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Eishockey
14.01.2022

DEL-Chef Arnold zu Corona: "Es wird große finanzielle Löcher geben"

Keine oder nur wenig Zuschauer, Chaos im Spielplan: Die Sorgen in der DEL werden immer größer.
Foto: Ulrich Wagner

Exklusiv Der Aufsichtsratsvorsitzende der DEL spricht über das Corona-Chaos im Spielplan, wirtschaftliche Nöte der Klubs und die Abstiegsregelung.

Herr Arnold, vor der DEL-Saison 2020/2021 wussten Spieler und Vereine, was auf sie zukommt: Gehaltsverzicht, keine Zuschauer, kein Absteiger. In diese Spielzeit wurde mit Corona-Klauseln in den Verträgen, Fans auf den Rängen und der Rückkehr zum Abstieg gestartet. Mittlerweile gibt es wieder Geisterspiele sowie zahlreiche Spielausfälle. Ist die Situation für die Liga und Klubs in der vergangenen oder aktuelle Saison prekärer?

Arnold: Grundsätzlich ist sie in dieser Saison schwieriger. In der vergangenen Saison waren uns ja die Rahmenbedingungen und Voraussetzungen von Anfang an bekannt. Unter anderem gab es ja vonseiten der Liga bestimmte Vorgaben an die Klubs, die von diesen teilweise noch ausgeweitet wurden (Gehaltsverzicht, Anm. d. Red.), um überhaupt starten zu können. Heuer hatten wir hingegen eine ganz andere Situation. Es war klar, dass wir wieder vor Zuschauer spielen können – wenn auch weniger wie vor Corona-Zeiten. Sprich: Die Vereine konnten damit rechnen, wichtige Einnahmen zu generieren. Dennoch haben wir im Vorfeld der Saison die Klubs angehalten, entsprechende Klauseln in den Verträgen zu hinterlegen, um auf erneute Krisen-Situationen vorbereitet zu sein.

Wurde dies von allen Klubs entsprechend umgesetzt?

Arnold: Ich kenne die genauen Klauseln der einzelnen Vereine nicht. Dennoch hoffe ich natürlich, dass sie dazu beitragen, die jetzigen Verluste, welche ohne die Zuschauer-Einnahmen entstehen, zumindest ein Stück weit auszugleichen. Den restlichen Teil werden wohl neben den Sponsoren und Fans, die – wie ich gehört habe – an vielen Standorten beispielsweise auf die Rückzahlung ihrer Dauerkarten verzichten, die Gesellschafter übernehmen müssen.

Können die Klubs wie in der vergangenen Saison zusätzlich auf Staatshilfen zurückgreifen?

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Arnold: Auch hier ist die Situation sicherlich eine andere. Im Vorfeld der Spielzeit 2020/2021 wussten die Vereine, dass es eine vernünftige Ausgleichszahlung seitens des Bundes gab (für 2020 und 2021 war diese für Profi-Klubs außerhalb der Fußball-Bundesliga und 2. Bundesliga bei 1,8 Millionen pro Klub gedeckelt, Anm. d. Red.). Aktuell soll die Unterstützung bis Ende März verlängert und um 500.000 pro Klub erhöht werden. Die finanzielle Lücke wird damit etwas abgefedert. Aber gerade bei den zuschauerstarken Klubs ist das nur ein Bruchteil der Ausfälle.

Jürgen Arnold, Aufsichtsratsvorsitzender der DEL, kann sich eine Verschiebung der Play-offs vorstellen.
Foto: Imago

Neben der wirtschaftlichen gibt es auch die sportliche Seite. Innerhalb der Liga werden die Stimmen lauter, dass aufgrund der zahlreichen Corona-Fälle und den damit verbundenen Quarantänen und Spielabsagen ein sportlich fairer Wettbewerb nicht mehr gegeben sei. Sehen Sie das ähnlich?

Arnold: Vorab muss man sicherlich sagen, dass mit Situationen, wie sie durch Corona entstehen, zumeist nicht zu rechnen ist. Wenn man dann sieht, dass teilweise Mannschaften coronabedingt – auch durch Regeln, die im Vorfeld getroffen wurden – über einen längeren Zeitraum nur mit einem stark verminderten Kader antreten können, hat das zwar sportliche Auswirkungen. Rein von der Definition her wäre das für mich aber hinzunehmen, wenn sämtliche Voraussetzungen, die zuvor festgelegt wurden, erfüllt sind.

Was heißt das genau?

Arnold: Sollte eine Spielrunde laut unseren Ordnungen, die ja von allen gemeinsam beschlossen wurden, abgeschlossen werden können, wäre dies laut Definition zumindest keine Wettbewerbsverzerrung. Was man bei der ganzen Thematik aber definitiv hinterfragen muss, ist die Tatsache, ob diese Regularien wie beispielsweise die Mindestkaderstärke, die von den Sportlichen Leitern im Vorfeld diskutiert und festgelegt wurden, nicht von der Realität überholt sind.

Stichwort Wettbewerbsverzerrung: Ist eine solche nicht auch gegeben, wenn beispielsweise in Bayern und Baden-Württemberg überhaupt keine Zuschauer zugelassen sind, während an anderen Standorten Fans in die Stadien dürfen?

Arnold: Das ist selbstverständlich ein weiterer wichtiger Punkt. Wenn man als Heimmannschaft vor Publikum spielen kann, dann ist das auf alle Fälle ein sportlicher Vorteil – unabhängig von den Einnahmen. Eine Bewertung wird man wohl erst zum Ende der Saison machen können. Aber das ist ja sehr subjektiv.

Nach Informationen unserer Redaktion soll es am 17. Januar ein Treffen zwischen Funktionären der DEL und DEL2 geben. Können Sie das bestätigen?

Arnold: Ohne jetzt auf das genaue Datum einzugehen: Ja, es wird ein solches Treffen geben. Ich denke, es ist absolut legitim und selbstverständlich, dass sich die beiden Ligen zusammensetzen, um über die Themen, die den sportlichen Wettbewerb betreffen, zu sprechen. Zumal in der DEL und DEL2 die Interessen ähnlich gelagert sein müssten. Wir werden jedenfalls völlig ergebnisoffen in dieses Gespräch gehen – wohlwissend, dass ein Vertrag ein Vertrag ist und wir als DEL einen solchen nicht brechen wollen.

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Foto: Ulrich Wagner

Dementsprechend dürfte auch das Thema Auf- und Abstieg ganz oben auf der Tagesordnung stehen. In der vergangenen Saison gab es mit den Bietigheim Steelers einen Aufsteiger aus der DEL2, aber keinen DEL-Absteiger. Können Sie sich ein solches Szenario auch in dieser Spielzeit vorstellen?

Arnold: Aufgrund der Pandemie sollte man in ein solches Gespräch, wie bereits gesagt, grundsätzlich ergebnisoffen reingehen. Was uns als DEL betrifft: Wir werden sicherlich intern diskutieren müssen, was die Auswirkungen für die Liga wären. Für diese Saison, aber auch vor allem in den Folgejahren. Man muss zweifelsohne auch bei dieser Thematik sagen, dass uns die Fortdauer der Corona-Situation überrascht hat. Aber Fakt ist auch, dass wir diesen Vertrag mit der DEL2 erfüllen wollen. Dennoch muss natürlich die Frage gestellt werden, ob es in der aktuellen Situation sinnvoll wäre, vorübergehend Anpassungen vorzunehmen.

Sollte es erneut einen DEL2-Aufsteiger (Frankfurt) und keinen Absteiger aus der DEL geben, würde das Teilnehmerfeld in der Saison 2022/2023 auf 16 Klubs anwachsen...

Arnold: Das ist sicherlich auch ein entscheidender Punkt, den es zu beachten gilt. Wir wollen nicht jedes Jahr einen Grund dafür finden, damit es keinen Absteiger gibt. Es kann schließlich nicht das Interesse der DEL sein, die Ligenstärke weiter anwachsen zu lassen. Unser Ziel ist es daher, einen gemeinsamen Weg mit der DEL2 zu finden – was im Übrigen bereits im vergangenen Jahr sehr gut funktioniert hat.

Aktuell steht die DEL noch vor einem weiteren Problem: In der vergangenen Woche waren mit München, Wolfsburg, Iserlohn und Bietigheim gleich vier Teams aus Corona-Gründen nicht spielfähig. Die Augsburger Panther weisen beispielsweise bereits acht (!) Partien weniger als die Kölner Haie auf. Wie soll es gelingen, alle Nachholpartien innerhalb des zur Verfügung stehenden Zeitplans auszutragen, um – wie mehrfach erwähnt – einen sportlich fairen Wettbewerb zu garantieren?

Arnold: Wir müssen auch hier auf Sicht fahren, da ich befürchte, dass es bezüglich Corona beziehungsweise Spielabsagen noch weitere Szenarien geben wird, die wir jetzt noch gar nicht planen können. Aus diesem Grund haben wir uns ja auch entschieden, die Olympia-Pause in kurzen Taktungen für möglichst viele Nachholpartien zu nutzen. Das betrifft in erster Linie die Mannschaften, die zu den Olympischen Spielen nicht fünf oder sechs Akteure abstellen müssen. Mit dem „neuen“ Spielplan ist es unser Ziel, die Hauptrunde pünktlich zu beenden. Sollten dies allerdings – aus welchen Gründen auch immer – nicht möglich sein, müsste man eine andere Lösung finden.

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Foto: Andreas Gora, dpa

Welche Optionen würden noch bleiben?

Arnold: Es gäbe zum Beispiel die Möglichkeit, die Hauptrunde zu verlängern und gleichzeitig die Play-offs zu verkürzen. Eine andere Option wäre aber auch eine Verschiebung der Play-offs, was dann hinsichtlich der Finalisten Auswirkungen auf die Weltmeisterschaft (13. bis 29. Mai in Finnland, Anm. d. Red.) hätte und gegebenenfalls mit dem DEB zu besprechen wäre.

Könnte in der Endabrechnung der Hauptrunde auch die Quotienten-Regelung eine deutlich größere Rolle als in der vergangenen Saison spielen?

Arnold: Die Quotienten-Regelung ist ein Teil unserer Spielordnung und gilt unabhängig von der Spielanzahl. Grundsätzlich bin ich aber schon der Meinung, dass man von einem sportlich fairen Wettbewerb sprechen kann, wenn wir unsere Hauptrunde sportlich abschließen können. Es muss unser Ziel sein, dass am Ende der Hauptrunde alle 15 Klubs ihre Spiele absolviert haben. Genau deshalb zeigen wir uns ja auch die ganze Zeit flexibel, was den Spielplan angeht. Und auch deshalb hat die Liga jüngst die Olympia-Pause für Nachholspiele geöffnet, sofern sich Teams untereinander verständigt haben.

Fehlt Deutschlands Eishockey-Team bei Olympia in Peking: NHL-Star Leon Draisaitl.
Foto: Jeffrey T. Barnes/AP/dpa

Stichwort Olympische Spiele 2022: Die besten Eishockey-Akteure der Welt aus der National Hockey-League werden nicht dabei sein. Können Sie die Entscheidung der NHL, ihre Spieler nicht nach Peking zu schicken, nachvollziehen?

Arnold: Fakt ist, dass die NHL im Vordergrund immer ihre eigene Liga sieht. Daher gibt es seitens der NHL auch keine Kooperations- oder Abstellungsverträge, was die Nationalmannschaften betrifft. Grundsätzlich glaube ich schon, dass die National Hockey-League ihren Spielern eine Olympia-Teilnahme ermöglichen würde. Aber wenn die Verantwortlichen eine Gefahr sehen, die für ihre Liga zu groß ist, können sie so entscheiden, wie sie es gemacht haben. Das war in der Vergangenheit der Fall und wird es auch in der Zukunft sein. Diesbezüglich sieht es bei uns im Verhältnis zur IIHF anders aus.

Mit welchem Gefühl blicken Sie als DEL-Aufsichtsratsvorsitzender in Richtung Olympische Spiele?

Arnold: Der olympische Wettbewerb ist grundsätzlich etwas, von dem jeder Sportler träumt. Daher kann man auch den Wunsch eines jeden Spielers, der dort dabei sein möchte, absolut nachvollziehen. Aus Sicht der Liga sehe ich das schon mit einem etwas anderen Auge. Die vergangenen internationalen Wettbewerbe wie beispielsweise die U20-Weltmeisterschaft in Edmonton, die ja bekanntlich abgebrochen wurde, haben gezeigt, dass derartige Veranstaltungen ohne Infektionen nicht durchzuführen sind. Selbstverständlich würde ich mich sehr freuen, wenn ein solches Turnier wie bei den Olympischen Spielen tatsächlich zu Ende gespielt werden könnte. Angesichts der jüngsten Vergangenheit bin ich aber doch sehr skeptisch.

Beim erst kürzlich stattgefundenen turnusgemäßen Treffen der Spitzenfunktionäre des Eishockey-Weltverbandes IIHF mit den nationalen Verbänden und Ligen-Vertretern in Zürich waren die Olympischen Spiele ebenfalls ein Thema. Können Sie sich ein Szenario vorstellen, bei dem das Eishockey-Turnier in Peking nicht stattfindet?

Arnold: Es ist ja kein Geheimnis, dass es für die IIHF auch bei Olympia um viel Geld geht. Daher wird der Weltverband – rein wirtschaftlich gesehen – darauf nicht verzichten können. Entscheidend werden in meinen Augen die nächsten zwei Wochen sein, wie sich die Corona-Situation da entwickelt. Wenn man von Experten hört, dass sich bis Mitte Februar die Hälfte der europäischen Bevölkerung infiziert hat, kann ich mir nicht vorstellen, dass die Sportler auf dem Weg und in Peking davon verschont bleiben.

Lassen Sie uns abschließend nochmals auf die Deutsche Eishockey-Liga blicken: Wie groß ist Ihre Überzeugung, dass jeder DEL-Klub finanziell auch die zweite „Corona-Saison“ überstehen und in der Spielzeit 2022/2023 wieder an den Start gehen werden?

Arnold: Für mich ist es schwierig, über die Zukunft der einzelnen Klubs zu sprechen, weil diese am Ende des Tages immer in der Entscheidungskraft der jeweiligen Gesellschafter liegt. Ich bin jedoch überzeugt, dass wir auch diese Saison überleben und auch wirtschaftlich beenden werden. Dennoch wird es – bedingt durch die Pandemie – an verschiedenen Standorten sicherlich große finanzielle Löcher reißen, auch weil Mittel für die Zukunft schon jetzt verbraucht werden müssen. Unsere Lizenzordnung sieht vor, dass finanzielle Minusbeträge bei der Lizenzierung für die nächste Saison ausgeglichen werden müssen. Sollten alle Gesellschafter das tun, was ich allerdings zum jetzigen Zeitpunkt nicht weiß, würden wir in der Spielzeit 2022/2023 wieder mit allen Klubs starten können. Eines ist aber unbestritten: Für einige Vereine ist es definitiv eine schwere finanzielle und wirtschaftliche Situation, fast noch mehr für die Zukunft als in den letzten Monaten dieser Saison.

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