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ERC Ingolstadt

29.01.2021

Louis-Marc Aubry: Drei verlorene Zähne, zwei Cuts, null Punkte

Grün ist bekanntlich die Farbe der Hoffnung: Ingolstadts Louis-Marc Aubry (links) hat bislang als einziger Panther-Stürmer noch keinen Scorerpunkt gesammelt. Die soll sich möglichst am Sonntag in Straubing ändern.
Foto: Johannes Traub

Plus Ingolstadts Stürmer Louis-Marc Aubry spricht über Zahnarztbesuche, Schlägermarotten und einen trügerischen Kantersieg. Am Sonntag in Straubing will der Frankokanadier seinen schlechten Saisonstart hinter sich lassen.

Louis-Marc Aubrys Krankenakte in dieser noch jungen Saison ist lang: Ein positiver Corona-Test, zwei Cuts im Gesicht, eine gebrochene Nase, drei ausgeschlagene Zähne. Der neue Angreifer, der zuletzt bei den Eisbären Berlin erfolgreich war, hat einen schweren Start beim ERC Ingolstadt hinter sich. Aktuell ist er der einzige Panther-Stürmer ohne Scorerpunkt. „Ich erwarte mehr von ihm. Alles, was er machen muss, ist, ein starker, zuverlässiger, defensiver Dritt-Reihen-Center zu sein, der seinen Flügeln die Scheibe gibt und sie unterstützt“, fordert sein Trainer Doug Shedden. Die Neuburger Rundschau hat sich mit dem 29-jährigen Frankokanadier vor der Auswärtspartie am Sonntag in Straubing (14.30 Uhr) unterhalten.

Herr Aubry, wie viele verschiedene Schlägermodelle haben Sie eigentlich?

Aubry: (lacht) Ist das gerade das Thema der Woche? Ich habe den Hersteller gewechselt, von Warrior zu Bauer und wollte auch meine Biegung etwas ändern. Seit Anfang der Saison habe ich wahrscheinlich zehn bis zwölf unterschiedliche Modelle ausprobiert.

Und wie oft tapen Sie Ihren Schläger während eines Spiels um?

Aubry: Ich versuche, das so selten wie möglich zu ändern. Wahrscheinlich sollte ich mich mal für eine Taping-Art entscheiden. Meistens ist es aber schwarz oder weiß.

Ihr Kabinen-Nachbar Tim Wohlgemuth hat im Eishockey-Podcast „Bend your knees“ von dieser Marotte erzählt. Schläger mit verschiedenen Härtegraden, Längen, Biegungen, Grip-Punkten, kuriose Tapewechsel während des Spiels. Seine Frage lautete: „Wie kann man so durchs Leben laufen?“. Was antworten Sie ihm?

Aubry: Als ich nach Ingolstadt kam, hatten wir wegen Corona noch nicht sofort die neuen Schläger zur Verfügung. Dadurch habe ich ein paar Sachen, die hier rumstanden, ausprobieren können. Da waren auch kurze Modelle dabei, die ich dann verlängern musste. Ansonsten ist es meistens wirklich immer derselbe Schläger, nur mit anderem Tape. Wie das angefangen hat, weiß ich gar nicht so wirklich. Damals in Berlin haben Sean Backman und ich für eine oder zwei Wochen unsere Schläger gegenseitig getapet. Da kam jeden Tag anderes Zeug drauf.

Gibt es weitere verrückte Eigenschaften, von denen wir wissen sollten?

Aubry: Wahrscheinlich. Aber belassen wir es mal dabei (lacht).

Sie haben jetzt gegen jedes Team der Süd-Division mindestens einmal gespielt. Freuen Sie sich schon auf die Partien gegen die Mannschaften im Norden und ein Wiedersehen mit den Eisbären?

Aubry: Sicher will ich gegen die Eisbären spielen. Man sieht zwar die Highlights der anderen Teams, aber irgendwie fühlt es sich an wie eine andere Liga. Es ist schon komisch, immer gegen dieselben Mannschaften zu spielen. Eine verrückte Saison.

Ihr Körper hat es zuletzt nicht gut mit Ihnen gemeint. Sie erlitten im Vorjahr eine Knie- und Knöchelverletzung. In dieser Saison mussten Sie bereits in Corona-Quarantäne, zogen sich im Training einen Cut am Wangenknochen zu und bekamen ein paar Tage später in einem Spiel gegen Mannheim die Scheibe ins Gesicht...

Aubry: Die zwei Wochen Quarantäne waren echt hart. Wir hatten ja ohnehin acht Monate Pause und keine wirkliche Vorbereitung. Und dann bist du drei Tage vor dem Saisonstart auf einmal raus. Dann bist du plötzlich zuhause, schaust Netflix, liest, versuchst, irgendwie in Form zu bleiben. Das war echt frustrierend. Dann kam beim Training ein Schuss ins Gesicht. Ich wurde mit drei Stichen genäht. Und als das ausgeheilt war, bekam ich im ersten Wechsel gegen Mannheim die Scheibe auf die Nase. Meine Nase war gebrochen, drei Zähne ausgeschlagen, ich hatte einen Cut und Schädelbrummen. Das hat mich nochmals sieben, acht Tage gekostet. Und acht bis zehn Zahnarztbesuche (lacht).

Sicher nicht der beste Start nach einem Vereinswechsel...

Aubry: Nein, du willst zeigen, was du draufhast. Und dann passiert das. Aber jetzt bin ich gesund und will mich täglich auf das Jetzt fokussieren und mich einfügen, in welcher Rolle auch immer. Ich weiß, dass ich derzeit nicht so spiele, wie ich eigentlich will. Ich muss härter arbeiten.

Bisher sind Sie noch der einzige punktlose Stürmer beim ERC Ingolstadt. Woran liegt das?

Aubry: Ich weiß nicht, ob meine Ausfälle damit zusammenhängen. Es ist ein schmaler Grat im Profisport. Ich habe 2020 wahrscheinlich sechs Partien absolviert. Wenn ich mich gut fühle, schirme ich den Puck mit meinem Körper ab und bin spielstark. Da war es echt frustrierend, ständig Zweikämpfe zu verlieren. Aber es wird langsam besser. Wenn ich gesund bleibe und weiter hart arbeite, kommt das zurück.

Sie haben zu Beginn der Saison neben David Elsner und Brandon DeFazio gespielt – eine körperlich schwere Reihe, die dem Gegner unter die Haut gehen sollte. Jetzt sind Sie in einer kreativeren Formation mit Petrus Palmu und Ryan Kuffner. Was liegt Ihnen mehr?

Aubry: Das kommt darauf an. Es muss im richtigen Moment einfach Klick machen. Mit „Elsi“ und „Fazi“ hatten wir in der Vorbereitung vier Tore. Sie spielen geradlinig und checken gut vor. Petrus und „Kuf“ sind zwei wirklich talentierte Spieler, die skaten können und gut mit der Scheibe sind. Mit ihnen ist es etwas anders. Sie halten den Puck länger. Es ist also eine kleine Umstellung.

Sie treten am Sonntag in Straubing an. Ist das 8:0 gegen Nürnberg im Rücken trügerisch? Immerhin waren darunter sechs Powerplay-Tore...

Aubry: Absolut richtig. 8:0 sieht gut aus – aber es war kein typisches Spiel, weil wir so oft in Überzahl waren. Wir müssen uns weiter fokussieren, denn in der Tabelle sind wir immer noch nicht ganz oben. Straubing ist ein Rivale. Das wird ein hartes Spiel. Da dürfen wir nicht so wie am Donnerstag spielen, sondern müssen physischer agieren.

Sie haben erzählt, wie schwer Ihnen der unsichere Sommer gefallen ist. Sie haben erst spät hier unterschrieben. Würden Sie so etwas nochmals in Kauf nehmen oder möchten Sie so früh wie möglich Gewissheit?

Aubry: Ja, es war wirklich schwer, nicht zu wissen, ob überhaupt eine Saison stattfindet. Ich bin hier zufrieden mit der Organisation und dem Team. Wir haben eine gute Mannschaft mit einer echten Gewinner-Mentalität. Natürlich wäre Gewissheit über meine Zukunft schön, aber aktuell fokussiere ich mich mehr auf meinen Beitrag für das Team.

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