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ERC Ingolstadt

20.03.2020

Corona-Krise: Für den ERCI "eine wirtschaftliche Katastrophe“

Der Geschäftsführer des ERC Ingolstadt: Claus Gröbner.

Plus Der Geschäftsführer des ERC Ingolstadt, Claus Gröbner, spricht über die Folgen des Abbruchs der DEL-Saison, den finanziellen Schaden und die Pläne für die kommende Saison.

Herr Gröbner, die Entscheidung, die DEL-Saison zu beenden, liegt über eine Woche zurück. Haben Sie den ersten Schock überwunden?

Gröbner: Rein sportlich gesehen ist die Enttäuschung noch immer vorhanden. Dass die Entscheidung richtig war, haben die Ereignisse der vergangenen Woche gezeigt. Wir haben von einer alternativlosen Entscheidung gesprochen und mit etwas Abstand hat sich das bestätigt.

Können Sie erklären, warum der Abbruch alternativlos war und keine Geisterspiele im Raum standen?

Corona-Krise: Für den ERCI "eine wirtschaftliche Katastrophe“

Gröbner: Zunächst steht die Sicherheit von Spielern, Mitarbeitern und Dienstleistern an erster Stelle. Es war leider nur eine Frage der Zeit, bis es Sportler oder Mitarbeiter erwischt und Mannschaften in Quarantäne müssen. Daher konnten wir nicht sicherstellen, dass der Betrieb sechs Wochen aufrechterhalten werden kann. Zweitens ist Eishockey eine Sportart, die von Zuschauern und Emotionen lebt. Daher waren Geisterspiele keine Alternative.

Welche Rolle spielten die Finanzen?

Gröbner: Natürlich eine große. Im Eishockey leben wir überwiegend von Sponsoring und Ticketing. Es wären hohe Reise-, Sicherheits- und Veranstaltungskosten auf uns zugekommen. Außerdem wären in den Play-offs, von Klub zu Klub unterschiedlich, Prämienzahlungen nötig gewesen.

Ist es möglich, den entstandenen finanziellen Schaden für den ERC Ingolstadt zu beziffern?

Gröbner: Wir sind noch immer in der Aufarbeitung. Uns trifft die Situation in mehrerlei Hinsicht. In den Pre-Play-offs hätten wir gegen Augsburg ein ausverkauftes Haus gehabt. Da kommt man schon an einen sechsstelligen Betrag ran, der fehlt. Davon ausgehend, dass wir ins Viertelfinale eingezogen wären, hätten wir noch mal mindestens zwei ausverkaufte Heimspiele gehabt. Was uns speziell in Ingolstadt besonders trifft, sind die fehlenden Gastronomieeinnahmen, auch über den Spielbetrieb hinaus. Wir sind bei allen Großveranstaltungen in der Saturn-Arena für das Catering zuständig, betreiben die Bar N˚64. Für den ERC enden die Einnahmen nicht mit Ende der Play-offs. Bis Mai stehen Veranstaltungen an, die zunehmend eine wichtige Einnahmequelle sind. Etwa die Fight-Night von Dardan Morina oder der Ingolstädter Halbmarathon. Wir sind derzeit eher skeptisch, dass diese Veranstaltungen stattfinden können.

Demnach hat der ERC einen herben finanziellen Verlust zu beklagen...

Gröbner: Ja, es handelt sich um einen herben finanziellen Verlust. Ich bin kein Freund, etwas zu dramatisieren. Aber DEL-Boss Gernot Tripcke hat nicht umsonst davon gesprochen, dass die Absage der Play-offs eine wirtschaftliche Katastrophe darstellt. Genau beziffern wollen wir die Zahlen in der Öffentlichkeit aber nicht.

Waren Play-off-Einnahmen im Etat eingeplant?

Gröbner: Nein, sind sie nicht. Unsere Aufgabe ist, kaufmännisch vernünftig zu planen. Wir können ein Viertelfinale oder Halbfinale nicht einplanen, um einen gesunden Jahresabschluss hinzubekommen. Unsere Aufgabe ist es, das über die reguläre Saison zu schaffen. Klar ist aber, dass zusätzliche Einnahmen wichtig für die Planungen für die kommende Saison sind.

Inwieweit spielen Play-offs bei Sponsoreneinnahmen eine Rolle?

Gröbner: Einige Sponsorenverträge enthalten erfolgsabhängige Prämien, die uns verlorengehen.

Wie sieht es bei Magenta-Sport, dem TV-Partner, aus?

Gröbner: Das trifft den einzelnen Klub zunächst nicht. Es ist Aufgabe der Liga, eine vernünftige Abmachung mit Magenta-Sport zu treffen.

Welche Rolle spielen staatliche Finanzhilfen?

Gröbner: Die Bundesregierung hat Hilfe für mittelständische Unternehmen angekündigt, wozu wir uns zählen. Auch der Freistaat Bayern und die Stadt Ingolstadt haben Unterstützung in Aussicht gestellt. Wir müssen sondieren, welche Hilfs- und Förderprogramme sich für uns anbieten. Auch die Rechts- und Wirtschaftskommission der Liga ist gefordert, um die Sachlage zentral zu regeln. Wir haben auch schon darüber gesprochen, ob Kurzarbeitergeld eine Möglichkeit darstellt.

Welche Auswirkungen hat die derzeitige Situation auf die Zukunftsplanungen?

Gröbner: Eine große. Wer etwas anderes sagt, betreibt keine Risikovorsorge. An der ein oder anderen Stelle müssen wir in den Planungen vorsichtiger und konservativer sein. Nichtsdestotrotz laufen die Planungen auf Hochtouren. Larry Mitchell spricht mit den Spielern aus dem aktuellen Kader und holt Informationen zu anderen Kandidaten ein. Wir dürfen aber nicht jeden Spielertransfer sofort tätigen, sondern müssen genau beobachten, wie sich die Krise entwickelt.

Der Etat des ERC wird sicherlich geringer ausfallen...

Gröbner: Das ist kein Geheimnis. Es kommen noch zusätzliche Parameter hinzu, die die Lage wirtschaftlich erschweren. Die Beiträge an die Berufsgenossenschaft steigen dramatisch, der Ligasponsor fällt weg. Es musste ohnehin schon vorsichtig geplant werden. Die aktuellen Geschehnisse machen es nicht einfacher. Ich sehe in der Krise aber auch eine Chance. Sie wird vorbeigehen und wir werden wieder nach vorne schauen. Darüber hinaus kann und will ich mir nicht vorstellen, dass wir nächstes Jahr kein Eishockey sehen.

Lesen Sie auch ein Interview mit Jochen Reimer


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