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ERC Ingolstadt

03.12.2020

Petrus Palmu: Der Eisheilige

Geht im Testspiel am Freitag gegen Straubing erstmals für den ERC Ingolstadt aufs Eis: Der Finne Petrus Palmu wechselte aus Jyväskylä zu den Panthern.
Bild: Johannes Traub

Plus Dass Petrus Palmu beim ERC Ingolstadt spielt, war nicht so geplant. Jetzt will der kleine Finne mit seiner Schnelligkeit überzeugen. Nicht nur die Schanzer, sondern auch ein paar Menschen in Vancouver.  

Um die naheliegendste Frage gleich mal aus dem Weg zu räumen: Nein, gläubig sind die Eltern von Petrus Palmu nicht. „Das ist ein ganz normaler finnischer Name“, sagt der neue Stürmer beim ERC Ingolstadt und lacht. Wobei das schon gut passen würde. Apostel Petrus, Schutzpatron der Fischer. Petrus Palmu, passionierter Angler und vielleicht bald neuer Eisheiliger im Team von Trainer Doug Shedden.

Wer die jüngste Ergänzung im Panther-Sturm so über das Eis flitzen sieht, schaut zweimal auf die Schlittschuhhacken, um dann doch festzustellen, dass da kein Düsenantrieb eingebaut ist. Ansonsten sind Highlight-Videos im Internet auch ein ganz guter Indikator dafür, dass sich die Schanzer da einen ziemlich hochkarätigen Jungspund in die Mannschaft geholt haben.

Palmu, 23 Jahre alt, ist ein kräftiger Bursche. Bei einer Größe von 1,68 Metern bringt er stolze 78 Kilo auf die Waage. Wie ein „Tyler Kelleher auf Steroiden“ sei er, sagt Trainer Shedden mit Verweis auf den letzten zwergigen Spieler im ERC-Trikot. Nur schneller.

Für Palmu selbst sind seine Maße keine große Sache: „Die Gegner ziehen mich deshalb vielleicht etwas auf und früher gab es da schon mal den ein oder anderen Spruch in der Kabine, aber das ist mir egal. Ich bin glücklich mit meinem Aussehen und meiner Größe.“ Seine Schnelligkeit und Furchtlosigkeit sollen das kompensieren, sagt der Stürmer selbst. „Er nimmt Zweikämpfe an, fährt vor das Tor“, beschreibt ihn Sportdirektor Larry Mitchell.

ERC Ingolstadt: Palmu gilt als großes Talent

In Nordamerika sind fehlende Zentimeter schon eher ein Problem. Zwar wurde Palmu 2017 in der sechsten Runde von den Vancouver Canucks gedraftet und gilt dort noch immer als großes Talent. Allerdings, so ist es Mitchell und auch kanadischen Medien zu entnehmen, soll der Finne bei den Canucks keine allzu große Rolle mehr spielen. Weil sein dreijähriger NHL-Einstiegsvertrag noch in dieser Saison läuft, ist Palmu nur auf Leihbasis in Ingolstadt.

„Theoretisch ist das, als ob die Canucks Petrus zu ihrem Farmteam schicken. Es besteht also die Möglichkeit, dass sie ihn zurückholen oder traden können. Aber das ist sehr unwahrscheinlich“, erklärt Mitchell. Zu seiner Zeit bei den Augsburger Panthern handelte der Manager einen ähnlichen Deal mit den Minnesota Wild aus. Der Spieler der damaligen Begierde trägt aktuell ein ERC-Dress. Es ist Colton Jobke.


Angeln gehört zu den Hobbys von Petrus Palmu.
Bild: Palmu

Palmu jedenfalls spielt jetzt in Europa, so will es Vancouver. Bereits mit 17 Jahren ging der finnische Auswahlspieler nach Kanada, erzielte in drei Jahren in der Juniorenliga OHL im Schnitt über einen Punkt pro Partie. Vancouver sicherte sich die Rechte an ihm, schickte ihn zur Entwicklung für ein Jahr in die finnische Profiliga, wo Palmu zum Neuling des Jahres gewählt wurde. „Sie wollten mich dann in ihrem Farmteam in der AHL einsetzen“, erzählt der Flügelstürmer. „Das Trainingslager lief gut, aber unter der Saison bekam ich keine Eiszeit. Ich konnte nicht einfach nur auf der Bank sitzen. Also bin ich zurück nach Finnland ausgeliehen worden.“

ERC Ingolstadt: Palmu spielte zuletzt in seiner Heimat

In der heimischen Liiga läuft er erst beim Küstenclub Turku und dann in Jyväskylä auf. Dort traf er übrigens auf den neuen Nummer-eins-Goalie des ERC Michael Garteig. Ob er gegen ihn getroffen habe? „Wahrscheinlich“, flachst Palmu. Ein Faktencheck ergibt: in drei direkten Duellen gewann zweimal Garteig, einmal gar per Shutout. Palmu erzielte keinen einzigen Scorerpunkt.

Larry Mitchell mag Finnland. Dreimal war er dort in der Vorsaison auf Scoutingreise. „Es gibt sicher auch preiswerte Spieler in Rumänien“, scherzt der Sportdirektor. „Aber die finnische Liga ist vom Niveau her ähnlich wie die DEL. Durch einen neuen TV-Vertrag werden in Finnland nicht mehr die Summen verdient wie in Schweden oder der Schweiz. Die Spieler haben mehr Interesse, nach Deutschland zu gehen.“

Zumindest bei Palmu war das anfangs nicht so, wie er selbst zugibt: „Ich hatte eigentlich nicht gedacht, dass ich dieses Jahr in Deutschland spiele. Aber dann kam Corona, der Eishockeymarkt wurde quasi stillgelegt. Einige finnische und schwedische Teams haben keine neuen Spieler verpflichtet.“ Und Mitchell, der suchte spät im Herbst ja noch ein Drittel seiner Mannschaft und hatte den kleinen Finnen schon im Frühjahr gesehen.

Dann lief es wie so oft im Eishockey – über Beziehungen. Bei einem befreundeten Scout der Canucks erkundete sich Mitchell nach Palmus Vertragssituation, bei Greg Ireland – damals Trainer in dessen Juniorenteam – nach seinen Fähigkeiten und bei Palmu selbst schließlich nach seinem Interesse für Ingolstadt.

ERC Ingolstadt: Palmu ist in der zweiten Reihe eingeplant

„Ich sprach mit einigen deutschen Klubs. Aber Ingolstadt schien ein sehr gutes Team zu haben. Auch deshalb habe ich mich dafür entschieden. Eine neue Kultur, neue Teamkollegen. Das ist gut für mich“, sagt Palmu über seinen Wechsel. Er ist redselig, ansonsten aber ein typischer Finne, besitzt ein Boot zum Fischen, eine Sauna, ein Naturbursche. Die Donau ist er schon ein paar Mal entlanggelaufen.

Auf dem Eis plant ihn Shedden zunächst in der zweiten Reihe neben Louis-Marc Aubry und Justin Feser. Palmu beschreibt selbst: „Ich soll ein bisschen Schaden anrichten. Wahrscheinlich spiele ich auch Powerplay.“ Und bald auch erstmals NHL? Klar, ein Traum. „Wenn ich mich hier beweise, wird Vancouver vielleicht wieder mehr an mir interessiert sein“, sagt er. Gut möglich also, dass Palmu für nicht allzu lange Zeit in Ingolstadt bleibt. Aber das ist bei Eisheiligen ja normal.

ERC Ingolstadt testet am Freitag gegen Straubing

Für sein erstes Testspiel gegen die Straubing Tigers (Freitag, 17 Uhr) müssen die Panther auf Samuel Soramies (nach Oberliga-Einsatz in Rosenheim angeschlagen), Matt Bodie (nach seiner Ankunft weiterhin in Quarantäne), sowie eventuell auch Morgan Ellis (wartet auf seinen zweiten negativen Corona-Test) verzichten. Dafür steht Erstreihen-Center Daniel Pietta in der Aufstellung. Mitchell verhandelte eine Spielfreigabe mit Krefelds Sportdirektor Sergej Saveljevs. Pietta steht bekanntlich im Rechtsstreit mit seinem Ex-Klub. Über eine Abfindung für den Stürmer soll noch entschieden werden. Im Tor wird Garteig stehen, beim Rückspiel am Sonntag in Straubing Nico Daws. Jürgen Arzberger betreut zudem ab sofort die Ingolstädter Goalies. Seit September hat sich der 54-Jährige im Nachwuchs um die ERC-Torhüter gekümmert.

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