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NR-Aktion

26.02.2016

Anziehen als große Herausforderung

Perfekte Vorbereitung: Pascal Gubo (links) hilft seinem Kumpel Werner Danysch (rechts) beim Anziehen der Ausrüstung.
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Perfekte Vorbereitung: Pascal Gubo (links) hilft seinem Kumpel Werner Danysch (rechts) beim Anziehen der Ausrüstung.
Bild: Dirk Sing

20 Leserinnen und Leser der Neuburger Rundschau absolvierten beim ERC Ingolstadt eine schweißtreibende Trainingseinheit

Es ist kurz vor 12 Uhr. Bereits in den frühen Morgenstunden hat der Himmel an diesem ohnehin schon kalten und garstigen Dienstag seine Schleusen geöffnet. Eigentlich ein Wetter, bei dem man selbst seinen Hund nicht vor die Türe jagt. Doch an diesem Tag scheinen einigen Eishockey-Fans die tristen äußeren Umstände schlichtweg egal. Unmittelbar vor dem Dauerkarten-Eingang der Saturn-Arena wird munter geratscht und gewitzelt – und das, obwohl sich die meisten Leute überhaupt nicht kennen. Sie treffen mehr oder minder zufällig zusammen und haben doch eine große Gemeinsamkeit: Alle – genauer gesagt 20 Leserinnen und Leser der Neuburger Rundschau – haben sich bei der NR-Aktion „Schwitzen wie die Panther-Profis“ beworben und eine Trainingseinheit auf dem Eis mit dem Assistenz-Coach des ERC Ingolstadt, Joseph „Peppi“ Heiß, sowie Konditions- und Fitness-Trainerin Maritta Becker (unter anderem vierfache Olympia-Teilnehmerin mit der deutschen Eishockey-Nationalmannschaft) gewonnen.

Dass diese Übungseinheit an einem Wochentag zwischen 13 und 14.30 Uhr stattfindet, scheint für die Teilnehmer indes kein Hindernis oder Problem zu sein. „Ich habe für den heutigen Tag extra freigenommen“, berichtet der 18-jährige Marcel Glassl, der gerade eine Ausbildung bei der Firma Edeka macht. „Wenn man schon einmal die einzigartige Möglichkeit hat, ein Training unter solchen Bedingungen zu machen, dann muss man einfach dabei sein und nimmt dafür gerne einen Urlaubstag in Kauf“, so Glassl weiter. Was auf ihn und seine künftigen 19 „Teamkollegen“ – darunter mit Miriam Hammer und Julia Brandl auch zwei „Kolleginnen“ – in den nächsten rund zwei Stunden zukommen wird? Fragende und erwartungsvolle Blicke wechseln sich in den Gesichtern beim Gang durch die Katakomben in der Saturn-Arena ab.

An der Umkleidekabine, die 24 Stunden später die Profis der Adler Mannheim in Besitz nehmen werden, angekommen, werden die Augen bereits größer und größer. An jedem Platz ist mit Tape ein Namensschild angebracht. Darunter hängt am Kleiderhaken ein Trainingstrikot in Weiß oder Blau. Auf dem Boden steht schließlich noch eine Tasche mit sämtlichen Ausrüstungs-Utensilien wie Brustpanzer, Ellbogenschoner, Handschuhen, Hose und Helm. Dazu Schlittschuhe in der richtigen Größe, jede Menge Handtücher und zwei Kästen Wasser. Panther-Betreuer Ben Pangerl, der an diesem Tag für die beiden Kabinen (männlich und weiblich getrennt) und Betreuung der Teilnehmer zuständig ist, hat im Vorfeld ganze Arbeit geleistet. „Die NR-Leser sollen trainieren und Bedingungen vorfinden wie die Profis“, sagt Pangerl mit einem Augenzwinkern.

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Während für den einen oder anderen Hobby-Eishockey-Spieler das Anziehen der Ausrüstung längst zur Gewohnheit geworden ist, erweist es sich für den Rest als anstrengende und überaus schweißtreibende Prozedur. Der gefragteste Mann in den kommenden 30 Minuten ist – richtig geraten – Ben Pangerl. Der „Betreuer mit den 1000 Händen“ hilft, wo er nur kann. Ob beim Schnüren der Schlittschuhe, dem Tapen der Stutzen, dem Umtausch eines zu großen Brustpanzers oder dem Anlegen der „Strapsen“ an der Hose – bei Pangerl scheint jeder Griff blind zu sitzen. „Jetzt weiß ich, was es heißt, Eishockey-Spieler zu sein. Da bin ich ja fix und fertig, bis ich endlich die komplette Ausrüstung anhabe“, witzelt der Neuburger Werner Danysch, dessen Kumpel Pascal Gubo ihm noch flugs beim Schließen des Helms beziehungsweise Sichtgitters hilft.

Nach und nach entlässt Ben Pangerl seine voll eingekleideten und ausgerüsteten Cracks in Richtung Kabinengang, wo bereits an der Wand zahlreiche Schläger darauf warten, endlich in Besitz genommen zu werden. Dass plötzlich alle nacheinander wie beim Domino umfallen – passiert! Sicherlich auch hin und wieder sogar den Profis. Fünf Minuten später ist es dann endlich soweit: Die beiden Cheftrainer der heutigen Übungseinheit, Peppi Heiß und Maritta Becker, betreten die Eisfläche und fordern ihre „Mannschaft“ mit einem resoluten Pfiff zum Zusammenkommen beziehungsweise zur Team-Ansprache auf. Bereits zu diesem Zeitpunkt hat der eine oder andere Teilnehmer schon einmal oder mehrfach „unfreiwillig“ Bekanntschaft mit dem glatten Untergrund gemacht. Egal, auch das soll ja bei den Herren Profis durchaus vorkommen.

Die beiden Coaches entwickeln schnell ein Gefühl dafür, wer letztlich noch eine kleine „Nachhilfe-Stunde“ in Sachen Skating benötigt und wer sich auf seinen Schlittschuhen schon derart gut und sicher bewegt, um bereits die eine oder andere spezifische Eishockey-Übung problemlos zu überstehen. Während sich Maritta Becker die „Skating-Gruppe“ schnappt, geht Peppi Heiß mit seinem Team gleich ans Eingemachte. Skaten, Passen, Stoppen – Schießen! Kurzum: das kleine „Einmaleins“ des Eishockey-Sports. „Jawoll, klasse! Gut gemacht“, lobt Heiß den erst zwölfjährigen Sascha Westhaus aus Rain am Lech. Doch der ehemalige deutsche Nationaltorhüter kann auch anders. Als einer seiner „Schützlinge“ bei einer Übung patzt, folgt prompt der lautstarke Anpfiff für die gesamte Mannschaft – freilich garniert mit einem breiten und freundlichen Grinsen.

Exakt eineinhalb Stunden lang werden die Eishockey-Cracks an ihre körperlichen Grenzen gebracht – Abschluss-Spiel inklusive! Als die beiden Trainer die Übungseinheiten schließlich mit einem weiteren Pfiff beenden und ihre „Schüler“ am Mittelkreis nochmals zusammenrufen, wird deutlich, dass die vergangenen 90 Minuten bei den meisten Akteuren ihre Spuren hinterlassen haben. Das freundliche Angebot von Maritta Becker, zum krönenden Abschluss noch eine einstündige Spinning-Einheit auf dem Rad zu absolvieren, wird dankend abgelehnt – was für eine Überraschung!

Zurück in der Kabine ist es zunächst einmal ziemlich ruhig. Der erste Griff geht zur Wasserflasche, der zweite zum Handtuch. Zum sofortigen Ausziehen fehlt zunächst die Kraft. Erst nach einigen Minuten des Ausruhens kehrt diese langsam wieder zurück – ebenso die Stimmung! „Der Werner hatte Glück, dass ich ihn bei dieser Eins-gegen-Eins-Übung nicht ordentlich vermöbelt habe“, lacht Pascal Gubo in Richtung seines Freundes Werner Danysch. Dieser sitzt, die Flasche in der Hand, auf seinem Platz und strahlt über das gesamte Gesicht: „Für mich war es das erste Mal, dass ich unter solchen Bedingungen ein Eishockey-Training absolviert habe. Aber es war schlichtweg megageil.“ Besonders gewöhnungsbedürftig sei sowohl für ihn als auch Pascal Gubo „die Fortbewegung mit der Ausrüstung in den ersten fünf Minuten“ gewesen: „Da war ich vor lauter Schwitzen schon patschnass.“

Eine überaus gute Figur gab indes auch der 14-jährige Daniel Ridinger aus Mändlfeld ab. „In meiner Freizeit spiele ich Floorball beim ESV Ingolstadt oder auch Straßenhockey mit meinen Freunden“, berichtet Daniel. Dass er nicht nur mit dem Schläger gut umgehen, sondern sich auf Schlittschuhen erstklassig bewegen kann, bewies er schließlich in der Gruppe von Peppi Heiß. „Auch für mich war es das erste Training mit einer Eishockey-Mannschaft. Es war jedenfalls eine richtig coole Erfahrung und hat unglaublich viel Spaß gemacht“, schwärmt der Youngster, der bereits seit vier Jahren eine Dauerkarte für die Heimspiele des ERC Ingolstadt besitzt.

Auch wenn am Ende keiner der insgesamt 20 Teilnehmer wohl einen Vertrag bei den Panthern bekommen dürfte, so waren die beiden Coaches Heiß und Becker voll des Lobes über ihre Trainingsgruppe: „Alle waren mit vollem Einsatz, Herzen und Spaß bei der Sache. Das ist bei einer solchen Geschichte das Allerwichtigste.“ Ihre „Schützlinge“ werden diesen Mittag jedenfalls so schnell garantiert nicht vergessen. Und das nicht nur aufgrund des kleinen oder großen Muskelkaters in den darauffolgenden Tagen.

Bei uns im Internet

Zahlreiche Aufnahmen von dieser NR-Aktion gibt es unter

www.neuburger-rundschau.de/bilder

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