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ERC Ingolstadt

17.07.2016

Achterbahn der Gefühle: Topscorer Brandon Buck im Interview

Hat – wie er selbst sagt – stressige und emotionale Wochen hinter sich: Torjäger Brandon Buck, der auch in der kommenden Saison das Trikot des ERC Ingolstadt tragen wird.
Bild: Dirk Sing

Im Exklusiv-Interview spricht Topscorer Brandon Buck erstmals über seinen gescheiterten Wechsel nach Kasan und sein aktuelles Seelenleben.

Bleibt er oder geht er? Mehrere Wochen stand ein dickes Fragezeichen hinter dem Verbleib von Brandon Buck beim ERC Ingolstadt. Der russische KHL-Klub AK Bars Kasan buhlte intensiv um die Dienste des 27-jährigen kanadischen Centers, der bei den Panthern noch einen Vertrag bis 2020 besitzt. Im Exklusiv-Interview mit der Neuburger Rundschau spricht Buck über seinen geplatzten Wechsel, die zurückliegenden Wochen und erklärt, warum er sich dennoch auf seine Rückkehr nach Ingolstadt freut.

Herr Buck, im NR-Interview nach der Saison haben wir über Ihre Verletzungen gesprochen: Zum einen über den Bänderriss im Knie, der Sie zu Beginn der Spielzeit zu einer mehrwöchigen Pause zwang und auch danach Probleme bereitete. Zum anderen über die Gehirnerschütterung, die ein Mitwirken in den Pre-Playoffs gegen Straubing unmöglich machte. Wie geht es Ihnen gesundheitlich?

Brandon Buck: Ich fühle mich definitiv wesentlich besser. Als ich nach dem Saisonende nach Hause geflogen bin, habe ich mich sofort mit Akupunktur und Massagen im Nacken- und Kopfbereich behandeln lassen. Das hat mir wirklich sehr geholfen. Was das Knie betrifft: Hier habe ich während des Sommertrainings viel mit meinem Personal Coach, mit dem ich bereits seit sieben Jahren zusammenarbeite, gemacht. Das Resultat ist absolut positiv.

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In den vergangenen Wochen wurde vor allem über ein Thema viel diskutiert: Ihr möglicher Wechsel zum russischen KHL-Klub AK Bars Kasan. Konkret gefragt: Für welches Team werden Sie in der Saison 2016/2017 auf Torjagd gehen?

Buck: Ich werde in der kommenden Spielzeit für den ERC Ingolstadt auflaufen.

+++ Lesen Sie hier unseren Kommentar zum Fall Brandon Buck +++

Warum hat sich diese Entscheidung, wo Sie künftig spielen werden, derart in die Länge gezogen?

Buck: Nun, vorab möchte ich gerne einmal klarstellen, dass Kasan das Angebot nicht zurückgezogen hat, sondern dass es zeitlich abgelaufen ist. Zunächst konnten sich beide Vereine bei den Verhandlungen nicht einigen. Und danach haben „Kommunikationsprobleme“ dazu geführt, dass der Wechsel geplatzt ist. Dieser ganze Prozess hat gut und gerne sechs Wochen in Anspruch genommen. Mit dem Beginn der „Free Agency“ in der NHL am 1. Juli musste sich Kasan dann anderweitig orientieren, um am Ende nicht komplett mit leeren Händen dazustehen. Eines ist klar: Mit den finanziellen Möglichkeiten, die eine derartige Organisation zur Verfügung hat, ist sie zweifelsohne auch in der Lage, gestandene und sehr erfahrenen NHL-Spieler zu verpflichten. Für sie gibt es daher keinen Grund, weiter zu warten, ob diese „Kommunikationsprobleme“ mit dem ERC Ingolstadt vielleicht doch irgendwann behoben werden können.

Können Sie die von Ihnen erwähnten „Kommunikationsprobleme“ etwas genauer beschreiben?

Buck: Ich denke, zu diesem Thema wurde in den vergangenen Monaten schon genügend erzählt und geschrieben. Mehr möchte ich dazu nicht sagen.

Sind Sie enttäuscht, dass es mit dem Wechsel nach Russland letztlich nicht geklappt hat?

Buck: Natürlich bin ich enttäuscht. Ich bin enttäuscht darüber, dass ich nun doch nicht die Möglichkeit habe, in der zweitbesten Eishockey-Liga der Welt, der KHL, zu spielen. Kasan hat versucht, mich für zwei Jahre unter Vertrag zu nehmen – und AK Bars ist eine sehr angesehene und respektierte Organisation innerhalb der KHL. Darüber hinaus gab es auch einige Interessenten in Nordamerika. Aber diese Teams wollten zunächst einmal abwarten, wie ich mich auf diesem deutlich höheren Niveau beweise. Von diesem Standpunkt aus bin ich sehr enttäuscht, weil es nach wie vor mein Ziel ist, so hochklassig und erfolgreich wie möglich zu spielen. Gleichzeitig möchte ich aber auch deutlich betonen, dass ich alles andere als enttäuscht darüber bin, in wenigen Tagen nach Ingolstadt zurückzukehren. Ich liebe die Stadt. Wir erwarten im Oktober unsere zweite Tochter. Und für uns gibt es keinen besseren Ort, wo wir zu diesem Zeitpunkt sein könnten. Ich habe in den vergangenen Wochen wirklich viele Zuschriften und Zuspruch von den Panther-Fans bekommen. Das war schon unglaublich beeindruckend.

Wie sehr hat Sie und Ihre Familie das ständige Hin und Her in den zurückliegenden Wochen belastet?

Buck: Nun, wie ich schon gesagt habe, mit einer schwangeren Frau und zweijährigen Tochter war das Ganze schon ein ziemlich stressiger und emotionaler Sommer. Es gab Tage, an denen ich sicher war, dass der Wechsel nach Russland klappt. Dann gab es wieder andere Tage, an denen wir dachten, dass wir nach Ingolstadt zurückkehren. Meine Frau hat diese Geschichte am meisten beschäftigt, während meine kleine Tochter davon nichts mitbekommen hat. Am emotionalsten waren immer die Momente, in denen sie gefragt hat, wann wir denn nach Hause gehen – und sie meinte damit Ingolstadt! Ich bin jetzt einfach nur glücklich zu wissen, wo wir auch künftig sein werden.

Auch beim ERC Ingolstadt selbst ging es bekanntlich „rund“: Am 8. Juni gab der Verein bekannt, dass der bisherige Cheftrainer Kurt Kleinendorst seinen Vertrag auflösen und zum AHL-Klub Binghamton Senators wechseln werde. Hat Sie die Entscheidung Kleinendorsts überrascht?

Buck: Ja und nein. Kurt verfügt in Nordamerika über seinen sehr guten Ruf. Von dem her wundert es mich nicht, dass er dort mehrere Optionen hatte – vor allem auch Binghamton, wo er ja unter anderem den Calder Cup gewonnen hat. Kurt hat viel Erfahrung in der Arbeit mit jungen Spielern. Und genau das wird in der AHL benötigt, wo diese Akteure langsam an die NHL herangeführt werden sollen. Von dem her bin ich überzeugt, dass er dort sehr gute Arbeit abliefern wird.

Mit Tommy Samuelsson haben die Panther bereits einen Nachfolger für Kleinendorst verpflichtet. Was halten Sie von dieser Personalie?

Buck: Ich bin wirklich sehr gespannt und freue mich darauf, mich mit Tommy zu treffen und zu arbeiten. Er war nicht nur ein großartiger Spieler, sondern hat in seiner bisherigen Trainerkarriere auch schon sehr gute Teams gecoacht. Das wird sicherlich sehr spannend.

Lassen Sie uns abschließend nochmals auf unser Interview zurückkommen, das wir nach dem Saisonende 2016 geführt haben. Sie waren der Meinung, dass es innerhalb des Kaders deutliche Veränderungen geben müsse, damit die Panther wieder das werden, was für Sie der Hauptgrund war, bis 2020 zu verlängern: Ein Team, das in der Lage ist, um die Meisterschaft zu spielen. Ist der jetzige Kader dazu in der Lage?

Buck: Ich denke, dass wir von der Situation der Hamburg Freezers sicher entscheidend profitiert haben. Aber man kann nicht davon ausgehen, dass so etwas jedes Jahr passieren wird. Thomas Oppenheimer ist ein unglaublicher Spieler, der uns deutlich verstärken wird. Das Gleiche denke ich über Martin Buchwieser. Er bringt mehr Tiefe in unser Team und gibt dem Trainer dadurch mehr Möglichkeiten. Ehrlich gesagt möchte ich mir gar nicht vorstellen, wie unser Kader ohne diese für uns letztlich sehr glückliche Fügung mit den Freezers ausgesehen hätte. Darryl Boyce ist ein ehrlicher Arbeiter und Stürmer, den einerseits die Fans auf dem Eis genießen und andererseits seine Mannschaftskollegen als Mitspieler richtig zu schätzen lernen werden. Darüber hinaus bekommen wir mit Petr Pohl einen sehr schnellen Angreifer, der unserer Offensive noch mehr „Punch“ verleihen wird. Allerdings bereitet mir ein anderer Punkt auch etwas Sorgen.

Und welcher?

Buck: Ich habe gelesen, dass wir möglicherweise mit zwölf Stürmern in die neue Saison starten werden. Seit ich in Ingolstadt bin, habe ich noch nie erlebt, dass wir eine komplette Saison ohne Verletzungen überstanden haben. Diesbezüglich werden wir also sehr viel Glück benötigen. Aber auf Ihre Frage zurückzukommen: Wenn wir gesund bleiben, verfügen wir über ein gutes Team, das in den „Top Sechs“ landen wird. Kommt jedoch der eine oder andere Ausfall hinzu, wird die Personaldecke schon sehr dünn.

Hat der geplatzte Russland-Deal etwas von Ihrer Motivation geraubt?

Buck: Nein, auf gar keinen Fall. Ich habe den gesamten Sommer über extrem hart gearbeitet. Sehr viele Leute kennen mich, meinen Charakter und meine Einstellung. Ich bin ein echter Wettkampftyp, der einfach immer gewinnen möchte. Zudem liebe ich meine Teamkollegen, die Stadt Ingolstadt und die Menschen, die ich hier kennengelernt habe. Natürlich gibt es aber auch Dinge, die sich für mich zweifelsohne verändert haben. Letztlich will ich mich aber auf das konzentrieren, was ich beeinflussen kann: Ich möchte für mich, meine Teamkollegen und unsere Fans die bestmögliche Leistung bringen.

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