ERC Ingolstadt

08.09.2019

Ein teuer erkaufter Sieg

Der Nachfolger von Panther-Legende Thomas Greilinger? Auf Neuzugang Kris Foucault (rechts), der gegen Linz einen Hattrick erzielte, hält Panther-Headcoach Doug Shedden große Stücke.
Bild: Johannes Traub

Panther bezwingen im letzten Test vor dem DEL-Auftakt die Black Wings Linz mit 6:4, verlieren aber Stürmer Mirko Höfflin mit einem Daumenbruch

Am Ende waren die Eckdaten unbedeutend. Dass der ERC Ingolstadt am Sonntagabend seine vierte Testpartie infolge gewann – mit 6:4 (2:2, 2:2, 2:0) in einem „wilden“ Aufeinandertreffen mit dem EHC Black Wings Linz. Dass die Defensive dabei, nicht zum ersten Mal in der Vorbereitung, wacklig wirkte. Dass Neuzugang Kris Foucault drei Treffer erzielte. Was zählte, nach 60 Minuten leidlich mittelmäßigem Eishockey, war ein gequält lächelnder Mirko Höfflin, der in Anzug und bandagiertem Daumen durch den Kabinengang stapfte, während seine Teamkollegen noch unter der Dusche standen.

Vier Minuten waren im ersten und einzigen Vorbereitungs-Heimspiel der Ingolstädter gespielt, da schüttelte der Stürmer nach einem ungeahndeten Stockschlag schmerzverzerrt seine Hand, fuhr zurück zur Bank, ging von dort in die Kabine – und sollte nicht wiederkommen! Die Diagnose nach der Partie: Gebrochener Daumen, vier bis sechs Wochen Ausfallzeit. Bei der letzten Generalprobe vor der neuen DEL-Saison hatte der ERCI einen Akteur verloren, der zuletzt immer besser in Fahrt kam. „Eine klare Fehlentscheidung“, kommentierte Trainer Doug Shedden den ausgebliebenen Pfiff der Schiedsrichter und ergänzt: „Das ist schon sehr bitter für uns.“

Der Panther-Coach konnte nach der Begegnung gespaltener Meinung ob der dargebotenen Leistung seines Teams sein. Ingolstadt startete spritzig, giftig, fokussiert. In Überzahl wirbelten Mike Collins, Colin Smith und Foucault – die wohl auch gemeinsam am Saisonauftakt stürmen werden – durch das Linzer Drittel. Letzterer lauerte am langen Pfosten, traf genau diesen und konnte trotzdem jubeln, weil die Scheibe vom Rücken des Gäste-Goalies David Kickert ins Tor kullerte (7.). Neun Minuten später stocherte Brett Olson erfolgreich nach (16.). Und doch ging der anfangs überlegene ERCI nicht mit einer Führung in die Pause.

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Linz hatte dank „zweier Geschenke“, wie es Shedden später nannte, stets schnell ausgeglichen: Timo Pielmeier vertändelte die Scheibe hinter seinem eigenen Kasten, Rick Schofield traf (10.). In Unterzahl ließen seine Vordermänner dann Valentin Leiler vor dem Gehäuse mutterseelenalleine abfälschen (18.). „Wir müssen vor dem Tor besser aufräumen und weniger Konter zulassen. Aber das ist ein laufender Prozess“, gab Shedden zu Protokoll.

Gerade die Rückwärtsbewegung bereitete seiner Mannschaft, bei der Petr Taticek überzählig draußen blieb, im zweiten Abschnitt Probleme. Wieder waren die Panther zweimal in Führung gegangen. Wieder durch Foucault – einmal per Weitschuss aus der Drehung (27.), dann mit einem Abstauber nach kluger Vorlage von Brandon Mashinter (32.). Und wieder brauchten die Oberösterreicher keine drei Minuten, um eine Antwort zu geben. Beide Male trafen sie nach einem Gegenstoß per Nachschuss. Erst Marek Kalus (30.), dann Julian Pusnik mit dem dritten (!) Nachsetzer.

Den finalen Treffer der Panther konnten die Gäste dann nicht mehr kontern, dafür kam er zu spät. In der letzten Minute erzielte David Elsner nach schöner Kombination über Matt Bailey und Darin Olver den goldenen Treffer. Wayne Simpson erhöhte 1,9 Sekunden vor Schluss ins leere Tor auf 6:4 – zugleich das Ende einer durchwachsenen Vorbereitung, bei der sich der Sturm mit insgesamt 13 verschiedenen Torschützen variabel zeigte, die Abwehr aber immer wieder anfällig. „Wir haben uns am Anfang der Vorbereitung schwergetan, Tore zu schießen. Das war heute schon ziemlich gut“, sagte Foucault, der nach zurückliegenden Verletzungssorgen in den vergangenen Jahren hofft, „endlich einmal eine ganze Saison spielen zu können.“

Sein Coach sieht in seinem Neuzugang gar einen potenziellen Nachfolger von Thomas Greilinger. „Foucault hat eine Gabe: Einen großartigen, schnellen Schuss! Wir scheinen jemanden gefunden zu haben, der in Überzahl genau von dieser ’Greilinger-Position’ aus abziehen kann“, sagt Shedden. Zur selben Zeit schiebt sich ein geknickter Höfflin an ihm vorbei.

ERC Ingolstadt: Pielmeier – Edwards, Sullivan; Friesen, Wagner; Schütz, Jobke; Pruden – Detsch, Höfflin, Mashinter; Simpson, Olson, Bailey; Elsner, Olver, D’Amigo; Foucault, Smith, Collins; Wohlgemuth. – Tore: 1:0 Foucault (7./PP), 1:1 Schofield (10.), 2:1 Olson (16.), 2:2 Leiler (18./PP), 3:2 Foucault (27.), 3:3 Kalus (30.), 4:3 Foucault (32.), 4:4 Pusnik (33.), 5:4 Elsner (60.), 6:4 Simpson (60.) – Zuschauer: 1800.

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