1. Startseite
  2. Sport
  3. Eishockey
  4. ERC Ingolstadt
  5. Interview: Philipp Grubauer feiert mit Ivanka Trump

NHL-Eishockey

14.06.2018

Interview: Philipp Grubauer feiert mit Ivanka Trump

Am Ziel seiner Träume angekommen: Der deutsche Nationaltorhüter der Washington Capitals, Philipp Grubauer, reckt stolz den Stanley-Cup in die Höhe.
Bild: imago

Philipp Grubauer von den Washington Capitals ist der erste deutsche Eishockey-Torhüter, der den Stanley Cup gewinnt. Er spricht über den Feier-Marathon und einen möglichen Besuch im Weißen Haus.

Herr Grubauer, haben Sie mit einigen Tagen Abstand bereits realisiert, was am Abend des 7. Juni mit Ihnen und den Washington Capitals passiert ist?

Philipp Grubauer: Noch nicht wirklich! Dass wir tatsächlich den Stanley Cup gewonnen haben, fühlt sich nach wie vor wie ein großer Traum an. Sowohl als Kind als auch in seiner weiteren Karriere träumt man eigentlich jeden Tag davon, dass man diesen Cup irgendwann einmal in seinen Händen hält. Was wir mit dieser Mannschaft letztlich geschafft haben, kann man momentan noch gar nicht realisieren beziehungsweise in Worte fassen.

Welche Gedanken sind Ihnen durch den Kopf gegangen, als Sie den Stanley Cup nach dem gewonnenen fünften Final-Spiel gegen die Vegas Golden Knights auf der Eisfläche in den Händen hielten?

Grubauer: (überlegt) In diesem Augenblick kommt irgendwie alles zusammen. Die vielen harten Jahre, die man sich durch alle Ligen bis hinauf in die NHL gekämpft und gearbeitet hat. Und wenn du dieses Ding dann tatsächlich nach oben stemmst, fällt zu diesem Zeitpunkt alles von dir ab. Dieser unglaubliche Glücksmoment lässt sich gar nicht richtig in Worte fassen.

Können Sie beschreiben, wie die vergangenen Tage im Leben des Philipp Grubauer abgelaufen sind?

Grubauer: (lacht) Oh, das wird schwierig! In den zurückliegenden fünf Tagen waren wir eigentlich permanent unterwegs. Ich bin in diesem Zeitraum nur ein- oder zweimal kurz nach Hause gekommen, um für drei oder vier Stunden zu schlafen. Das Ganze hat damit begonnen, dass wir unmittelbar nach dem Gewinn zuerst durch ein Casino in Las Vegas gezogen sind und dann weiter in einem Nachtklub gefeiert haben. Danach ging es zurück nach Washington, wo die Party unentwegt weiterging. Wir wurden beim Baseball gebührend empfangen, Ivanka Trump hat ordentlich mit uns gefeiert, ehe dann am Dienstag noch die große Parade in der Innenstadt von Washington vor mehreren hunderttausend Leuten auf dem Programm stand. Das alles war schlichtweg genial und unvergesslich.

Was war denn nun anstrengender: Sich den Stanley-Cup in einer Finalserie gegen Las Vegas zu sichern oder der anschließende Feier-Marathon?

Grubauer: (lacht) Es war schon schwieriger, den Cup zu gewinnen. Wenn du einen solchen Erfolg einfahren willst, dann muss man als Mannschaft zwei oder zweineinhalb Monate – wie lange die Playoffs eben dauern – nahezu perfekt spielen und ständig an seine Grenze gehen. Man darf überhaupt keinen Aussetzer haben. Jedes Detail auf dem Eis wird auf einmal enorm wichtig. Die ganzen Feierlichkeiten hinterher waren so etwas wie der verdiente Lohn.

Ihr Kapitän Alexander Ovechkin ist dieser Trophäe seit 2005, als er in die NHL kam, bislang erfolglos hinterhergejagt. Wie haben Sie ihn speziell in der Finalserie wahrgenommen? Hat er sich auf irgendeine Art und Weise verändert?

Grubauer: Ich würde sagen, dass sich im Grunde genommen die ganze Mannschaft diesbezüglich verändert hat. Es ist ja nicht nur ein Spieler, der sagt: Ok, jetzt lege ich nochmals eine Schippe drauf und dann gewinnen wir den Cup. Der Großteil unserer Truppe ist ja schon seit drei, vier Jahren zusammen. Und in diesem Zeitraum haben wir schon immer versucht, den ganz großen Coup zu landen – was nicht wirklich einfach ist! Um so beeindruckender war es dann zu sehen, wie wir uns nun in den entscheidenden Phasen auf und neben dem Eis gegenseitig unterstützt haben, um uns diesen gemeinsamen Traum zu erfüllen.

Viel Lob gab es während den Playoffs auch für Ihren Kollegen Braden Holtby, mit dem Sie seit 2015 das Torhüter-Duo der Capitals bilden. Sie haben sich während der Punktrunde mit starken Leistungen gegenseitig gepusht und Holtby sogar zwischenzeitlich den Rang abgelaufen. Wie wichtig war diese Konstellation auf dem Weg zum Stanley Cup?

Grubauer: Nun, bei diesem „Pushen“ geht es ja nicht bewusst darum, den anderen zu verdrängen beziehungsweise auf die Bank zu schicken. Wir arbeiten beide in jeder Trainingseinheit hart daran, uns ständig zu verbessern. Braden fokussiert sich dabei auf sein Ding und ich auf meines. Wir sind uns freilich beide bewusst, dass wir ständig Leistung bringen müssen. Klar, von außen sieht es sicherlich so aus, dass wir uns diesbezüglich ständig „pushen“ würden – aber das ist letztlich nicht der Fall. Man schaut, wie gesagt, einzig und alleine auf seine eigene Leistung. In den vergangenen drei Jahren hat das bei Braden und mir sehr gut gepasst. Mal schauen, wie das in Zukunft weitergeht.

Immer ein toller Gesprächspartner: Unser Sportredakteur Dirk Sing (rechts) traf Philipp Grubauer (links) zuletzt im Januar am Rande der NHL-Partie in Florida.
Bild: Dirk Sing

Bei den Olympischen Spielen in Pyeongchang, als das deutsche Team sensationell Silber gewann, konnten Sie als NHL-Profi nicht teilnehmen. Ist der jetzige Gewinn des Stanley Cups für Sie persönlich so etwas wie eine Art „Wiedergutmachung“?

Grubauer: (überlegt) Der Begriff „Wiedergutmachung“ trifft es jetzt vielleicht nicht ganz. Ich habe mir in der Tat jedes Match unserer Jungs bei den Olympischen Spielen im Internet angeschaut und habe mich für sie und auch das deutsche Eishockey allgemein riesig gefreut. Wie das Ganze gelaufen wäre, wenn die NHL-Akteure bei allen Nationen dabei gewesen wären? Keine Ahnung! Natürlich wäre ich auch sehr gerne dabei gewesen. Auf der anderen Seite hat es aber auch für die Jungs die Türe geöffnet, die ansonsten möglicherweise nicht diese einmalige Chance bekommen hätten. Auch für diese Spieler habe ich mich sehr gefreut.

Sie sind im Übrigen der erste deutsche Torhüter in der NHL-Historie, der mit seinem Team den Stanley Cup gewinnt. Was bedeutet Ihnen dieser Eintrag in die Geschichtsbücher?

Grubauer: Zunächst einmal ist es natürlich immer etwas ganz Besonderes, diese Trophäe zu holen. Und dass ich jetzt auch noch der erste deutsche Torwart bin, ist sicherlich nochmals ein kleines „Zuckerl“ obendrauf. Aber im Endeffekt wäre es mir letztlich auch egal gewesen, ob ich der zweite, dritte oder vierte deutsche Goalie gewesen wäre. Wichtig ist nur, dass man den Cup überhaupt gewinnt und in seinen Händen hält. In den vorangegangenen beiden Jahren ist das ja Tom Kühnhackl mit den Pittsburgh Penguins gelungen – jetzt mir mit den Caps! Es wäre schön, wenn das 2019 erneut einem deutschen Spieler gelingen würde. Auf das Eishockey in Deutschland hätte das sicher auch einen positiven Einfluss.

Um kurz beim Thema „Deutsches Eishockey“ zu bleiben: Mit Dominik Kahun (München/Chicago Blackhawks), Yasin Ehliz (Nürnberg/Calgary Flames) und Brooks Macek (München/Vegas Golden Knights) wechseln in der neuen Saison drei deutsche Nationalspieler nach Nordamerika. Wie nehmen Sie diese Entwicklung wahr?

Grubauer: Das ist einfach super! Je mehr Deutsche in der NHL aktiv sind, umso größer wird auch der Hype und das Interesse in Deutschland am Eishockey allgemein. Aber auch rein sportlich betrachtet, entstehen dadurch nur Vorteile. Momentan sind wir ja leider noch nicht so viele Deutsche. Wenn sich das jetzt ändert, wird davon natürlich auch die Nationalmannschaft extrem profitieren. Ich freue mich jedenfalls extrem für diese Jungs, dass sie nun die Chance hier bekommen.

Zurück zur Gegenwart: In den USA ist es üblich, dass der Präsident die jeweiligen Sieger der US-Profisport-Ligen als Zeichen der Wertschätzung ins Weiße Haus einlädt. Seit der Wahl von Donald Trump hat sich einiges verändert. Das Football-Team der Philadelphia Eagles wurde von Trump ausgeladen, während der NBA-Champion Golden State Warriors wie schon im Vorjahr von sich aus wohl erneut auf einen Besuch verzichtet. Gab es im Team der Washington Capitals schon Diskussionen, ob man eine Einladung annehmen wird?

Grubauer: Wir haben während den Feierlichkeiten Ivanka Trump schon mal danach gefragt, aber sie hat uns noch keine konkrete Antwort geben können. Natürlich bekommt man die von Ihnen beschriebenen Situationen wie Ausladungen oder nicht angenommene Einladungen aus politischen Gründen mit. Die Entscheidung, ob und in welcher Konstellation wir letztlich hingehen werden, wird dann innerhalb des Teams getroffen, wenn wir tatsächlich eine Einladung vom US-Präsidenten erhalten haben.

Eine schöne Tradition innerhalb der NHL ist es, dass jedes Team-Mitglied des aktuellen Stanley-Cup-Siegers einen Tag mit dem Pokal verbringen darf. Haben Sie sich schon Gedanken gemacht, wo und wie Sie diesen „Ehrentag“ verbringen werden?

Grubauer: Nachdem das Ganze organisatorisch doch ziemlich anspruchsvoll ist, wissen wir jetzt noch nicht genau, wann das der Fall sein wird. Ich werde ihn aber definitiv in meine bayerische Heimat nach Rosenheim kommen lassen, wo es dann sowohl einen öffentlichen – voraussichtlich im dortigen Eisstadion – als auch familiären Part geben wird.

Themen Folgen

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

Lesen Sie dazu auch
Copy%20of%20Ehliz.tif

Vier Deutsche wechseln in NHL

ad__nl-chefredakteur@940x235.jpg

SECHS UM 6: Unser neuer Newsletter

Die sechs wichtigsten Neuigkeiten um 6 Uhr morgens sowie ein Ausblick auf den
aktuellen Tag – Montag bis Freitag von Chefredakteur Gregor Peter Schmitz.

Newsletter bestellen