Newsticker

Spahn mit Corona infiziert - Kabinett muss nicht in Quarantäne
  1. Startseite
  2. Sport
  3. Eishockey
  4. ERC Ingolstadt
  5. Larry Huras: „Manny Viveiros wäre eine sehr gute Wahl“

ERC Ingolstadt

27.04.2015

Larry Huras: „Manny Viveiros wäre eine sehr gute Wahl“

Verabschiedete sich am Sonntag auf dem Ingolstädter Rathausplatz von den Panther-Fans: der scheidende Headcoach Larry Huras.
Bild: Dirk Sing

Larry Huras verlässt den ERC Ingolstadt. Im Interview spricht der scheidende Panther-Trainer über den zurückliegenden Saisonverlauf, Vertragsgespräche und seinen designierten Nachfolger.

Larry Huras hat hohe Ansprüche an sich und seine Mannschaft. Auch einige Tage nach dem verlorenen Finale gegen die Adler Mannheim (2:4 in der Serie) war dem (Ex-) Trainer des ERC Ingolstadt die Enttäuschung immer noch anzumerken. „Ich bin stolz darauf, wie sich das Team in den vergangenen Monaten entwickelt hat – aber gleichzeitig auch traurig, dass wir den Meisterpokal nicht nach Ingolstadt holen konnten. Für mich persönlich überwiegt Letzteres“, so der 59-jährige Kanadier, der in der kommenden Saison den schwedischen Erstligisten MoDo trainieren wird. Am Rande der Saisonabschlussfeier auf dem Rathausplatz traf sich die Neuburger Rundschau mit Huras zum ausführlichen Interview.

Herr Huras, lassen Sie uns nochmals auf die Finalserie gegen Mannheim zurückblicken. Mit etwas Abstand betrachtet: Warum hat es letztlich nicht mit der Titelverteidigung geklappt?

Huras: Ich denke, dass das vierte Match sicherlich ein Schlüsselmoment war. Nach dem 6:1-Sieg im dritten Spiel hatten wir zunächst einen freien Tag und anschließend eine Trainingseinheit in München. In dieser Zeit haben vier oder fünf Spieler den absoluten Fokus und letzten Biss, den es benötigt, irgendwie verloren. Wenn man gegen eine Mannschaft wie die Adler gewinnen will, dann müssen ausnahmslos alle Akteure am äußersten Limit spielen – eben so, wie wir es in den ersten drei Partien gemacht haben. In den letzten beiden Begegnungen war es dann wieder deutlich besser. Am Ende haben dann Kleinigkeiten über Sieg und Niederlage entschieden. Aber so ist Playoff-Eishockey.

Stichwort „Letzter Biss“: Während die Panther als Titelverteidiger in diese Serie gegangen sind, lag Mannheims letzte Meisterschaft bereits acht Jahre zurück. Waren die Adler am Ende möglicherweise einen Tick „erfolgshungriger“ als Ihr Team?

Huras: Ja, klar! In einer solchen Situation hat immer die Mannschaft einen Vorteil, die letztlich etwas erfolgshungriger ist. Dass wir dieses Endspiel zu unseren Gunsten entscheiden wollten, steht außer Frage. Ich habe während der Serie zu meinen Jungs mal gesagt: Wenn wir in jedem Match so auftreten, wie es Christoph Gawlik in jedem seiner Wechsel vorlebt, dann gewinnen wir auch diese Serie! Allerdings hat sicher beim einen oder anderen Akteur im Hinterkopf gesteckt, dass man amtierender Meister ist und dieses Finale gewinnen kann. Bei den Adlern war das schon ein bisschen anders. Sie hatten den Druck, gewinnen zu müssen. Ich würde niemals behaupten, dass wir diese Serie abgegeben hätten. Ganz im Gegenteil. Aber dieser letzte Biss und Wille, beispielsweise vor dem gegnerischen Tor, ist definitiv einen Tick ausgeprägter, wenn der Erfolgshunger etwas größer als bei deinem Kontrahenten ist.

Sie haben den ERC Ingolstadt zu Saisonbeginn 2014/2015 als amtierenden deutschen Meister übernommen. Wie schwierig war es, bei Ihren Spielern die richtige Einstellung nach diesem sensationellen Erfolg zu finden?

Huras: Nun, mein großer Vorteil war, dass ich eine solche Situation schon gekannt habe. Als ich beispielsweise im Jahr 2000 zum zweiten Mal zu den ZSC Lions gegangen bin, habe ich meinen Vertrag im Januar unterschrieben. Zu diesem Zeitpunkt stand das Team auf Rang sechs und wurde am Ende überraschend Meister. Auf Ingolstadt bezogen: Wir hatten hier anfangs vier, fünf Jungs, die hatten immer noch ihr ’Honeymoon-Face’ nach dem Meister-Blues (lacht). Daher musste ich schon die eine oder andere harte Entscheidung treffen, damit diese Spieler unter Druck realisieren, dass eine neue Saison begonnen hat und man wieder sehr intensiv und hart arbeiten muss.

Welche Erfahrungen nehmen Sie aus diesem einen Jahr beim ERC Ingolstadt beziehungsweise in der Deutschen Eishockey-Liga mit?

Huras: Eigentlich nur positive! Im Grunde haben sich meine Eindrücke, die ich bereits bei meinem kurzen Intermezzo im vergangenen Jahr in München (Huras arbeitete einige Wochen als „Berater“ des damaligen Cheftrainers Pierre Page, Anm. d. Red.) gewonnen habe, bestätigt: Die Spielqualität ist sehr gut und hat sich in den vergangenen zehn Jahren enorm entwickelt. Die DEL ist insgesamt viel schneller geworden. Etwas enttäuscht war ich dagegen von unserem Abschneiden in der Champions-League. Allerdings muss ich auch sagen, dass diese Spiele für uns einfach zu früh kamen. Wir hatten eine neue Mannschaft, ein neues System – da war es fast klar, dass es auf diesem hohen Niveau Probleme geben würde. Man kann nicht innerhalb von zwei Wochen mit einem neuen Trainer und einem neuen Team derart wettbewerbsfähig sein. Würden wir dagegen jetzt in die neue Champions-League-Runde starten, wäre ich wesentlich optimistischer. Aus diesem Grund bin ich schon ein bisschen enttäuscht, dass ich leider nicht die Möglichkeit habe, mit dieser Mannschaft dort einen erneuten Anlauf unternehmen zu können.

Konkret gefragt: Kam die Entscheidung, den ERC Ingolstadt nach nur einer Spielzeit wieder zu verlassen, von Ihnen oder vonseiten des Vereins?

Huras: Ich kann nur sagen, dass ich und meine Familie sehr gerne in Ingolstadt geblieben wären. Meine Frau Julie ist ebenfalls sehr enttäuscht, dass wir nicht hier bleiben können, da sie sich in Ingolstadt sehr wohlgefühlt hat. Grundsätzlich ist eine solche Trainer-Entscheidung sicherlich auch für den Verein nicht einfach. Von meiner Seite aus wäre ich bereits im Januar bereit gewesen, meinen Vertrag zu verlängern. Zu diesem Zeitpunkt wurde mir dann gesagt, dass der Klub bis zum Ende der Hauptrunde warten und erst dann darüber sprechen möchte. Das habe ich jedoch abgelehnt, da ich mich während der Playoffs ausschließlich auf Eishockey konzentrieren wollte. Ich habe den Verantwortlichen daraufhin gesagt: Macht mir ein Angebot bis Mitte Februar, dann bekommt ihr eine Woche später meine Antwort!

Haben Sie ein solches Angebot dann bekommen?

Huras: Als es dann soweit war, hat mir der Verein mitgeteilt, dass man erst nach den Playoffs verhandeln wolle. Damit war eigentlich fast klar, dass ich dann wohl nicht mehr zu haben sein würde, da ich drei Angebote von sehr guten Klubs auf dem Tisch liegen hatte. Zwar hat der ERC Ingolstadt zu keinem Zeitpunkt gesagt: Ok, Larry verlässt uns! Nachdem mir aber auch nie signalisiert wurde, mich halten zu wollen, habe ich mich für eine dieser drei Offerten entschieden. Aber das ist Profisport! Natürlich bin ich enttäuscht, aber gleichzeitig auch stolz, was wir in dieser Saison mit der Mannschaft erreicht haben. Zudem bin ich den Verantwortlichen um Jürgen Arnold (Beiratsvorsitzender), Claus Gröbner (Geschäftsführer) und Jiri Ehrenberger (Sportdirektor) dankbar, dass sie mir diese Chance in Ingolstadt gegeben haben. Wir haben die meiste Zeit sehr gut zusammengearbeitet – und auch die Mannschaft hat ein sehr attraktives Eishockey geboten.

Wenn man die abgelaufene Saison nochmals rückblickend betrachtet: Gerade in der ersten Hälfte haben die jungen Spieler wie Fabio Wagner, Stephan Kronthaler und Marc Schmidpeter viel Eiszeit erhalten. Warum war dies ab Ende Dezember/Anfang Januar dann nicht mehr der Fall?

Huras: Nun, zum einen hatten wir in der ersten Phase ziemliches Verletzungspech. Zum anderen haben wir uns im Sommer entschieden, mit lediglich acht Ausländern zu starten. Davon haben vor allem Wagner und Kronthaler profitiert. Doch irgendwann in einer Saison kommt der Zeitpunkt, an dem man sich entscheiden muss: Wollen wir eine echte Spitzenmannschaft werden oder nicht? Aus diesem Grund haben wir im Dezember mit Alexandre Picard einen Verteidiger sowie kurz vor den Playoffs einen weiteren Stürmer mit Brendan Brooks verpflichtet. Trotz allem würde ich behaupten, dass unsere jungen Akteure einen großen Schritt nach vorne gemacht haben. Ärgerlich war hingegen die Tatsache, dass diese Jungs in den Playoffs nicht in Landshut spielen durften, da sie dort in der Hauptrunde nicht auf 20 Einsätze gekommen sind. Diese Regelung ist falsch und muss unbedingt geändert werden. Abgesehen davon wäre es ohnehin mein Plan gewesen, die Panther-Mannschaft in der kommenden Saison weiter zu verjüngen.

Ist es denn aus Ihrer Sicht grundsätzlich möglich, mehr als zwei junge Akteure in einer Saison dauerhaft im Team zu integrieren?

Huras: Ich denke, wenn man es schafft, in jedem Jahr ein Talent fest einzubauen, dann hat man viel erreicht. Man darf bei allem nicht vergessen, welche Ansprüche ein Verein hat. Beim ERC Ingolstadt lautet dieser, mit an der Spitze zu sein. Ein Klub wie Schwenningen, Straubing oder Augsburg tut sich dabei wesentlich einfacher, da dort eine andere Erwartungshaltung vorherrscht. Als Trainer stehst du immer etwas zwischen den Stühlen. Du musst immer mit dem kurzfristigen Erfolg sowie gleichzeitig dem Einbau junger Talente jonglieren und die richtige Mischung finden. Das ist keine einfache Aufgabe.

Ihr bisheriger Assistenzcoach Emanuel „Manny“ Viveiros soll am Mittwoch bei der Pressekonferenz als neuer Cheftrainer der Panther und damit als Ihr Nachfolger vorgestellt werden. Eine gute Wahl vonseiten des ERCI?

Huras: Ich denke, Manny hat in der Vergangenheit schon mehrfach bewiesen, dass er ein sehr guter Trainer ist. Als ich selbst in Villach tätig war, bin ich mit meinem Team auf das von Manny (Klagenfurt, Anm. d. Red.) getroffen. Sicherlich hat man nicht immer bis ins kleinste Detail die gleiche Ansicht. Das geht auch gar nicht. Aber von unserer Grund-Philosophie und Spielidee her, sind wir der absolut gleichen Meinung: Wir wollen schnelles, aggressives und attraktives Eishockey bieten. Von dem her denke ich schon, dass Manny eine sehr gute Wahl wäre, da er diesen Weg, den wir eingeschlagen haben, perfekt weiterführen könnte.

Lassen Sie uns abschließend noch über Ihre neue Aufgabe beim schwedischen Erstligisten MoDo sprechen: Was reizt Sie an dieser Herausforderung?

Huras: Den ersten Kontakt mit MoDo gab es bereits vor sechs Jahren. Damals habe ich mich aber für ein Engagement beim SC Bern entschieden. Dass ich nun erneut ein Angebot von dieser Organisation bekommen habe, freut mich sehr. Es ist gleich in mehrerlei Hinsicht eine riesige Herausforderung. Zum einen bin ich nicht nur der erste kanadische Trainer in der Geschichte von MoDo, sondern auch der erste nordamerikanische Coach in den letzten 15 oder 20 Jahren in Schweden. Von dem her werden sicherlich viele meiner Kollegen aus den USA und Kanada das mitverfolgen und mir die Daumen drücken. Sollte dieses ’Experiment’ funktionieren, könnte es den Weg für weitere nordamerikanische Trainer in Schweden ebnen.

Nachdem das schwedische Eishockey eher defensiv ausgerichtet ist, Sie aber für einen attraktiven, offensiven Stil stehen: Kommt Ihre Verpflichtung nicht einer kleinen Revolution gleich?

Huras: Oh ja, auf alle Fälle. Momentan gibt es in Schweden eigentlich nur eine Mannschaft, die einen ähnlichen Stil pflegt wie wir in Ingolstadt – und das ist Lulea! Der Sportdirektor von MoDo hat einige Partien in dieser Saison vom ERC Ingolstadt gesehen und war begeistert. Nachdem auch die ehemaligen MoDo- und NHL-Stars Markus Näslund und Peter Forsberg in diesem Klub etwas zu sagen haben und ebenfalls diesen Spielstil bevorzugen, ist es für mich schon eine gewisse Auszeichnung, dass man sich letztlich für mich als neuen Trainer entschieden hat.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren