wegen positiver Corona-Fälle musste die Mannschaft jedoch zwischenzeitlich in Quarantäne.

Prognose: Dieses Jahr sind die Play-offs drin.

Die Eisbären Berlin gehören in der Nord-Gruppe der DEL zu den stärksten Teams.
Bild: Oliver Mehlis/dpa-Zentralbild/dpa

Eisbären Berlin

Berlin zählt mit seinen optimalen Möglichkeiten immer zu den Spitzenteams. Außer man greift bei den Torhütern daneben. Deshalb holte Sportdirektor Richer aus Düsseldorf den überragenden Nationaltorhüter Mathias Niederberger. Stürmer Parker Tuomie, Sohn von AEV-Coach Tray Tuomie, wechselte von der Minnesota State University in die Hauptstadt. Aber der vielleicht spektakulärste Transfer: Torjäger Matt White. Der Amerikaner, von dem die Panther-Fans noch heute schwärmen, kam vom lettischen Klub Dinamo Riga (KHL). In Augsburg erzielte der trickreiche Außen zwischen 2017 und 2019 insgesamt 100 Punkte (42 Tore/58 Vorlagen in 116 Partien).

Prognose: Berlin ist ein sicherer Play-off-Kandidat und kann mit ein wenig Glück sogar um den Titel spielen.

Uwe Krupp, Trainer der Kölner Haie.
Bild: Roberto Pfeil/dpa

Kölner Haie

Kaum zu glauben: Der DEL-Standort mit der größten Halle (Lanxess Arena: 18500 Zuschauer) wollte ebenso wie die Augsburger Panther einen Start ohne Zuschauer im Magentasport-Cup nicht wagen und ließ seine Mannschaft lange in Kurzarbeit. Kapitän Moritz Müller überbrückte wie etliche andere DEL-Profis bei einem Zweitligisten, nämlich in Kassel, die Pause. Jetzt ist der Kapitän wieder zurück in der Domstadt. Nach 17 Niederlagen in einer total verkorksten Saison, die in der Entlassung der sportlichen Leitung mit Trainer Mike Stewart und Manager Mark Mahon gipfelte, kann es nur aufwärts gehen. Seltsam und für das Team eher peinlich: Im ersten Spiel unter Nachfolger Uwe Krupp zeigte sich die KEC-Truppe wie verwandelt und siegte 5:0 gegen Wolfsburg. Selbst die Haie-Fans quittierten das mit höhnischen Kommentaren.

Prognose: Die größten Haie-Probleme standen zuletzt im Tor. Doch mit dem 34-jährigen Kanadier Justin Pogge (aus Berlin) geht man auf der Torhüterposition wieder ein Wagnis ein.

Iserlohn Roosters

Nach zwei 13. und vorletzten Plätzen in den vergangenen beiden Spielzeiten suchen die Roosters den Weg aus der sportlichen Krise. In der Kaderzusammenstellung griff man zuletzt zu oft daneben. Mit dem Schweizer Janick Schwendner hofft Sportdirektor Christian Hommel auf mehr Stabilität auf der Torwartposition.

Prognose: Die Roosters schaffen nur dann den Sprung aus dem DEL-Keller, wenn Schwendner überzeugt.

Die Spieler der Düsseldorfer EG.
Bild: Rolf Vennenbernd/dpa

Düsseldorfer EG

Die wichtigste Frage in der Rumpfsaison 2020/2021 wird sein, ob der aus Mannheim geholte Schlussmann Mirko Pantkowski den nach Berlin abgewanderten Mathias Niederberger gleichwertig ersetzen kann. Die DEG geht weiter den skandinavischen Weg, prominentester Neuzugang ist Stürmer Mathias From von MODO Hockey aus Schweden. In der Saisonvorbereitung hinterließ die ansonsten mit vier Neuzugängen nur behutsam veränderte Mannschaft einen guten Eindruck. Dafür verantwortlich ist immer noch Harold Kreis, einer der besten DEL-Trainer.

Prognose: Die Play-offs sollten für den letztjährigen Tabellenfünften drin sein.

Die Krefeld Pinguine.
Bild: Andreas Gora/dpa

Krefeld Pinguine

Seit Wochen liefert der KEV Schlagzeilen, allerdings keine positiven. Nach dem Wechsel an der Klubspitze geht es an einem der traditionsreichsten Standorte Deutschlands drunter und drüber. Nach dem Saisonende 2020 verabschiedeten sich alle Gesellschafter und der bis dahin in Eishockeykreisen unbekannte Investor Stefano Ansaldi übernahm die DEL-Anteile. Der neue Klubchef tauchte nie in Krefeld auf, gab auch keine Interviews. Spieler, Fans und Experten wunderten sich, warum ein Schweizer Investor in einen defizitären Klub ohne Bezug zur Stadt investiert. Bis heute. Zuerst jagte der neue Chef das KEV-Urgestein Daniel Pietta vom Hof. Der Nationalspieler war wegen seines langfristigen Vertrages angeblich zu teuer. Dafür standen zwischenzeitlich 21 (!) Stürmer im Aufgebot. Verteidiger Wade Bergman war aus Wolfsburg geholt worden. Doch nachdem Trainer Glen Hanlon Ende November fluchtartig den Klub verließ, wechselte Bergman nach Augsburg. Die Liga ist in Sorge um den Standort.

Prognose: Schwierig, Krefeld ist eine Wundertüte. Unter dem neuen Trainer Mihails Savarinskis kehrte ein wenig Ruhe ein.

Hat bei den Grizzlys Wolfsburg Rückhalt für seine Arbeit: Trainer Pat Cortina.
Bild: Sven Hoppe/dpa

Grizzlys Wolfsburg

Die Corona-Krise lässt wenig Raum für Scherze, doch diesen Spruch musste sich Karl-Heinz Fliegauf im vergangenen Sommer gefallen lassen: Wenn sich ein Klub Geisterspiele leisten kann, dann die Grizzlys – die spielen schon immer unter Ausschluss der Öffentlichkeit.

Der Geschäftsführer und frühere AEV-Kapitän lächelt solche Sprüche souverän weg. Der 60-jährige Peitinger ist neben seinem Lehrmeister Lothar Sigl aus Augsburg einer der erfahrensten DEL-Manager. Seit Jahren stellt Fliegauf dank großzügiger Volkswagen-Unterstützung ein starkes Team und damit ein kurzweiliges Unterhaltungs-Programm für die Schichtarbeiter des Autokonzerns zusammen. Zwar steigerten die Niedersachsen ihren Besucherschnitt um 73 auf 2888. Doch bildet Wolfsburg in der Zuschauer-Statistik immer noch das Schlusslicht hinter Schwenningen (3839) und Ingolstadt (4039).

Prognose: Trainer Pat Cortina formt wieder ein Team mit Play-off-Ambitionen.

Die Fishtown Pinguins Bremerhaven.
Bild: Rolf Vennenbernd/dpa

Pinguins Bremerhaven

Jahr für Jahr picken sich die DEL-Platzhirsche eine Rosine aus dem Bremerhavener Kuchen. Doch hoch im Norden verstehen zwei Fachmänner ihr Geschäft: Teammanager Alfred Prey und Trainer Thomas Popiesch stellen immer wieder aus unbekannten Nordamerikanern eine überdurchschnittliche Truppe zusammen. Dass es die deutsche Staatsbürgerschaft in Bremerhaven bei Karstadt zu kaufen gibt – geschenkt.

Prognose: Die Pinguine sind wieder eine Bereicherung.

Dieser Artikel ist Teil unserer Beilage zur DEL-Saison 2020/21, die am 17. Dezember in den Lokalausgaben Augsburg, Augsburg-Land, Aichach, Friedberg und Schwabmünchen kostenlos der Zeitung beiliegen wird.

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