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ERC Ingolstadt

18.02.2020

Defensivprobleme beim ERC Ingolstadt: Hauswächter gesucht

Hinten offen: Der ERC Ingolstadt, der die Kölner Haie empfängt, will seine Defensivprobleme in den Griff bekommen.

Plus Vor dem Heimspiel gegen die Kölner Haie wird klar: Ingolstadt muss seine Abwehrschwäche in den Griff kriegen. Eine Spurensuche im dichten Statistikwald.

Doug Shedden hatte Bauchschmerzen. Weil Timo Pielmeier sich zweimal tunneln ließ. Weil Mirko Höfflin vor dem Tor seinen Kontrahenten verlor. Weil Steven Seigos Aufbaupass am Schlittschuh des gegnerischen Top-Scorers landete. Und weil Wayne Simpson – kurz vor Schluss – in der Ecke des eigenen Drittels geschlafen hatte. Sieben Gegentore in Straubing. Das entscheidende 0,9 Sekunden vor Schluss. „Es war, als hätte man uns unvermittelt in den Bauch getreten“, sagt der Coach des ERC Ingolstadt. Sein Verteidiger Colton Jobke spricht vom „schlechtesten Gefühl, das ich nach einem Spiel je hatte.“ Und der Mann hat in seiner Karriere schon neun Play-off-Ausscheiden erlebt.

Hintereinander geschnitten belegen diese Szenen, was viele schon im Sommer gemutmaßt haben: Ingolstadt ist ein Team, das vorne verzaubert, auswärts sechs Tore schießt – und trotzdem verliert. Ein Team, das mit Maury Edwards den punktstärksten Verteidiger der Deutschen Eishockey Liga (DEL) stellt, der aber immer noch bei Gleichzahl bei fünf Gegentreffern mehr auf dem Eis steht als bei eigenen geschossenen Toren (Plus-Minus-Wert: -5). Ein Team, mittlerweile sechs Punkte hinter der direkten Play-off-Quali, dessen Trainer sich fragt: „Wir haben noch sieben Spiele. Wir wissen um ihre Bedeutung. Wieso sind wir im eigenen Drittel nicht bereit?“

ERC Ingolstadt bekommt die fünftmeisten Gegentore

Eine Spurensuche führt in den dichten Wald der Eishockeystatistik. Da sind die bekannten Zahlen, klar: Die Panther bekommen die fünftmeisten Tore und gewinnen wenige Bullys. Da ist aber auch ein anderer Wert: Nur Schlusslicht Schwenningen kassiert mehr Treffer aus dem Slot. Wer nach Erklärungsansätzen fragt, erhält das Wort „müssen“ in verschiedensten Beugungen: Jobke, der die gefährliche Zone „sein Haus“ nennt, erklärt das so: „Die Abwehr muss besser mit dem verteidigenden Center kommunizieren. Wer nimmt den Gegner, der im hohen Slot steht? Und wir müssen kompakter stehen, manchmal sind wir etwas zu breit positioniert.“

Defensivprobleme beim ERC Ingolstadt: Hauswächter gesucht

Shedden analysiert: „Die Außenstürmer müssen mehr blocken, damit es überhaupt erst keine Nachschüsse gibt. Und kommt doch einer durch, muss die Abwehr den Schläger des Gegners kontrollieren. Vor 20 Jahren mussten Stürmer vor dem Tor um ihr Leben fürchten. Heute kannst du niemanden mehr in den Rücken crosschecken und all die verrückten Dinge machen.“ Sean Sullivan sagt einfach nur: „Wir müssen viel besser in unserer Zone spielen. Das wissen wir.“

Sean Sullivan absolviert Horror-Saison

Sullivan nennt sein Team stets „the boys“, die Jungs. Er ist ein netter Typ mit ansteckendem Lächeln, einem Stein im Brett der Mitspieler und einer Horror-Saison. -17 beträgt sein Plus-Minus-Wert, der zweitschlechteste ligaweit. Im Vorjahr war er mit +16 noch bester ERC-Verteidiger. Hört der 35-Jährige diese Zahlen, wirkt er frustriert: „Ich wünschte, ich wüsste, woher das kommt. Es scheint, als ob jedes Mal ein Tor fällt, wenn ich auf’s Eis gehe. Ich muss noch härter arbeiten und das aus dem Kopf bekommen.“

Man habe Sullivan, der wie Jobke noch ein Jahr Vertrag besitzt, nicht aufgegeben, ermuntert Shedden: „Es geht nicht darum, wie man eine Saison beginnt. Es geht darum, wie man sie beendet.“ Die Spielweise von Sullivan hat sich geändert. Er wird nicht mehr im Powerplay aufgestellt. Er schaltet sich seltener in Konter ein. Er schießt weniger. „Wenn man sieht, dass man bei vielen Gegentoren auf dem Eis steht, denkt man sich: Ok, ich konzentriere mich lieber auf die Defensive“, sagt er. Es gibt noch eine ungute Zahl beim ERC: -9,57, Goals Saved Above Average, kurz GSAA. Eine Statistik, die Eishockeynerds erst vor ein paar Jahren entwickelt haben. Vereinfacht gesagt: Die beiden Torhüter Jochen Reimer und Pielmeier haben zusammen fast zehn Tore mehr zugelassen, als es ein Goalie mit der DEL-Durchschnittsfangquote getan hätte. Zum Vergleich: Den Bestwert hält Düsseldorfs Mathias Niederberger mit knapp +31. „Ich hätte gerne, dass einer der beiden sich in der aktuellen Situation absetzt“, sagt Shedden.

ERC Ingolstadt: Gegner Köln kassierte 15 Pleiten am Stück

Die Chance wird im Heimspiel gegen Köln (heute, 19.30 Uhr) Reimer erhalten. Die Haie reisen demoralisiert und mit 15 Pleiten am Stück an. Für Shedden, der die Situation im Rheinland zuletzt leicht amüsiert zur Kenntnis nahm, eine gefährliche Ausgangslage: „Wenn sie in Führung gehen, fangen sie an, an sich zu glauben. Wenn sie in Rückstand geraten, denken sie sich: Es geht schon wieder los.“ Neben der Rückkehr von Mike Collins macht übrigens ausgerechnet eine Statistik Hoffnung, nach der Jobke, Sullivan und den Jungs ein ruhiger Arbeitstag bevorsteht: Köln hat den drittschlechtesten Sturm.

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