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ERC Ingolstadt

19.01.2020

1:4 gegen Krefeld: Ein (unerwartetes) misslungenes Debüt

Seinen Einstand beim ERC Ingolstadt hatte er sich zweifelsohne anders vorgestellt: Verteidiger Steven Seigo. Im Heimspiel gegen die Krefelder Pinguine setzte es für die Panther eine 1:4-Niederlage.
Bild: Johannes Traub

Eigentlich sollte Neuzugang Steven Seigo sein Team gegen Krefeld von der Tribüne aus beobachten. Doch dann kam es kurzfristig anders. Verhindern konnte der Verteidiger die 1:4-Niederlage allerdings nicht

Steven Seigo hatte sich schon auf einen entspannten Tag eingestellt. Der Neuzugang des ERC Ingolstadt gab noch schnell ein Fernsehinterview. Im Anzug! Seine Teamkollegen hatten sich bereits auf dem Eis aufgewärmt, das Anfangsbully gegen die Krefeld Pinguine sollte in 20 Minuten fallen. „Und dann kam der Coach plötzlich und sagte: Zieh deine Ausrüstung an“, erzählt der Offensiv-Verteidiger. Matt Bailey hatte beim Anschwitzen über muskuläre Probleme geklagt. Also lief Seigo in die Kabine und ließ sich von Verteidiger-Kollege Dustin Friesen das System der Panther erklären, während er sich hektisch die Schlittschuhe band. Seigo war erst am Freitag von seinem Ex-Verein Vaasan über Stockholm nach München geflogen, hatte nur eine Stunde mit dem Team trainiert. Die Taktik-Besprechungen mit dem Trainer-Team standen erst in der kommenden Woche an.

Seigo sollte am Sonntagnachmittag ein unauffälliges Debüt spielen, was für einen Verteidiger nicht das schlechteste Arbeitszeugnis ist. Doch die Umstände seines Einsatzes passten irgendwie zu einem verkorksten Tag der Ingolstädter, die gegen den Außenseiter aus Krefeld mit 1:4 (1:1, 0:0, 0:3) verloren.

Ingolstadts Trainer Doug Shedden gibt die Marschroute vor

Trainer Doug Shedden hatte noch am späten Freitagabend im Interview die Marschroute gegen die Pinguine vorgegeben: Erstens, den von den Playoff-Plätzen abgeschlagenen Gegner nicht unterschätzen. Zweitens, ihre beiden Top-Spieler Daniel Pietta und Chad Costello körperlich bearbeiten und sie so mürbe machen. Im Hintergrund hörte man euphorisierte Spieler. Mit drei Punkten und Platz vier im Gepäck fuhr der ERCI gerade von Berlin zurück auf die Schanz.

1:4 gegen Krefeld: Ein (unerwartetes) misslungenes Debüt

Die beiden Vorhaben sollten Sheddens Schützlinge zwei Tage später schnell über den Haufen werfen. Denn es war Costello, der für Krefeld zweimal entscheidend durchstach. Im Schlussabschnitt schlenzte er von einer völlig ungedeckten linken Seite erst in den Winkel (50.). Vier Minuten später erhöhte er dann nach schönem Doppelpass mit Vincent Saponari zwischenzeitlich auf 3:1. Shedden kam sich natürlich veralbert vor: „Wagner hat Costello im ersten Drittel gecheckt und der hat ihn angeschaut nach dem Motto: ‘Was machst du da? Du kannst mich nicht checken?’ Das war der letzte Check an ihm. So kann man nicht gewinnen. Wir waren einfach schlecht heute.“

Panther verzeichnen mehr Torschüsse

Dabei hatte Ingolstadt mehr von der Partie, verzeichnete insgesamt 41:22 Torschüsse. Doch Krefeld, angereist mit nur zehn Stürmern und vielen Lücken in der neutralen Zone, machte die Tore. Nach einem Konter über Ex-Panther Laurin Braun fiel die Scheibe von Wayne Simpsons Körper über die Linie (9.). Bei ihrem womöglich letzten Gastspiel in der Saturn-Arena überhaupt gingen die Pinguine in Führung. Eine Gesellschafterversammlung wird am Dienstag entscheiden, ob der Verein ein Loch von 400.000 Euro schließen kann und eine Zukunft in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) hat.

Mit entsprechender „Jetzt erst recht“-Mentalität trat deshalb auch Dimitri Pätzold auf. Der KEV-Goalie (auch bereits in Diensten des ERCI) erwischte einen „Sahnetag“ und brachte Ingolstadt mit Pfosten und Verstand zum Verzweifeln. Nach der Partie bestätigte er Wechselgerüchte zum EV Landshut. Davor parierte er oftmals glänzend – vor allem gegen Maury Edwards (41.), Brett Olson (51.) und Mike Collins (54.). Einzig bei einem Powerplay-Direktschuss von Kris Foucault zum vorübergehenden 1:1 hatte er das Nachsehen (11.)

„Wir hatten vor dem Tor keine verdammten Männer. Pätzold hat alles gesehen. Wir sind ein Team, das sich – vielleicht mit Ausnahme von Brandon Mashinter – weigert, in die dreckigen Räume zu gehen“, motzte Shedden, der erneut Petr Taticek überzählig draußen ließ.

150 Gäste-Fans feiern den Sieg mit einer Polonaise

Die letztliche Schmach vollendete dann Saponari mit einem Schuss ins leere Tor (58.). Entscheidend durchgespitzelt hatte übrigens ein gewisser Chad Costello. Während Krefelds rund 150 Fans mit einer Polonaise einen Überraschungssieg feierten und Ingolstadts Tim Wohlgemuth zugab, dass sein Team „60 Minuten denselben Scheiß gespielt“ habe, redete sich Shedden in Rage: „Das ist absolut inakzeptabel. Heute müssen viele Jungs in den Spiegel schauen und sich fragen, wohin die Reise gehen soll. Wir haben alles getan, um sicher zu gehen, dass sie sich ausruhen, haben den Treffpunkt heute nach hinten verschoben, damit sie ausschlafen können. Vielleicht haben ein paar Jungs das gestern Nacht ausgenutzt.“

Bereits am Freitag kommt es zum Rückspiel in Krefeld. Für Shedden noch kein Thema: „Darüber mache ich mir noch keine Sorgen. Dienstag wird ein großer, großer Arbeitstag. Wenn man im Spiel nicht arbeitet, arbeitet man halt im Training.“

ERC Ingolstadt: Reimer – Edwards, Jobke; Friesen, Wagner; Schütz, Sullivan; Seigo – Simpson, Olson, Collins; Elsner, Höfflin, Wohlgemuth; Foucault, Findlay, D’Amigo; Olver, Mashinter; Detsch. – Tore: 0:1 Braun (9.), 1:1 Foucault (11./PP), 1:2 Costello (50.), 1:3 Costello (54.), 1:4 Saponari (58./EN). – Zuschauer: 4144.

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