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ERC Ingolstadt

03.04.2019

Larry Mitchell: „Cannone war die schwerste Entscheidung“

Schwere Aufgabe: Panther-Sportdirektor Larry Mitchell (links) muss in der Sommerpause die große Lücke, die ERCI-Legende Thomas Greilinger (rechts) hinterlässt, entsprechend schließen.
Bild: Johannes Traub

Der Panther-Sportdirektor blickt im NR-Interview auf die abgelaufene Saison zurück und erklärt, warum Tyler Kelleher, Ryan Garbutt und Pat Cannone künftig nicht mehr für den ERC Ingolstadt auflaufen werden

Herr Mitchell, wenn Sie die komplette DEL-Saison 2018/2019 betrachten: Welche Schulnote würden Sie dem ERC Ingolstadt geben?

Mitchell: Wenn man nach der Hauptrunde zu den „Top Sechs“ gehört, muss man das sicherlich positiv sehen. Wie schmal der Grad zu den „Top Vier“-Teams, zu denen ich uns noch nicht ganz zähle, ist, hat man in den Viertelfinal-Serien zwischen Augsburg und Düsseldorf sowie Köln und uns gesehen, die beide über sieben Spiele gegangen sind. Natürlich hätten wir auch den Halbfinal-Einzug schaffen können. Wenn man mit 3:1 Siegen führt und trotzdem noch ausscheidet, ist das für mich auch einige Tage danach immer noch enttäuschend. Insgesamt betrachtet, würde ich sagen, dass die Benotung irgendwo zwischen „Zwei“ und „Drei“ liegt.

Das grundsätzliche Ziel eines jeden Teams ist es, sich im Vergleich zur Vorsaison immer zu verbessern. In welchen Bereichen ist dies den Panthern im Vergleich zur Spielzeit 2017/2018 gelungen?

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Mitchell: Ein wichtiger Punkt vor dieser Saison war, dass unser Headcoach Doug Shedden mehr Tiefe im Kader haben wollte. Und ich denke auch, dass wir das zu 100 Prozent in die Tat umgesetzt haben – was sich schon allein daran zeigt, dass Petr Taticek unser 14. Stürmer war und die Position des 13. Angreifers mehrfach gewechselt hat. Die Hälfte unserer Tore in den Play-offs wurden von Brandon Mashinter (vier), Tim Wohlgemuth und David Elsner (jeweils drei) erzielt. Auch das bestätigt diese Tiefe im Team.

Wo konnte dieses Vorhaben hingegen nicht wie erhofft umgesetzt werden?

Mitchell: Nun, ich habe ja bereits im vergangenen Jahr gesagt, dass es immer schwerer wird, einen Stürmer mit „Torgarantie“ zu verpflichten, da wir finanziell in der DEL leider nicht die erste Geige spielen. Wir haben daher versucht, wieder etwas „Neues“ zu verpflichten. Letztlich kann man sagen, dass uns das zumindest halbwegs gelungen ist. Wenn wir das Beispiel Pat Cannone nehmen: Er hat im letzten Viertel der Hauptrunde starke Leistungen abgeliefert – auf die gesamte Saison bezogen allerdings nicht. Unser Ziel war, dass wir gerade mit der ersten Sturmreihe mehr Torgefahr als zuvor ausstrahlen wollen. Gerade auf die Play-offs bezogen, hat das leider nicht geklappt.

Sowohl in der vorangegangenen Saison (1:4 gegen Mannheim) als auch in dieser (3:4 gegen Köln) musste sich der ERC Ingolstadt jeweils im Viertelfinale der Play-offs geschlagen geben. Welches „Aus“ war schmerzvoller?

Mitchell: Definitiv gegen Köln! Die Adler waren uns seinerzeit einfach überlegen beziehungsweise der falsche Gegner zum falschen Zeitpunkt. Was diese Saison betrifft: Man muss ein fairer Verlierer sein und sagen, dass die Haie am Ende um ein Tor besser waren. Wenn man nach dieser Serie alle Akteure von Köln oder Ingolstadt gefragt hätte, welches Team leistungsmäßig besser war, hätte sich wohl kaum festlegen können. Und daher ist es für mich schon bitter, weil das Weiterkommen zum Greifen habe war.

Die Panther haben die ersten beiden Partien gewonnen und dabei auch gute Leistungen abgeliefert! Können Sie sich erklären, was danach passiert ist?

Mitchell: Grundsätzlich denke ich, dass Köln besser geworden ist. Ich würde auch nicht mal sagen, dass wir schlechter geworden sind, sondern es einfach nicht geschafft haben, unsere Leistung konstant abzurufen. Ein gutes Beispiel ist die sechste Partie: Nachdem wir das erste Drittel völlig verschlagen haben, hat das Team danach sein bestes Eishockey gezeigt. Ich habe am Montag bei den obligatorischen Spieler-Meetings viele Jungs auch gefragt, warum ihrer Meinung nach diese Serie noch gekippt ist. Die meisten hatten darauf auch keine Antwort und waren ratlos. Was man aber sicherlich sagen kann und Doug Shedden während dieser Serie auch mehrfach betont hat: Die Schlüsselspieler der Haie waren besser und effektiver als unsere.

Thomas Greilinger war mit sieben Punkten (zwei Tore, fünf Assists) der zweitbeste Scorer der Panther in den Play-offs! Spricht das eher für die Qualitäten des bald 38-Jährigen oder gegen die angedachten Schlüsselspieler, die deutlich dahinter blieben?

Mitchell: In erster Linie spricht das sicher für ’Greile’. Ihn sollte man niemals unterschätzen, da er das Jahr für Jahr in der DEL bewiesen hat. Wir haben in dieser Saison 15 Treffer von ihm erwartet – und die hat er letztlich auch geschossen. Ich denke daher, dass man diesbezüglich nicht zu sehr auf den anderen Akteuren herumhacken sollte. ’Greile’ hat die Fähigkeit, auch dann Partien in der Verlängerung zu entscheiden, wenn er mal keinen guten Tag hat.

Haben Sie schon eine Erklärung gefunden, warum sich(erhoffte) Leistungsträger wie Mike Collins, der ja immerhin teaminterner Topscorer der Hauptrunde war, Pat Cannone oder Jerry D’Amigo in den Play-offs derart schwergetan haben?

Mitchell: Nun, ich hatte mit Mike während den Play-offs ein Vier-Augen-Gespräch. Er war zu diesem Zeitpunkt bereits selbst verzweifelt, weil er seine gewohnte Leistung einfach nicht bringen konnte. Den Vorwurf, dass uns in dieser Saison der oder die Torjäger gefehlt hätten, würde ich so nicht stehen lassen. Mike war in der Vorrunde einer von nur zwölf Akteuren, die die 20-Tore-Marke geknackt haben. Auch D’Amigo war mit 18 Treffern davon nicht weit entfernt. Hinzu kamen David Elsner (15) und Thomas Greilinger (13). Wir hatten also schon Stürmer, die wissen, wo das gegnerische Gehäuse steht. Natürlich haben uns dann in den Play-offs die Tore eines Collins oder D’Amigo gefehlt. Wenn ich aber genau gewusst hätte, woran das liegt, hätte ich das den Jungs sofort gesagt.

Andere Akteure aus der „zweiten Reihe“ wie Brandon Mashinter oder Tim Wohlgemuth sind dafür in die Bresche gesprungen. Wer hat Sie in den Play-offs am positivsten überrascht?

Mitchell: Klar, die einfachste Antwort wäre Tim Wohlgemuth! Wenn man aber die gesamte Saison betrachtet, hat er sich sehr gut entwickelt. Timmy hatte im Grund nur eine schlechte Phase in dieser Spielzeit – und das waren die drei Wochen nach der U20-WM! Danach ist er immer stärker geworden. Klar konnte man nicht erwarten, dass er in seiner ersten DEL-Saison gleich drei Treffer in den Play-offs erzielt. Eine große Überraschung ist seine Leistung für mich jedoch nicht.

Lassen Sie uns nach vorne blicken: Worauf werden Sie bei der Kader-Planung 2019/2020 Ihr Hauptaugenmerk legen?

Mitchell: Aufgrund der Tatsache, dass man immer mehr U23-Spieler benötigt, ist es mir wichtig, mindestens einen weiteren zu verpflichten. Dabei tendiere ich eher zu einem Verteidiger. Nachdem Tim Wohlgemuth – vorausgesetzt, er bringt seine Leistung, im Sturm gesetzt ist, würde ich es begrüßen, wenn es in der Verteidigung einen Konkurrenzkampf mit Simon Schütz um den zweiten Platz gäbe. Da Benedikt Kohl bekanntlich den Verein verlässt, wäre es aus unserer Sicht sehr gut, wenn ’Schützi’ diese Position übernehmen könnte. Das würde ich mir wünschen.

Wie sieht es im Angriff aus?

Mitchell: Wir brauchen sicherlich zwei oder drei deutsche Akteure, die dort eine gute Rolle übernehmen können. Mit Mirko Höfflin haben wir ja bereits einen verpflichtet. Da Mirko in der vergangenen Saison Topscorer in Schwenningen war, traue ich ihm auch bei uns einiges zu. Es wäre aber dennoch fahrlässig, wenn wir uns nicht nach einem weiteren Deutschen umschauen würden, der entsprechend produzieren kann – speziell mit dem Abgang von ’Greile’ im Hinterkopf!

Nach Informationen unserer Zeitung soll Daniel Sparre (Wolfsburg) ein heißer Kandidat sein. Können Sie das bestätigen?

Mitchell: Nun, Sparre hat in dieser Saison die meisten Punkte in Wolfsburg erzielt (16 Tore, 24 Assists). Nachdem sein Name auf dem Markt ist, steht er sicherlich auch auf unserer Liste.

Was wird sich auf den „ausländischen Sektor“ tun?

Mitchell: Zum jetzigen Zeitpunkt haben wir dort noch vier Positionen offen. Einer der Kandidaten ist Brandon Mashinter, der sich einen Verbleib in Ingolstadt sehr gut vorstellen kann. Mit ihm gibt es nach wie vor Gespräche, wobei am Ende – wie in diesem Geschäft üblich – der finanzielle Aspekt ausschlaggebend sein wird. Ansonsten werden wir auch in diesem Jahr wieder versuchen, offensivstarke Angreifer zu uns zu lotsen.

Um beim Thema Angreifer zu bleiben: Der Verein hat am Mittwoch offiziell bestätigt, dass die Import-Stürmer Tyler Kelleher, Pat Cannone und Ryan Garbutt nicht zurückkehren werden (siehe auch eigene Meldung). Was sind die Gründe dafür?

Mitchell: Nun, was die Personalie Kelleher betrifft, gibt es eine gewisse ’Abmachung’ zwischen seinem Agenten und mir. Nachdem Tyler zuvor in der AHL dreieinhalb Monate auf der Tribüne saß, auch ansonsten im Profi-Bereich noch nicht viel Erfahrung aufweisen konnte und er körperlich nicht gerade der größte DEL-Spieler ist, waren wir bereit, dieses Risiko einzugehen und hm eine Chance zu geben. Im Gegenzug war er sicher nicht einer unserer teuersten Akteure. Die Wahrscheinlichkeit, dass das Ganze eine Ein-Jahres-Geschichte wird, war von Beginn an sehr groß. Tyler hat es auch als Sprungbrett angesehen, sich für eine Liga, in der vielleicht einen Tick besser gespielt wird als in der DEL, interessant zu machen. Und das ist auch legitim.

Und bei Ryan Garbutt beziehungsweise Pat Cannone?

Mitchell: Ryan kam spät zu uns und hatte dann das Pech, dass ihn eine gebrochene Hand in der Vorbereitung längere Zeit außer Gefecht gesetzt hat. Er hatte definitiv Momente, in denen er seine Geschwindigkeit und körperliche Robustheit geltend gemacht hat. Auf der anderen Seite war sein Ruf bei den Schiedsrichtern nicht der beste – und dazu hat Ryan mit unnötigen Strafen sicherlich selbst entscheidend dazu beigetragen. Zur Personalie Pat Cannone: Das war auf alle Fälle die schwierigste Entscheidung von allen. Es ist kein Geheimnis, dass ich ein großer Fan von ihm bin, da ich ihn in der Vergangenheit oft spielen gesehen habe. Nach seinem starken letzten Hauptrunden-Viertel hatte ich gehofft, dass er sich in den Play-offs nochmals steigern kann. Dann hätten wir ihm zu 100 Prozent einen neuen Vertrag angeboten. Aber das ist ihm leider nicht gelungen. Daher werden wir versuchen, einen anderen Nummer-eins-Center zu verpflichten.

Blicken wir zum Abschluss noch auf zwei „Sorgenkinder“, die auch in der kommenden Saison beim ERC Ingolstadt noch unter Vertrag stehen und beginnen mit Ville Koistinen: Warum hat er sein zweifelsohne großes Können in dieser Saison zu selten aufblitzen lassen?

Mitchell: Ich habe am Dienstag mit Ville gesprochen und ihm dabei gesagt, dass er für mich in der Saison 2017/2018 der beste Verteidiger der DEL war. In dieser Spielzeit hat er es bei uns gerade noch unter die „Top Vier“ hinter Maury Edwards, Sean Sullivan und Fabio Wagner geschafft – und das kann sicher nicht sein Anspruch sein! Ville selbst hat das in unserem Gespräch bestätigt und ergänzt, dass er einfach besser sein will und muss. Er möchte in der kommenden Saison unbedingt beweisen, dass er eigentlich unser Nummer-eins-Verteidiger ist.

Ebenfalls deutlich hinter den Erwartungen zurückgeblieben ist Darin Olver! Wie sehen Sie seine Situation?

Mitchell: Nachdem Olver in der letzten Saison noch 17 Treffer erzielt hat, konnte er – ebenso wie Koistinen – diese Leistung nicht bestätigen. Zusammen mit dem Trainer-Stab sind wir jedoch der Meinung, dass Darin vor allem im läuferischen Bereich immer noch auf einem hohen Level agieren kann. Da er in dieser Spielzeit auch mit einigen Verletzungen zu kämpfen hatte, sind wir jedoch optimistisch, dass er eine ’Rebound-Saison’ hinlegen kann.

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