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ERC Ingolstadt

06.08.2018

Pat Cannone: Eintrag in die Geschichtsbücher

Einer der Hoffnungsträger im Panther-Sturm: Der 32-jährige US-Center Pat Cannone soll die Offensive des ERC Ingolstadt in der kommenden DEL-Saison beflügeln.
Bild: Dirk Sing

Im Alter von 30 Jahren feierte der Panther-Neuzugang Pat Cannone bei den Minnesota Wild sein NHL-Debüt. Warum es dennoch schwierig ist, in der besten Liga der Welt Fuß zu fassen und welcher Spielertyp er jetzt beim ERCI sein möchte

Er zählt in der kommenden DEL-Saison beim ERC Ingolstadt zu den großen Hoffnungsträgern in Sachen Toreschießen und kreative Momente: Patrick „Pat“ Cannone. Der 31-jährige US-Boy, der am 9. August seinen 32. Geburtstag feiert, wagt erstmals in seiner Karriere den Sprung „über den großen Teich“. Wir haben mit dem rechtsschießenden Center, der es in 497 AHL-Partien (zuletzt für die Iowa Wild) auf 106 Tore und 174 Assists brachte, gesprochen.

Pat, Sie sind am Sonntag auf dem Münchner Flughafen eingetroffen. Wie groß ist der „kulturelle Schock“ nach den ersten 24 Stunden in Deutschland?

Cannone: (lacht) Es ist auf alle Fälle etwas anders! Zusammen mit meiner Frau bin ich am Sonntag angekommen. In Deutschland haben an diesem Tag nahezu alle Geschäfte geschlossen. Am Montag war es dann schon etwas einfacher. Wir haben beispielsweise geschaut, dass wir Internet in unserer Wohnung haben beziehungsweise einige andere organisatorische Dinge erledigt. Ich denke, dass die Umstellung von Tag zu Tag einfacher wird.

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Sind Sie eigentlich zum ersten Mal in Deutschland?

Cannone: Nein, nicht wirklich! Ich war bereits 2013 schon einmal hier. Genauer gesagt in Dresden, wo ich die Inlinehockey-Weltmeisterschaft mit Team USA absolviert habe. Die Leute dort waren sehr nett, auch die Stadt hat mir sehr gut gefallen.

Was wissen Sie bislang über das Eishockey in Deutschland?

Cannone: Nun, viele Freunde und ehemalige Teamkollegen von mir spielen bei zahlreichen Vereinen in der DEL. Von daher weiß ich, dass es sich um eine richtig anspruchsvolle Liga mit zahlreichen hervorragenden Akteuren handelt. Ich freue mich auf diese Herausforderung.

Nicht zuletzt hat Deutschland ja in diesem Jahr bei den Olympischen Spielen in Südkorea die Silbermedaille gewonnen...

Cannone: Oh ja, natürlich! Sowohl für das Land als auch die Sportart sowie die Eishockey-Fans war das ein unglaublicher Erfolg. Dass Deutschland schon immer in der Lage war, gutes Eishockey zu spielen, ist hinlänglich bekannt. Dass die Jungs jetzt in der Lage waren, bei einem solchen Turnier den anderen Top-Nationen wie Kanada, USA, Russland, Schweden oder Finnland ihre wahre Stärke zu zeigen, war schon ziemlich cool.

Ihr Wechsel nach Europa zum ERC Ingolstadt ist zweifelsohne ein neues Kapitel in Ihrer Eishockey-Karriere. Sind Sie mit Ihren bald 32 Jahren (feiert am 9. August Geburtstag) noch nervös oder aufgeregt, was in den kommenden Wochen und Monaten auf Sie zukommen wird?

Cannone: (lacht) Ja schon, von beidem etwas! Wenn ich einmal auf meine Zeit in der American Hockey-Liga zurückblicke: Ich bin damals als junger Spieler gekommen und war in der vergangenen Saison bei den Iowa Wild plötzlich der älteste und erfahrenste Akteur in meiner Mannschaft. Das war zweifelsohne eine spannende Entwicklung. Jetzt bei den Panthern liege ich vom Alter her wieder so mittendrin. Ich bin auf alle Fälle sehr gespannt auf meine Zeit in Ingolstadt.

Warum sind Sie der Meinung, dass ausgerechnet jetzt der perfekte Zeitpunkt war, erstmals in Europa Eishockey zu spielen?

Cannone: Nachdem ich ja die meiste Zeit meiner Karriere in der American Hockey-League verbracht habe, hatte ich jetzt einfach das Gefühl, etwas Neues ausprobieren und machen zu müssen. Es hat sich dann die Möglichkeit mit den Panthern ergeben – und in meinen Augen ist es zum jetzigen Zeitpunkt der richtige Schritt! Für mich persönlich war es zudem immens wichtig, dass mich meine Frau auf diesem Weg begleitet. Ohne ihre Zustimmung hätte ich eine solche Entscheidung sicherlich niemals getroffen.

Im „zarten“ Alter von 30 Jahren haben Sie am 20. Dezember 2016 das erste NHL-Match in Ihrer Karriere für die Minnesota Wild gegen die Colorado Avalanche bestritten. Damit waren Sie zugleich der zweitälteste Akteur in der Wild-Historie, der sein NHL-Debüt gefeiert hat. Was bedeutet Ihnen diese „Auszeichnung“?

Cannone: Das war einfach richtig cool (lacht). Wenn du in diesem Alter zum ersten Mal eine NHL-Partie absolvierst – was mit Sicherheit nicht vielen Leuten gelingt –, dann erlebst du viele Gefühle. Auch habe ich von zahlreichen Kumpels jede Menge lustiger Sprüche bekommen (lacht). In diesem Moment spürst du dein wirkliches Alter gar nicht mehr. Es fühlt sich eher an wie mit 18 Jahren. Was noch hinzukommt: Eine dieser insgesamt drei Partien fand quasi in meiner Heimat New York im Madison Square Garden gegen die Rangers am Geburtstag meiner Frau zur Weihnachtszeit statt. Das war alles schon sehr speziell.

Als ungedrafteter Spieler im Alter von 30 Jahren in die NHL: Kann man sagen, dass Sie ein perfektes Beispiel dafür sind, seine Träume und Ziele niemals aus den Augen zu verlieren?

Cannone: Ich denke schon, dass man das so sagen kann, ja! Viele Jungs in meinem Alter, die in der AHL aktiv sind, haben zu diesem Zeitpunkt ihren NHL-Traum sicherlich schon aufgegeben und setzen andere Prioritäten. In meinem Fall war es so, dass ich immer hart gearbeitet und stets auf meine Chance gehofft habe. Und letztlich wurde ich ja dann auch dafür belohnt. Dieses Erlebnis, bei drei NHL-Begegnungen dabei gewesen zu sein, kann mir niemand mehr nehmen und macht mich schon auch stolz.

Anhand Ihrer Statistiken wird schnell deutlich, dass Sie in Ihren AHL-Klubs stets zu den Scorern gezählt haben. Wie schwer ist es dann, sich in der dritten oder vierten Reihe eines NHL-Teams zu behaupten, wo Sie ja im Grunde genommen eine komplett andere Rolle interpretieren müssen?

Cannone: Das ist in der Tat nicht einfach! Du musst im Grunde diese dünne Linie zwischen den vielen Einsatzminuten, unter anderem auch im Powerplay, in der AHL auf der einen sowie plötzlich vielleicht nur fünf Minuten Eiszeit und Unterzahlspiel in der NHL finden. Das Wichtigste ist, dass du dich mental darauf einstellst und sich voll und ganz auf diese Aufgabe einlässt. Auf diesem Level hast du anders überhaupt keine Chance. Letztlich geht es ausschließlich darum, alles zu tun, damit dir dein Headcoach weiter das Vertrauen schenkt.

Welcher Spielertyp wollen Sie künftig beim ERC Ingolstadt sein?

Cannone: Ich möchte mich schlichtweg als kompletten Spieler präsentieren, der sowohl in der Offensive produzieren kann, aber auch in der Defensive seine Aufgaben nicht vernachlässigt. Ob im Powerplay, bei den Bullys oder dem Kreieren von Spielzügen – ich will mein Team so gut wie möglich unterstützen. Das war schon immer mein Ziel.

Video-Interview mit Vili Sopanen Ein ausführliches und kurzweiliges Video-Interview mit dem finnischen Neuzugang der Panther, Vili Sopanen (zuletzt HIFK Helsinki), gibt es sowohl in unserem ERCI-Special unter www.neuburger-rundschau.de/erci als auch auf unserer Facebook-Seite.

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