ERC Ingolstadt

01.12.2019

Eine Panther-Hölle aus Beton

Mal wieder war für den ERC Ingolstadt in Straubing nichts zu holen: Hier stellt sich Jerry D’Amigo einem Schuss von Marcel Brandt in den Weg.
Bild: Johannes Traub

Ingolstadts Trainer Doug Shedden mag Straubing nicht. Daraus macht er keinen Hehl. Und es wird sich so schnell auch nicht ändern. Sein Team verlor mit 1:4 in Niederbayern. Mal wieder.

Straubing Keine zehn Minuten nach Abpfiff hat Doug Shedden seine Pasta schon weggelöffelt. Jetzt kaut er missmutig auf einem Zahnstocher und trabt durch den Kabinengang des Straubinger Eisstadions. Als ihm sein Trainerkollege Tom Pokel später zu einem „guten Spiel” gratuliert, verzieht der Coach des ERC Ingolstadt das Gesicht. „Kommt, lasst uns hier rausgehen”, sagt der Kanadier zu den beiden mitgereisten Reportern. Seine Mannschaft hatte soeben 1:4 (0:1, 0:1, 1:2) bei den Tigers verloren.

Shedden kommt nicht gerne nach Niederbayern. Da sind die arktischen Temperaturen in der Halle. Da ist die persönliche Bilanz dort: Seine nun vier Pflichtspiele in Straubing hat er allesamt verloren. „Ich mag den Ort nicht und ich mag die Halle nicht”, gibt er zu. Als die Panther zum letzten Mal im Stadion am Pulverturm gewannen, kam Ingolstadt als amtierender Vizemeister, leitete ein gewisser Kurt Kleinendorst – Sheddens Vor-Vor-Vorgänger – die Geschicke hinter der Bande, wirbelten längst vergessene Spieler wie Tomas Kubalik übers Eis. Im Februar 2016 war das.

ERC Ingolstadt geht früh in Rückstand

Und seitdem läuft es für den ERC in Straubing eigentlich immer gleich: Viel Kampf, viel Krampf. Defensiv aufopferungsvolle und offensiv ausschwärmende Straubinger. Ein ohrenbetäubend lauter Stadionsprecher. Deprimierende anderthalb Stunden bis nach Hause. Als klebte das alles in den Hinterköpfen, kamen die Panther schwach aus der Kabine. Fabio Wagner vergas vor dem Tor den ehemaligen Teamkameraden Kael Mouillierat. 1:0 Straubing nach nicht einmal drei Minuten. Der ERC – zum dritten Mal in Folge mit Jochen Reimer im Kasten und wieder ohne Colton Jobke (Handverletzung) und den überzähligen Petr Taticek – fing sich erst nach gut zehn Minuten und verbrachte nun mehr Zeit im Heimdrittel – ohne je wirklich gefährlich zu werden.

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Straubing hingegen nutzte sein zweites Powerplay. Wieder war ein Ex-Panther beteiligt: Benedikt Kohl verzog zwar, doch neben dem Tor lauerte Antoine Laganière und staubte zum 2:0 ab (26.). Nun hatte Straubing wieder Aufwind. Die Hälfte war gespielt, da knallte ein Schuss von Stefan Loibl an den Pfosten und leitete einen quälend langen Wechsel für die Panther ein. Wie die Hyänen bissen sich die Gastgeber im ERC-Drittel fest. Ingolstadt warf alles hinein, raffte sich wieder auf, schleppte sich erschöpft über das Eis. Erst Darin Olver, dann Fabio Wagner, dann Hans Detsch. Die rettende Bank mit den bangenden Mitspielern: gefühlte 300 Meter entfernt. Zweieinhalb Minuten ging das so. Dann endlich begrub Reimer die Scheibe unter sich.

Trainer Doug Shedden kritisiert sein Team

Im eigenen Drittel zog sich Straubing geschickt vor seinen eigenen Kasten zurück, der Torraum war dicht. Zwar überwand der potente Panther-Sturm, immerhin mit 23 Treffern in den vergangenen vier Partien, immer wieder schnell die neutrale Zone, doch dann war Schluss. „Wir haben keinen Weg gefunden, da durchzukommen. Straubing stand teilweise mit vier Mann an der blauen Linie”, analysierte ERC-Stürmer Mirko Höfflin, der dann selbst aber doch irgendwie ein Mittel gegen die Tigers-Defensive fand. Sekunden zuvor war er noch alleine vor Goalie Jeff Zatkoff gescheitert, dann parkte Höfflin seinen Körper im Slot, wartete, bis Sturmpartner Tim Wohlgemuth schoss, drehte sich, staubte ab und fuhr zum Jubeln (47.). Die Freude bei den etwa 350 mitgereisten Schlachtenbummlern hielt genau 104 Sekunden. Dann konnte Reimer eine Scheibe nicht festhalten. TJ Mulock schob zum 3:1 ein (49.).

Ingolstadt rannte vergeblich gegen die Niederlage an. 3:21 vor Schluss verließ Reimer vorzeitig sein Gehäuse. Doch Mike Collins vergaß in der Rückwärtsbewegung die Scheibe, Sandro Schönberger stocherte den Puck von der blauen Linie zum 4:1 ins leere Tor (57.). Einmal mehr keine Punkte für Shedden im verfluchten Straubing.

Draußen vor dem provisorischen Pressecontainer – der Pulverturm ist derzeit nicht nur betongewordene Panther-Hölle, sondern auch Baustelle – musste die Luft deshalb nochmals raus. Die Kampfbereitschaft? „Schrecklich!” Die vierte Linie um Olver, Hans Detsch und Brandon Mashinter? „Furchtbar!” Eine klassische Shedden-Analogie durfte zum Schluss auch nicht fehlen: „Wir sind für Straubing wie chinesisches Essen. Immer, wenn wir gegen sie spielen, würden sie zehn Minuten danach am liebsten gleich noch mal antreten. Weil sie uns immer besiegen.”

ERC Ingolstadt Reimer – Wagner, Koistinen; Edwards, Sullivan; Friesen, Schütz; Pruden – Simpson, Olson, Collins; Foucault, Bailey, D’Amigo; Höfflin, Wohlgemuth, Elsner; Detsch, Olver, Mashinter – Tore 1:0 Mouillierat (3.), 2:0 Laganière (26./PP), 2:1 Höfflin (47.), 3:1 Mulock (49.), 4:1 Schönberger (57./EN) – Zuschauer 4851.

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